Montag, 10. Dezember 2018
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Großer Jubel für die Premiere von "Robin Hood" vom Hofberg-Freilichttheater Schiltberg

Aufruhr im Sherwood Forrest

Schiltberg
erstellt am 18.06.2018 um 20:17 Uhr
aktualisiert am 19.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Schiltberg (DK) Gerechtigkeit! Welch hehrer Anspruch! Wenn sich der nur immer mit dem Füllen der eigenen Taschen in Einklang bringen ließe. Also werden schon mal ethische Ideale über Bord geworfen - die Grundthematik von "Robin Hood" ist zeitlos. Sie bleibt auch beim aktuellen Stück des Schiltberger Hofberg-Freilichttheaters unangetastet, wo das Stück im grandiosen Ambiente am Wochenende Premiere feierte. Inklusive jenes sich in die Seele schleichenden Gefühls der Genugtuung: den Reichen nehmen, den Armen geben - Gesellschaftspolitik à la Robin Hood, nicht wenige sehnen sich auch heute danach.
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Fotos: De Pascale
Schiltberg


Ein bisschen Reminiszenz an das, was vielen beim Gedanken an die Filme und Bücher über Robin Hood durch den Kopf schießen mag, so ein ganz klein wenig gefeierten Heldentums, gestehen die Regisseure Afra und Hans Kriss ihrem Protagonisten zu (einen besseren Bogenschützen hat die Welt noch nicht gesehen). Dennoch: Der Begriff Protagonist greift bei dieser Inszenierung nicht so recht. Denn als im Vordergrund strahlender Held, um den sich der Rest des Ensembles in Neben- und Statistenrollen gruppiert, ist Robin Hood hier nicht angelegt. Vielmehr verschiebt das Regisseurteam im von ihm selbst verfassten Stück die Koordinaten diesbezüglich ein wenig, bindet die titelgebende Figur ins Ensemble ein - behutsam und dennoch merklich, macht damit letztlich den Weg frei für einen ganz neuen Robin Hood. Mit Marian, der Müllerstochter, stellen die Autoren Robin Hood ein ihm ebenbürtiges weibliches Pendant zur Seite. Die gerechte Geschlechterrolle ziehen Hans und Afra Kriss auch konsequent durch, setzen Damen unaufgeregt ihren männlichen Figuren gleich. So bekommt auch der Sheriff von Nottingham (Tobias Wenhardt) eine Gattin (Veronika Rieblinger), die Ähnliches wie er im Schilde führt.

Basis der Handlung im Königreich England des Jahres 1193 ist die Entführung von König Löwenherz, aus der heraus sich eine Geschichte um Geiselnahme, Tarnung und Täuschung, Raufereien und Prozessionen samt ominösem Kelch von Rattindorough und Wettschießen, dem Aufbegehren gegen die Obrigkeit und freilich der Finanzen-Umverteilung von Reich nach Arm entspinnt. Doch da wäre auch noch ein ganz spezielles Völkchen: die Vogelfreien von Nottinghamshire, die samt ihren Anführern Robin Hood (Hermann Finger jun.), Marian (Lisa Koppold), Little John (Herbert Nadler) und Bruder Tuck (Christian Huber) im Sherwood Forest - um den darzustellen auf der Hofbergbühne ein grandioses Holzkonstrukt errichtet wurde - ein gewitztes Dasein hegen und für Gerechtigkeit sorgen.
Historisch anmutende Kostüme treffen auf Elemente aus dem Hier und Jetzt: Das Ergebnis ist ein ein komplett neuer Robin Hood im grandiosen Ambiente des Hofberg-Freilichttheaters.
Historisch anmutende Kostüme treffen auf Elemente aus dem Hier und Jetzt: Das Ergebnis ist ein ein komplett neuer Robin Hood im grandiosen Ambiente des Hofberg-Freilichttheaters.
Fotos: De Pascale
Schiltberg



An Mumm fehlt es Robin Hood und Marian nicht - sich deshalb jedoch mit irgendwem zu raufen? Das geht auch anders. Der Zuschauer ahnt es längst, am Ende kommt zwischen den beiden sogar das Thema Heirat ins Spiel.

Dass diese Inszenierung derart leicht, mit so manchem Augenzwinkern daherkommt - Sprüche wie "Shit happens" oder "Du hast einfach keinen Arsch in der Hose" tragen ihr Scherflein dazu bei. Gar als "naiven Sozialromantiker" lässt das Autorenteam seinen Robin Hood betiteln. Figuren wie der singende Bauchladenhändler Alviss (Pater Markus Szymula) - der irgendwo dem allem zugrunde liegenden spätmittelalterlichen Balladenzyklus Rechnung trägt - fangen derlei moderne Eskapaden wieder ein, bugsieren das Stück sanft zurück in Richtung Tiefgründigkeit, sodass die hochanständige Idee einer perfekten Gesellschaftsordnung keineswegs verraten zu werden droht. So singt Alviss etwa: "Schuld dran sind immer die anderen - und die, die anders sind."

Fast 90 motivierte Darsteller und Statisten, darunter viele Kinder und Jugendliche, die den im Stück mannigfaltig angelegten Figurenreigen ins Leben katapultieren, ein spürbar nicht minder engagiertes Team hinter den Kulissen, fetzige Reitszenen und nicht zuletzt freilich die unübertreffliche Atmosphäre des Hofberg-Theaters bringen einen so nie da gewesenen Robin Hood hervor; pfiffig und kreativ.

Vorstellungen von "Robin Hood" in Schiltberg gibt es bis 21. Juli. Karten gibt es unter anderem in allen DK-Geschäftsstellen.
Ute De Pascale
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