Samstag, 15. Dezember 2018
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Pobenhausen organisiert eine Typisierungsaktion

"Der Hans ist einer von uns"

Pobenhausen
erstellt am 06.12.2018 um 12:19 Uhr
aktualisiert am 10.12.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Pobenhausen (SZ) Wenn es einem schlecht geht, helfen alle zusammen: So soll eine Dorfgemeinschaft funktionieren. So wie in Pobenhausen. Der 54-jährige Hans ist an Blutkrebs erkrankt und braucht eine Stammzellenspende. Alle Vereine haben zusammen angepackt und für diesen Sonntag eine Typisierungsaktion auf die Beine gestellt.
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Hoffen auf rege Teilnahme an der Typisierungsaktion (v. l.): Bürgermeister Stefan Kumpf, der Schirmherr, Michael, der Bruder von Hans, und Feuerwehrkommandant Michael Glöckl.
Hoffen auf rege Teilnahme an der Typisierungsaktion (v. l.): Bürgermeister Stefan Kumpf, der Schirmherr, Michael, der Bruder von Hans, und Feuerwehrkommandant Michael Glöckl.
Hofmann
Pobenhausen
Los ging es damit, dass sich Michael Glöckl den Fuß gebrochen hatte und nicht arbeiten konnte. Ungefähr zu dieser Zeit erfuhr er, dass Hans schwer erkrankt war und dessen Bruder eine Typisierungsaktion auf die Beine stellen wollte. Sofort bot er an, sich um die Organisation zu kümmern: "Ich hab damals 2003 das Feuerwehrfest gemacht, da weißt du, wie so etwas abläuft", sagt Glöckl, der als Kommandant der örtlichen Feuerwehr auch gleich eine schlagkräftige Truppe in der Hinterhand hatte. Inzwischen sind ausnahmslos alle Vereine der 600-Einwohner-Ortschaft mit im Boot und tragen ihren Teil dazu bei, dass die Typisierungsaktion am Sonntag möglichst viele Leute anlockt und ein Erfolg wird. So wurden zum Beispiel nicht weniger als 100 Kuchen gespendet.

Was diese bedingungslose Unterstützung für Hans bedeutet, sei gar nicht zu ermessen, sagt sein Bruder Michael. Hans ist aus dem Gemeindeleben nicht wegzudenken, er ist in mehreren Vereinen aktiv, jeder hier kennt ihn. Dennoch möchte er seinen Nachnamen nicht öffentlich machen - aus Rücksicht auf seine Familie. Hans ist verheiratet und hat zwei Kinder. Derzeit sei er im Krankenhaus, bekomme Medikamente, um die Ausbreitung des Krebs zu stoppen, berichtet Michael und erzählt auch von dem "kleinen Ziel" seines Bruders: "Er hat die Hoffnung, nach dieser Chemorunde über Weihnachten heimzukommen."

Welche Krankheit er hat, weiß Hans erst seit Kurzem. Er hatte Schmerzen im Rücken, das Übliche, wenn man älter wird, dachte er zuerst. Dann ging er zum Arzt. "Erst vor wenigen Monaten hat er erfahren, dass die Schmerzen ganz woanders herkommen, dass das der lymphathische Blutkrebs ist", sagt Michael. ALL heißt das in der Medizin, Akute lymphatische Leukämie. Die Heilungschancen? "Er ist zu 100 Prozent auf eine Stammzellenspende angewiesen. Das sagt alles", meint Michael.

Da hilft es, wenn Karlskrons Bürgermeister Stefan Kumpf, der Schirmherr der Typisierung, von gelungenen Stammzellenspenden erzählt. Lucy aus Karlskron war vor fünf Jahren erkrankt - jetzt trainiert sie die B-Jugend-Fußballerinnen des SV Karlskron. Und in Hög bei Reichertshofen habe eine Frau das Glück gehabt, dass ein zu 100 Prozent passender Spender gefunden wurde - in Israel übrigens, die Datenbanken sind weltweit vernetzt -; sie sei inzwischen wieder gesund. Auch in Pobenhausen hätten schon zwei Bürger Stammzellen gespendet und damit vermutlich jeweils einem Menschen zu einem zweiten Leben verholfen.

Einen 100-Prozent-Spender für Hans hat die DKMS in den Datenbanken bisher noch nicht gefunden. Die Hoffnung ist nun: Vielleicht verbirgt sich der genetische Zwilling ganz in der Nähe - und er kommt am Sonntag zur Typisierung. Die Werbetrommel haben die Pobenhausener jedenfalls schon fleißig gerührt: Bei vielen Firmen ging die Einladung zur Aktion herum - unter anderem bei Audi -, beim Sportschützengau Schrobenhausen, sogar auf der Anzeigentafel bei einem Heimspiel des FC Ingolstadt war sie zu sehen und voraussichtlich heute Abend beim ERC in der Saturn-Arena. "Die Bereitschaft, das zu unterstützen, geht weit über Pobenhausen hinaus", freut sich Kumpf.

Sollte es am Sonntag wirklich zum erhofften Ansturm kommen - die Pobenhausener sind gerüstet. 24 Helfer für das Abnehmen der Speichelproben wurden gesucht - und waren nach wenigen Stunden schon gefunden. Das Kuchenbuffet ist riesig. Die Feuerwehr baut vor dem Bürgerhaus ein Zelt auf. Glühwein wird ausgeschenkt. Alle sind dabei, alle hoffen auf ein glückliches Ende, denn: "Der Hans ist einer von uns", sagt Michael Glöckl.

Information zur Typisierung

Die Typisierungsaktion findet am Sonntag, 9. Dezember, im Pobenhausener Bürgerhaus (Schrobenhausener Straße 10, gleich neben der Kirche) statt.Los geht es um 13 Uhr, offizielles Ende ist um 17 Uhr, doch auch, wer dann noch ansteht, wird selbstverständlich nicht weggeschickt. Die Typisierung dauert pro Person acht Minuten und funktioniert ganz ohne Blutabnahme: Mit einem Wattestäbchen wird ein Wangenabstrich genommen. Jeder gesunde 17- bis 55-Jährige kann teilnehmen. Für alle gibt es im Bürgerhaus kostenlos Kaffee und Kuchen. Die Typisierung ist kostenlos. Allerdings muss die DKMS für jede Registrierung 35 Euro bezahlen. Sie ist auf Spenden angewiesen: IBAN DE127205 01010030342927, Kreissparkasse Augsburg, Verwendungszweck: Hans. bdh

Bernd Hofmann
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