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Das Deininger Trio Bauernseufzer begeisterte im voll besetzten Junkenhofener Dorfheim mit Couplets, Musik und ganz viel Witz

Charmeoffensive mit Lachgarantie

Junkenhofen
erstellt am 15.02.2018 um 18:52 Uhr
aktualisiert am 19.02.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Junkenhofen (sh) Den Insidern sind sie schon lange bekannt und auch der Bayerische Rundfunk ist schon auf sie aufmerksam geworden und bringt am 18. März um 20.15 Uhr einen Auftritt der fidelen Oberpfälzer, die recht selbstbewusst die Bühne aber auch den Zuschauerraum in Beschlag nehmen: Die Rede ist vom Deininger Trio Bauernseufzer, in der Markus Moosburger, Crissy Zenzi Simon und Stefan Brock die bayerische Musik- und Bühnenkultur wieder erden wollen.
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Junkenhofen: Charmeoffensive mit Lachgarantie
Das Publikum ist Teil der Aufführung: (v.l.) Markus Moosburger, Irmgard Krammer aus dem Publikum, Crissy Zenzi Simon und Stefan Brock legten eine tolle Show hin. - Foto: Steurer
Junkenhofen

So auch jetzt im Dorfheim Junkenhofen, das schon Tage im Voraus ausverkauft war. Lustig ging die Vorstellung in die Vollen. Markus voraus mit seiner Steirischen, dahinter Crissy in blauem Dirndl. Dann Stefan mit seiner Trompete. So kommen alle gleichzeitig zur Geltung und ernten den ersten Applaus, der nicht der letzte in dem dreistündigen Abendprogramm sein soll. Insbesondere Crissy nimmt dabei viel Raum ein und bindet das Publikum vom ersten Couplet an in den Auftritt mit ein. Das ist ein weiteres ausgeprägtes Charakteristikum im Ablauf der Darbietungen, das Publikum ist mit ein Teil der Aufführung, die Akteure gehen zwischen die Reihen, spielen die Lieder am Ohr der Zuschauer, polieren die lichte Stirn manches Besuchers oder identifizieren und streicheln einen ausgeprägten Bierbauch des einen oder anderen Zuschauers.

Die letzten Refrains echoen noch in den Ohren, da kommt auch schon die Sprache auf die Ooznbäuerin, einer Dorfratschn erster Güte, alles schon wissend, bevor es geschehen ist. "Der liebe Gott weiß viel, aber die Ooznbäuerin weiß mehr", holt schnell den letzten Skeptiker aus der Erwartungshaltung und zieht ihn mitten in die Vorstellung. Die Preißn auf dem Land dürfen nicht fehlen und da kommen die Neunachbarn Hansen ins Spiel, die keine Ahnung von der bayerischen Mentalität haben und nichts verstehen und wie ein Fremdkörper mit Hauswesen und Einstellung ins einst so ruhige und gediegene Dorfgefüge eindringen. Alles wird umgekrempelt, die Häuser sind im Toskana-Stil "und da gehören sie auch hin, aber nicht nach Deining, neben dem Plumpsklo vom Ooznbauern".

Nach dem fast wehmütigen "Alles ist anders wie früher"-Rückblick, steht der Fez wieder an erster Stelle. Da geht's zum Kammerfensterln bei der Preißin Jaqueline, vorbei an Alarmanlage, über Solaranlage, Klimaaußenfühler und Edelstahlgeländer, um von ihr dann gefragt zu werden, warum man in Bayern nicht die Haustüre benutzen kann. So verwirrend dieser Brauch für die Preißn ist, so verwirrend ist die neue Welt für die alteingesessenen Bewohner.

Da bestellt sich doch glatt die Meier Rosi ein sündteures Smartphone und kann es trotz neuester Wischtechnik nicht zum Ausputzen benutzen. Auch die Junkenhofener bekommen ihr Fett weg: "Moanst die Junkhofer dan a moi lacha, ja grod mi'm Fleiß ned, weil's alles ham" heißt es im Landler. Und die Männer müssen erfahren, dass auch sie Gefühle haben: Hunger und Durst. Die Zuhörer werden von einem Lacher in den anderen gerissen: die neugierige Ooznbäuerin geht auch beim Regen aufn Friedhof zum Gießen, damit sie neues erfahren kann und die Männer lassen sich neuerdings mehr und mehr verbrennen: typisch Mann, abkratzen und Dreck hinterlassen. Dann gleich der nächste: die besten Maße des Mannes - 90, 60, 40 - 90 Jahre, 60 Millionen und 40 Grad Fieber.

So geht es Schlag auf Schlag weiter und der Zuhörer muss aufmerksam bleiben, um die sich die Gags geistig zu versinnbildlichen. Da wechseln die Schlüsselwörter in hoher Frequenz, das Kanapee wird zu Wohnlandschaft, aus Dekorationen werden Wohnaccessoires, Hergottswinkel und Holzofen sind nicht mehr aktuell und die drei Dinge auf der Eckbank kennt keiner mehr: Katz, Kirchenzettel und Fliegenpatscher. Dazwischen immer wieder Musik. Am Ende ist der Applaus riesig, doch die Profis sind vorbereitet und verabschieden sich mit einem Rausschmeißer erster Klasse, der alle zum Mitsingen und Schunkeln mitreißt. Ein sehr gelungener Abend!

Von Helmut Steurer
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