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Zehn Jahre nach Einführung des Rauchverbots in Bayern zeigen sich die Schrobenhausener Wirte versöhnt

Der Ärger ist längst verraucht

Schrobenhausen
erstellt am 12.01.2018 um 16:42 Uhr
aktualisiert am 17.01.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Schrobenhausen (SZ) Vor zehn Jahren wurde in Bayern das Rauchverbot beschlossen. In einem Volksbegehren haben die Bürger entschieden - beinahe zeitgleich formierte sich Widerstand. Vor allem in der Gastronomie. Wie aber sehen Wirte und Kneipenbesitzer das Rauchverbot heute? Wir haben nachgefragt.
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Leere Aschenbecher in den Lokalen: Werner Pelikan führt das Sunset in Schrobenhausen und gibt zu, dass er bei Einführung des Verbots durchaus Umsatzeinbußen bemerkt hat. Dennoch steht der Nichtraucher dem Ganzen positiv gegenüber..
Leere Aschenbecher in den Lokalen: Werner Pelikan führt das Sunset in Schrobenhausen und gibt zu, dass er bei Einführung des Verbots durchaus Umsatzeinbußen bemerkt hat. Dennoch steht der Nichtraucher dem Ganzen positiv gegenüber.
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Schrobenhausen

In einem sind sich die Schrobenhausener Wirte und Gäste einig: Der Großteil hatte sich das Rauchverbot weitaus schlimmer vorgestellt. Damals war der Aufschrei noch groß und viele Wirte fürchteten um ihr Geschäft. Mittlerweile haben sich aber sowohl die Wirte als auch die Gäste mit dem Rauchverbot angefreundet - der Ärger ist im wahrsten Sinne des Wortes verraucht.

Werner Pelikan, Nichtraucher und Betreiber der Sunset Bar, meint: "Der Mensch ist ein Gewohnheitstier." Ein halbes Jahr lang hätten sich die Raucher noch aufgeregt. Inzwischen seien sie selbst aber froh um das Verbot und würden freiwillig zum Rauchen rausgehen. Auch Roman Heimerl (Nichtraucher), der Inhaber des Cafés Lenbach und der Lenbach Lounge bestätigt: "Die Gäste begrüßen das Rauchverbot mittlerweile."

"Viele Gäste essen auch bei uns, da ist der Rauch einfach unangenehm."

Anton Pächter, Wirt des Ecker's

 

Aber wieso eigentlich? Aufheben möchte das Rauchverbot schließlich keiner der Wirte mehr. "Viele Gäste essen auch bei uns, da ist der Rauch einfach unangenehm", sagt Ecker's-Wirt Anton Pächter, der selbst auch Nichtraucher ist. Sig-Wirtin Beta Haberer ist selbst Raucherin und trotzdem vom Rauchverbot überzeugt. Sie findet, dass es für die Arbeitenden angenehmer sei, während der Arbeit nicht vollgequalmt zu werden. Daran kann sich Werner Pelikan nur anschließen: "Die Luft ist einfach viel besser und die Klamotten stinken jetzt auch nicht mehr."

Auch mit den eisigen Temperaturen scheinen sich die Raucher mittlerweile angefreundet zu haben. Wie die Pinguine aneinandergereiht stehen sie bei der Kälte vor den Lokalen und versuchen, sich mit Gesprächen zu wärmen. Heizpilze sind inzwischen bei den Schrobenhausener Lokalen rar geworden.

Zwar gab es vor dem Lenbach anfänglich einen Heizpilz, inzwischen müssen alle Raucher aber mit dem Vorraum vorliebnehmen. Die anderen Wirte stellen ebenfalls keinen zur Verfügung - allerdings beschwert sich auch keiner.

Probleme bei der Durchsetzung des Verbots habe es zwar in keiner der Kneipen gegeben, einfach sei es aber kurz nach der Einführung dennoch nicht gewesen. Sowohl im Ecker's als auch im Sunset hat sich das Verbot in der ersten Zeit negativ auf den Umsatz ausgewirkt. "Mittlerweile hat sich das aber wieder eingependelt", erklärt Pächter. Auch Pelikan muss zugeben, dass anfangs der Umsatz ein wenig zurückgegangen ist. "Das Gewerbe schwankt aber so oder so", meint er.

Auch Beta Haberer sieht neben den Vorteilen auch die Schattenseiten des Rauchverbots: "Ich finde das Rauchverbot generell gut, allerdings ist es für die Wirte schon etwas problematisch." Jetzt würden die Raucher immer vor der Kneipe stehen und das sei schwierig mit der Lautstärke wegen der Anwohner. Außerdem meint sie, dass jetzt immer Bewegung in der Kneipe sei und so einfach die Gemütlichkeit verloren gehe. Da kann ihr Pelikan nur zustimmen. "Die Geselligkeit am Tisch ist nicht mehr gegeben, wenn ständig jemand aufsteht."

Nach zehn Jahren ist das Rauchverbot jedoch inzwischen kein großes Thema mehr bei den Wirten in Schrobenhausen. Ab und zu macht sich das Verbot dann aber doch bemerkbar: "Man merkt, dass die Regelung hier in Bayern sehr streng ist, wenn zum Beispiel Gäste aus Hamburg zu uns kommen", sagt Heimerl. Diese seien ein so strenges Verbot nicht gewöhnt.

Tabea Tyroller
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