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Hohe Erwartungen nicht erfüllt: Oper "Prima Donna" enttäuscht am Theater Augsburg

Viel Musik für wenig Handlung

Augsburg
erstellt am 05.02.2018 um 20:21 Uhr
aktualisiert am 11.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Augsburg (DK) Am Ende ist die Party vorbei, das Feuerwerk verloschen, aus dem Salon ist wieder das kleine Zimmer in Paris geworden, in dem auch La Bohème spielen könnte. Und die einst große Operndiva Regine Saint Laurent blickt desillusioniert auf ihre Karriere und einen gescheiterten Comeback-Versuch - ähnlich wie der Zuschauer auf eine Operninszenierung, bei der der Funke nicht überspringen wollte und vielleicht nicht konnte.
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Augsburg: Viel Musik für wenig Handlung
Die Diva und der Diener: Sally du Randt und Wiard Witholt in der ersten Oper des Songschreibers, Popstars und genialischen Dandys Rufus Wainwright. - Foto: Fuhr
Augsburg

Dabei waren die Erwartungen groß: "Prima Donna" ist die erste Oper des Songschreibers, Popstars und genialischen Dandys Rufus Wainwright, der zuletzt mit seinen Vertonungen von Shakespeare-Sonetten durchaus bezaubert hat. Die deutsche Erstaufführung der Übersetzung von Lothar Nickel am Theater Augsburg blieb aber unter dem Strich enttäuschend. Wobei die mitunter unfreiwillig komische deutsche Übersetzung noch das geringste der Probleme ist.

Die liegen schon eher in der Handlung: Seit sechs Jahren lebt die Saint Laurent zurückgezogen im Paris der 1970er-Jahre, nachdem bei einem Auftritt ihre Stimme versagte. Aus Eigennutz will sie ihr Diener zu einem Comeback überreden und arrangiert deshalb ein Interview mit einem Journalisten, der sich als Tenor entpuppt. Zwischen Erinnerungen und dem Wunsch, wieder aufzutreten, scheitert sie aber erneut: Ihre Stimme versagt an der gleichen Stelle des Duetts wie vor sechs Jahren. Wainwright, dem gerne Divenhaftigkeit zugeschrieben wird, verneint autobiografische Bezüge, die der eindimensionalen Geschichte aber zumindest etwas psychologische Tiefe geben würden. Wie er selbst sagt, habe er sich bei seiner ersten Oper nicht an eine komplexere Story gewagt.

Was sich als insofern als richtige Entscheidung erweist, als seine Musik auch den dürftigen Plot nicht auffangen und ihm Kontur geben kann. Der bekennende Bewunderer der italienischen Oper des 19. Jahrhunderts liebt die reich instrumentierte Melodienschwelgerei, weiß offensichtlich nur zu gut um seinen Hang zu Pathos und Überzuckerung und versucht, den mit modernen Anleihen entschlacken, letztendlich bleibt er aber epigonal. Man kann eben auch in der Kunst die Zeit nicht einfach zurückdrehen, zumindest nicht ohne ironisch-parodistisch-spielerische Absicherung.

Am stärksten sind noch die songähnlichen Passagen, zum Beispiel wenn Sally Du Randt als Saint Laurent die zentrale Arie solo am Klavier beginnt. Viel zu selten verdichten sich aber Handlung und Musik zu einer opernwürdigen Einheit. Am ehesten überzeugt dabei das weiblich Paar in der Figurenkonstellation, Sally Du Randt, die - natürlich - souverän ist, aber kaum Gelegenheiten hat zu glänzen - und Jeannette Wernecke als ihre Dienerin. Wiard Witholt als Diener gefällt zwar stimmlich, leidet aber an dem holzschnittartigen Zuschnitt seiner Rolle, und Roman Poboinyi als Journalist wird vom Orchester oft regelrecht zugedeckt, was allerdings nicht an den Augsburger Philharmonikern unter Lancelot Fuhry liegt. Dagegen ist der mittlerweile scheinbar obligatorische Einsatz von Video und Beamer (Inszenierung Hans Peter Cloos) hier durchaus stimmig - zumindest wenn die Einspielung von Filmklassikern einen Blick in die Innenwelt der Diva, ihre Erinnerungen, Wünsche, Projektionen zulassen, den die Musik nicht leisten kann. Die Verdoppelung des Bühnengeschehens durch die von den Statisten geführte Kamera verstärkt dagegen eher das Fehlen einer zentralen Idee.

So bleibt am Ende viel Musik für wenig Handlung und auch ansonsten der Eindruck, dass hier mit sehr viel Aufwand sehr wenig Substanz umkreist wird. Für Häme oder Spott über den Popmusiker, der sich in die Oper verirrt, ist dabei aber kein Anlass. Eher für Bedauern darüber, dass große Erwartungen am Ende in einer großen Enttäuschung enden.

Nächste Vorstellungen am 7., 9. und 15. Februar. Weitere Aufführungen unter www.theater-augsburg.de.

Von Berndt Herrmann
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