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Bürger bremsen die Späher aus

erstellt am 30.10.2009 um 21:31 Uhr
aktualisiert am 06.12.2018 um 13:01 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (sic) Molfsee eröffnete die erste Front. Das Dörfchen bei Kiel wuchs über sich hinaus, als die Bürger die Street-View-Kamerautos einfach aussperrten. Rund um die Erde findet das Vorbild nun Nachahmer. Die Initiatoren des Widerstands betonen: Es lässt sich weit mehr gegen Google ausrichten, als viele denken.
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Der Internetgigant ist schwer zu erreichen. Wer unter der Adresse streetview-deutschland@google.com Widerspruch gegen das ungefragte Abfotografieren des eigenen Hauses einlegt, erhält in der nächsten Minute eine Standardantwort: "Wir entwickeln derzeit Mittel, welche es Ihnen vor der Veröffentlichung von StreetView-Bildern aus Deutschland ermöglichen werden, Google noch genauer über den Gegenstand Ihres Widerspruchs zu unterrichten."

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Auf eine weitere Nachricht warten die Beschwerdeführer bis heute. Der Gutachter Prof. Claus Köhler weist darauf hin, dass das Widerspruchsverfahren à la Google ebenso wenig Rechtsverletzungen ausschließe wie die – neuerdings nach Protest praktizierte – Bekanntgabe der Fototermine.
 
Und doch: Dieses für Google-Verhältnisse nahezu offenherzige Zugeständnis verdankt sich zu einem guten Teil dem hartnäckigen Ringen des Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar. Er hatte Google ein Ultimatum gestellt, um seine Forderungen durchzusetzen. Unter anderem verlangte er, dass die Rohdaten der Fotos, auf denen alle Gesichter und Autokennzeichen zu erkennen sind, nach der Bearbeitung gelöscht werden. Google erfüllte die Bedingungen. Seither eifern die meisten Datenschützer Deutschlands und immer mehr engagierte Bürger dem Casparschen Vorbild nach und führen gegen Street View ins Feld, was die Gesetze hergeben.
 
Die kritische Öffentlichkeit in der 5000-Einwohner-Gemeinde Molfsee bei Kiel debütierte voriges Jahr als Widerstandsnest: Google-Skeptiker stellten sich den Foto-Autos in den Weg, der Bürgermeister drohte, sie auf dem Verordnungsweg aus dem Verkehr zu ziehen. Seitdem lehnen immer mehr Stadt- und Gemeinderäte Aufnahmen für Street View ab.
 
Der Protest schwillt weltweit an. Auch im englischen Broughton schnitten Einwohner Google mit Blockaden den Weg ab. Die Bilder der amerikanischen Stadt North Oaks mussten auf deren Betreiben von Google gelöscht werden, denn bei der Kommune handelt es sich um eine "private community": Die Straßen sind das Eigentum der Bürger, weshalb deren Zustimmung erforderlich ist.
 
In Japan musste Google nach Proteststürmen alle Aufnahmen wiederholen. Der Auslöser war, dass man, so der Vorwurf, in Fenster und Gärten sehen konnte. Ausgerechnet Griechenland setzte sich an die Spitze der Widerstandsbewegung: Hier darf Google überhaupt nichts mehr fotografieren.

Von Christian Silvester
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