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Mit einer kleinen, aber feinen Ausstellung präsentiert das Nürnberger Stadtarchiv seine Neuzugänge

Neue Schätze

Nürnberg
erstellt am 11.06.2018 um 17:43 Uhr
aktualisiert am 11.06.2018 um 19:11 Uhr | x gelesen
Nürnberg (HK) Das Stadtarchiv ist das Gedächtnis der Frankenmetropole. Dabei lebt das Haus nicht nur von der Historie. Neuzugänge halten die grauen Zellen der Stadt heute noch ständig auf Trab. Nun zeigt das Stadtarchiv am Marientorgraben seine neuesten Schätze in einer kleinen, aber feinen Sonderausstellung.
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Es gibt Neues im Stadtarchiv und das ist zurzeit auch der Öffentlichkeit zugänglich.
Es gibt Neues im Stadtarchiv und das ist zurzeit auch der Öffentlichkeit zugänglich.
Foto: Pelke
Nürnberg
Rund 200 Neuzugänge hat das Stadtarchiv Nürnberg allein in den vergangenen zwei Jahren verzeichnet. Darunter befinden sich Schenkungen, Dauerleihgaben und Aufkäufe. Wenn die Zeugnisse aus der Vergangenheit im Stadtarchiv eintreffen, werden die Neulinge haargenau verzeichnet, ordentlich verpackt, teilweise digitalisiert und anschließend in die altehrwürdigen Bestände des Archivs aufgenommen, berichtet Antonia Landois vom Stadtarchiv. Dort sollen sie die Jahrhunderte überdauern, damit sich zukünftige Generationen anhand der Quellen in der Zukunft ein selbstständiges Bild von der Vergangenheit machen können.

Städtische Behörden und Dienststellen sind sogar zu regelmäßigen Abgaben an das Archiv verpflichtet. Antonia Landois vom Stadtarchiv weiß allerdings, dass die Verwaltung meistens "nur" Aktenberge zum Aufbewahren beisteuert, die das Handeln der Bürokraten haarklein dokumentieren. Die städtischen Unterlagen können laut Landois nur selten erzählen, wie die Nürnberger "wirklich einmal getickt" haben. Umso mehr freut sich das "Gedächtnis der Stadt", wenn Persönlichkeiten aus der Bevölkerung die kommunalen Bestände auffrischen.

Die aktuelle Ausstellung "Neuzugänge im Stadtarchiv" zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig die Menschen und ihre Geschichten sind. Heinz Eder (1934 - 2007) hat zum Beispiel am liebsten die Welt unter Wasser entdeckt. Auf einem Foto sehen wir den Nürnberger im Froschkostüm mit Tauchermaske und Schwimmflossen an Deck eines Fischerbootes stehen, das vor der kubanischen Küste in der Karibiksonne dümpelt.

Bereits in den 50er-Jahren hat der fränkische Tauchpionier seine Begeisterung für die Tiefen des Meeres entdeckt. Seine Leidenschaft hat den Mitbegründer des "1. Nürnberger Tauchclubs" zu den schönsten Unterwassersehenswürdigkeiten rund um den Erdball geführt. 1980 ist Heinz Eder sogar mit den Tümmlern im Nürnberger Delfinarium um die Wette geschnorchelt. Seiner Unterwasserkamera hatte der Taucher immer dabei. Das beeindruckende Fotoarchiv des fränkischen Tauchpioniers ist einer der Neuzugänge im Stadtarchiv. Noch dramatischer ist das Kriegstagebuch, das ein Obergefreiter aus Nürnberg von der Ostfront mitgebracht hat. Fritz Hörner hat darin den Soldatenalltag aufwendig zu Papier gebracht. In den Einträgen beschreibt Hörner neben Unterbringung und Verpflegung die Kampfhandlungen. Dazwischen schreibt Hörner auch sehr persönliche Zeilen über seine Familie daheim. Die Tagebuchseiten hat der fränkische Soldat mit Briefmarken, Gedichten, Karten und Zeitungsausschnitten illustriert. Dazwischen finden sich Traueranzeigen von Kameraden, die in dem mörderischen Krieg ihr Leben lassen mussten. Das Tagebuch hat das Stadtarchiv vor zwei Jahren durch eine Schenkung erhalten.

Auf der anderen Seite zeigt das Haus auch das Leben im Kriegsgefangenenlager in Nürnberg. Jacques Marie-Cardine hat das genauso schwierige wie eintönige Lagerleben in Langwasser mit dem Zeichenblock in bunten Bilder festgehalten. Daneben zeigt die Ausstellung auch Kuriositäten wie das Patent für eine frühe Version der heute alltäglichen Sonnenbrille aus dem 19. Jahrhundert. Natürlich darf Dürer in Nürnberg nicht fehlen. Hier zeigt die kleine Ausstellung, die mit einfachen Mitteln große Wirkung erzielt, ein historisches 3D-Bild des Dürerdenkmals aus dem Jahr 1840.

Nikolas Pelke
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