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"Eine Braut kommt selten allein" läuft heute in der ARD

Tragikomödie mit Herz

Berlin
erstellt am 05.12.2017 um 20:52 Uhr
aktualisiert am 06.04.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Berlin (DK) Er hat wie kaum ein anderer die deutsche Rapszene geprägt: Paul Würdig, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Sido. Er hat Millionen Tonträger verkauft, zig Preise eingeheimst, aber seine Songtexte waren stets auch umstritten. 2011 begann der Musiker mit der Schauspielerei, war in "Blutzbrüdaz" und "Halbe Brüder" zu sehen. Jetzt spielt Sido die Hauptrolle in der TV-Komödie "Eine Braut kommt selten allein".
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Johnny ist ein liebenswerter, hilfsbereiter Kerl. Doch derzeit hat er nur Pech: Nach der Insolvenz seines Clubs steht er ohne Arbeit da, nach der Trennung von Frau Katja und seiner achtjährigen Tochter Lena hat er keine Familie mehr, haust in einer Wohnung ohne Möbel. Eines Tages sitzt die junge Romni Sophia (Michelle Barthel) in einem knallroten Hochzeitskleid vor seiner Tür. Sie spricht kaum Deutsch, doch Johnny bekommt mit, dass sie aus Belgrad von ihrer Hochzeit abgehauen ist. Er nimmt sie bei sich auf. Bald schon funkt es zwischen den beiden. Als Sophia Heimweh hat, ist Johnny bereit, Sophias Eltern einzuladen. Doch es kommen nicht nur Mama und Papa, sondern die ganze Großfamilie. Alle wollen, dass er sie beschützt und vor der Abschiebung bewahrt. So gerät sein Leben noch mehr aus den Fugen, als es ohnehin schon ist.

Zwischen Dichtung und Wahrheit bewegt sich diese Multi-Kulti-Komödie um Willkommenskultur, Roma-Schicksal und Nächstenliebe. Laila Stieler ("Die Polizistin") und Buket Alakus ("Eine andere Liga"), beide Grimme-Preis-gekrönt, erzählen eine Liebesgeschichte der etwas anderen Art. Sie spielen mit Klischees, brechen sie oder drehen sie um. Die wohl schönste Szene des Films spielt in der U-Bahn, als Johnny mit Sophia zur Behörde fährt, ihr klarmacht, dass sie dort sagen soll, sie komme nicht aus Serbien, sondern aus Syrien, und der Reihe nach alle Menschen im Waggon ihr Tipps geben, was sie noch alles angeben soll, um leichter Asyl zu erhalten. Am Ende üben alle gemeinsam mit ihr im Chor: "Ich heiße Sophia, ich bin Syrerin, ich komme aus Aleppo . . ."

Nur phasenweise bemüht, mit viel Liebe zum Detail, einem Schuss Ironie und enormer Frische ist der Film inszeniert. Klar, er hat etwas Märchenhaftes, aber gerade das darf vor Weihnachten ja auch sein. Und er hat ein Anliegen: "Wir erzählen diese Liebesgeschichte, weil wir überzeugt sind, dass Roma genauso lieben wie Deutsche, Türken oder Sudanesen. Unsere Helden glauben an die Liebe und den unschätzbaren Wert von Menschlichkeit."

Michelle Barthel als junge Romni macht durch ihr unverkrampftes, schwungvolles Spiel viel Spaß. Die Überraschung ist Paul Würdig. Er gibt diesem Johnny von der traurigen Gestalt etwas Würdevolles, Melancholisches und durchweg Sympathisches. Kaum zu glauben, dass dieser Mann als Pionier des "Gangsta-Rap" gilt.

ARD, heute, 20.15 Uhr.

Von Volker Bergmeister
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