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Luxuslimousine, Sportcoupé, Kleintransporter: Der neue Audi A7 verbindet elegant mehrere Segmente

Mondänes Multitalent

Audi
erstellt am 09.02.2018 um 23:38 Uhr
aktualisiert am 19.02.2018 um 22:42 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Wenn sich die Leute auf der Straße nach einem neuen Auto umdrehen, dann zeigt das schon mal, dass es Aufmerksamkeit erregt. Gehen dann noch die Daumen nach oben oder es fliegen Kusshände, kann man das kaum anders deuten, als dass das Fahrzeug den Leuten gefällt. Tatsächlich war genau das die Erfahrung bei der ersten Ausfahrt mit dem neuen Audi A7.
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Sebastian Oppenheimer
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Und das ist keine Selbstverständlichkeit. Bei vielen Audi-Modellen der vergangenen Jahre war kaum einem Passanten aufgefallen, dass hier ein brandneues Stück Blech heranrollt. Die erste Bewährungsprobe hat das Luxus-Coupé aus Ingolstadt also bestanden.

Der A7 hat viele Details von der gelungenen Studie Prologue übernommen, die Audis Chefdesigner Marc Lichte 2014 präsentierte. Ins Auge sticht vor allem das Heck mit dem durchgezogenen Leuchtenband. Über die aufwendigen Lichtanimationen beim Auf- und Zusperren des Autos gibt es unterschiedliche Meinungen – dem Autor gefällt’s.

Streng genommen ist der A7 wegen seiner vier Türen natürlich kein Coupé. Früher bezeichnete man solche Autos als Fließheck, weil das Dach praktisch ins Heck übergeht. Konkurrenten sind der BMW 6er Gran Coupé und der Mercedes CLS. Autos, die zwischen den Welten fahren. Sie wirken eleganter als dicke Limousinen, bieten aber trotzdem sehr viel Raum. Auch im A7 kann man hinten bequem sitzen: Trotz der abfallenden Dachlinie stoßen auch Großgewachsene nicht mit dem Kopf an. Beim Kofferraumvolumen lässt der A7 sogar kleinere Kombis alt aussehen: 535 Liter beziehungsweise 1390 Liter bei umgeklappten Sitzen sollten auch für längere Reisen ausreichen. Weil die Heckklappe extrem weit aufschwingt, lässt sich das Auto einfach beladen. Dachlatten oder den nadelnden Weihnachtsbaum möchte man in diesem schicken Auto aus Angst um den Innenraum wohl dennoch nicht transportieren. Aber wie hieß es früher in einer Werbung: Es ist gut zu wissen, dass man es könnte.

Fotostrecke: Präsentation neuer Audi A7

Denn gerade im Innenraum spielt der Audi in der obersten Liga. Das klare und schnörkellose Design bedingt optisch viel Ruhe, hochwertige Materialen und beste Verarbeitung verleihen dem A7 die audi-typische Wertigkeit. Kaum ein Hersteller beherrscht wohl die Kunst, unzählige Grau-Varianten so exzellent zu kombinieren. Wem das Alu-Design zu kühl ist, kann farbige Holzeinlagen wählen. Die verbreiten dank der spürbaren Maserung zumindest einen Hauch von Gemütlichkeit – und sehen trotzdem sehr elegant aus. Dazu erwartet den Lenker fast das komplette High-Tech-Interieur des A8. Wie auch von außen wirkt der A7 aber filigraner. Allerdings sind die beiden Touch-Monitore in der Mittelkonsole leicht zum Fahrer geneigt. Deren Bedienung klappt problemlos. Die haptische Rückmeldung von Touch-Befehlen in Form eines „Klicks“ hebt das System auf Luxusklasse-Niveau. Lustigerweise kommt die aufwendige Technik bei Chinesen weniger gut an. Laut mehrerer Audi-Manager schalten die Tester aus dem Reich der Mitte den Bestätigungs-Klick als erstes aus. Das Ganze solle sich doch bitteschön so wie bei einem Smartphone verhalten. Für die Asiaten hätte man sich den Entwicklungsaufwand offenbar sparen können.

Zum Marktstart im März sind zwei Motoren erhältlich: ein V6-TDI mit 286 PS in Kombination mit einer 8-Stufen-Wandlerautomatik sowie ein V6-TFSI mit 340 PS – dessen Drehmoment liegt bei maximal 500 Nm, weshalb Audi hier das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe verbauen kann. Der Benziner zeigte sich im Test als die deutlich geschmeidigere Variante. Zwar mangelt es dem Diesel weder an Leistung, noch an Drehmoment (620 Nm), aber der Benziner geht spielerischer mit dem hohen Fahrzeuggewicht (1890 Kilogramm) um. Auch der Motorsound wirkt stimmiger. Der Klang ist schwer zu beschreiben – irgendwie: futuristisch. Fast ein wenig wie ein E-Auto. Tatsächlich ist der A7 teilelektrifiziert. Mild-Hybrid, nennt sich das. Dank 48-Volt-Bordnetz und eines Riemen-Startergenerators ist das Auto in der Lage, zwischen 55 und 160 km/h zu segeln – also mit ausgeschaltetem Motor dahinzugleiten. Das soll auf 100 Kilometer bis zu 0,7 Liter Sprit sparen.

Als A7-Fahrer hat man eher das Gefühl, einen Raumgleiter zu steuern als ein Auto. Die Lenkung arbeitet präzise, ist aber bei langsamer Fahrt auch extrem leichtgängig. Das lässt manchmal ein synthetisches Lenkgefühl aufkommen. Dank Allradantrieb – und vor allem der Hinterachslenkung – ist das Auto trotz seines Gewichts und seiner Länge von knapp 5 Metern fast spielerisch zu fahren. So richtig sportlich ist man mit dem A7 natürlich nicht unterwegs, dafür ist das Auto einfach zu schwer. Mit 340 PS ist man aber dennoch ohne Frage mehr als souverän motorisiert. Dank der optionalen Luftfederung wird das Fahrwerk auch im Sport-Modus nie bretthart. Hier regiert immer der Komfort. Klar: Es muss ja noch Platz sein für S7 und RS7.

Auf einer bergigen Landstraße zeigte der Bordcomputer im Benziner einen Durchschnittsverbrauch von rund 11,5 Litern an. Der Diesel lag bei knapp 9 Litern. So richtig belastbar sind diese Werte natürlich bei einer ersten Ausfahrt noch nicht. Die schlechte Nachricht stellen wir ans Ende: Leisten können werden sich dieses Auto nur wenige. Der Basispreis für den Benziner liegt bei 67 800 Euro – „nackert“, wie man in Bayern sagt. Wir haben so getan, als hätten wir eine dicke Geldbörse, und haben mal so gut wie alle Extras angekreuzt. Das Ergebnis: Eine Rechnung von mehr als 110 000 Euro.

Günstiger dürften wohl die angekündigten Vierzylinder-Varianten werden. Ob die den A7 standesgemäß antreiben können, wird sich zeigen. Zu diesen Motoren gibt Audi noch keine Infos heraus.

Sebastian Oppeneheimer
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