Sonntag, 21. Oktober 2018
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Spanner-Vorwürfe: Fotos erhärten Tatverdacht – Landrat spricht von "persönlicher Tragik"

Scheyerer Bürgermeister meldet sich krank

Pfaffenhofen
erstellt am 24.06.2013 um 22:07 Uhr
aktualisiert am 20.04.2017 um 10:45 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen/Scheyern (DK) Als gestern seine bevorstehende Suspendierung wegen der neuen Spanner-Vorwürfe verkündet wurde, saß Albert Müller schon nicht mehr an seinem Schreibtisch im Scheyerer Rathaus. Er habe sich krankgemeldet und in eine Klinik begeben, teilte das Landratsamt mit.
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Pfaffenhofen: Scheyerer Bürgermeister meldet sich krank
Blick auf Scheyern: Das Bild der Gemeinde wird vom örtlichen Benediktinerkloster geprägt. Der Ort im südlichen Landkreis Pfaffenhofen hat rund 4800 Einwohner. Bürgermeister ist Albert Müller, der nun wegen Spanner-Vorwürfen sein Amt verlieren soll - Foto: Haßfurter
Pfaffenhofen
Weil sich auch die Zweite Bürgermeisterin Katja Limpert (Freie Wähler) im Krankenstand befindet, hat in der Scheyrer Gemeindeverwaltung nun zunächst Dritte Bürgermeisterin Ottilie Grubwinkler das Sagen. Albert Müller ist wie sie Mitglied der Wählergruppe Gemeinde Scheyern, eine Stellungnahme zu den neuen Vorwürfen will Grubwinkler nicht abgeben.

Einige Kilometer weiter wird zur gleichen Zeit im Pfaffenhofener Landratsamt über die politische Zukunft Müllers entschieden, wobei in der Kommunikation nach außen plötzlich Hektik aufkommt. Am späten Vormittag zitiert der Bayerische Rundfunk Landrat Martin Wolf (CSU), der Scheyerer Bürgermeister sei bereits suspendiert. Kurz darauf wird diese Äußerung von der Landkreisbehörde wieder eingefangen: Die Suspendierung sei in Vorbereitung, heißt es kurz nach Mittag diesmal ganz offiziell und werde in den nächsten Tagen umgesetzt. Die Landesanwaltschaft Bayern soll zudem damit beauftragt werden, das Disziplinarverfahren weiterzuführen, mit dem Ziel, Müller endgültig seines Amtes zu entheben. Landrat Wolf spricht in einer ersten Stellungnahme von einer „großen, persönlichen Tragik“ für Müller selbst, seine Familie und sein politisches und privates Umfeld – findet aber in der Sache selbst klare Worte: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er nach den neuerlichen Vorwürfen in sein Amt zurückkehren kann.“ Und genau diese Vorwürfe haben sich weiter konkretisiert.

Laut Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch sind auf der Speicherkarte der Kamera Fotos sichergestellt worden, die den Tatverdacht erhärten. Zudem sei der Scheyerer Bürgermeister von den hinzukommenden Beamten auf der Rolltreppe am Münchner Stachus mit der Kamera in der Hand in der Nähe einer Frau beobachtet worden. Schwer wiegt nach Ansicht der Staatsanwaltschaft auch der erhebliche Widerstand, den Müller bei seiner Festnahme geleistet habe, obwohl sich die Beamten in Uniform und Zivil durch „Halt Polizei!“-Rufe zu erkennen gegeben hätten. Der Strafrahmen bei Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte reiche von einer Geldstrafe bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe. Bei der Beleidigung „auf sexueller Grundlage“, wegen der Müller von einer 25-jährigen Frau, die er offenbar fotografiert hatte, angezeigt wurde, sei eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr möglich.

 

Von Rudi Gegger
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