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Planfeststellungsbeschluss für Weichenrieder Ortsumgehung steht - falls keine Klagen folgen

"Vorsichtig glücklich"

Weichenried
erstellt am 11.01.2018 um 16:20 Uhr
aktualisiert am 15.01.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Weichenried (PK) Freudentag für das Paartal: Die Regierung von Oberbayern hat Grünes Licht für den Bau der Weichenrieder Ortsumgehung gegeben. Deswegen rollen zwar nicht sofort die Bagger an. "Aber wir freuen uns sehr, dass wir weiterplanen können", so Stefanie Giestl-Rieß vom Staatlichen Bauamt.
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An Weichenried vorbei rollen künftig die Lastwagen, wenn der Plan für die Ortsumfahrung in die Tat umgesetzt ist..
An Weichenried vorbei rollen künftig die Lastwagen, wenn der Plan für die Ortsumfahrung in die Tat umgesetzt ist.
Lodermeyer
Weichenried

Grund für die gute Laune der Ingolstädter Bauoberrätin, die beim Staatlichen Bauamt die Planungsabteilung leitet, ist der Planfeststellungsbeschluss, den die Regierung Ende vergangenen Jahres erlassen und gestern verkündet hat. "Dieser ermöglicht den Bau einer Ortsumfahrung für Weichenried mit einer Gesamtlänge von 4,3 Kilometern", lässt die Regierung verlauten. Der Beschluss habe Konzentrationswirkung, heißt es in der Mitteilung weiter: "Er umfasst und ersetzt alle notwendigen Einzelgenehmigungen, Verleihungen, Erlaubnisse und Zustimmungen für das Vorhaben." Allerdings: Der Planfeststellungsbeschluss wird erst rechtskräftig, wenn in den vier Wochen nach Ende der öffentlichen Auslegung keine Klagen gegen ihn erhoben werden.

Die ersten Überlegungen zu dieser Umfahrung wurden bereits in den 1970er Jahren angestellt. 2005 wurden erstmals Unterlagen für einen Planfeststellungsbeschluss eingereicht. Das Verfahren musste aber aus naturschutzrechtlichen Belangen eingestellt werden. Daraufhin wurde tektiert, der Plan verändert. Am möglichen Ende dieser wechselvollen Geschichte steht jetzt eine zweispurig geplante Ortsumfahrung, die nördlich an Weichenried vorbei führt - und zwar über das Rastplatzgelände zwischen der jetzigen B 300 und der Paar hindurch. Die Bundesstraße soll zudem auf einer Gesamtlänge von 4,3 Kilometern zwischen Oberkreut und Thierham auf drei Spuren erweitert werden. Weil auf dieser Kraftfahrtstraße mindestens mit 60 Stundenkilometern gefahren werden muss, wird zudem eine begleitende Gemeindeverbindungsstraße errichtet (siehe Plan) - samt zweier Brücken, einer B-300-Ausfahrt bei Weichenried und neuen Anbindungen an die umliegenden Dörfer. Im Gegenzug fallen die Einmündungen bei Eulenried und Oberkreuth weg.

So eine Baumaßnahme ist nicht billig. Im Bundesverkehrswegeplan sind geschätzte Kosten von 6,3 Millionen Euro genannt. "Das ist aber der Stand aus dem Jahr 2014", schränkt Giestl-Rieß ein, die eine Teuerung nicht ausschließen will. Der dreispurige Ausbau der B 300 vor und nach Weichenried ist darin nicht enthalten. Diese Kosten werden wohl jene für die Umfahrung sogar noch deutlich übersteigen. "Eine genaue Zahl will ich nicht nennen, es wäre nur eine grobe Schätzung."

Ebenso vage verhält sich Giestl-Rieß bei ihrer Aussage zum möglichen Baubeginn. "In diesem Jahr wird sicher noch kein Bagger rollen", meint sie. Auf mehr lässt sich die Bauoberrätin nicht ein, da die Unwägbarkeiten groß sind. So wurden laut Regierung im Verfahren zwar die Stellungnahmen von mehr als 20 Behörden, Fachstellen und Vereinen berücksichtigt sowie der Schutz der Paarauen groß geschrieben. Trotzdem weiß keiner, ob gegen den Beschluss nicht doch geklagt wird. "Das könnte alles in die Länge ziehen", räumt Giestl-Rieß ein. Und auch der anstehende Erwerb "nicht unbeträchtlicher Flächen", wie es die Planerin ausdrückt, berge Risiken. "Das kann sich alles hinziehen", sagt sie.

Wie schnell die Planung über die Bühne gehen kann, wann die Ausschreibung steht und eine Fachfirma gefunden ist, darüber könne nur spekuliert werden, meint die Planerin. Da es sich bei der Weichenrieder Ortsumfahrung um das einzig verbliebene Nadelöhr der B 300 auf der 50 Kilometer langen Verbindungsstrecke zwischen den Anschlussstellen an die A 8 und A 9 bei Dasing und Langenbruck handelt, ist Giestl-Rieß aber zuversichtlich, dass die Weichenrieder, die unter dem Schwerlastverkehr leiden, mitziehen.

Das hofft auch Bürgermeister Manfred Russer (CSU), der "vorsichtig glücklich" mit dem Beschluss ist. "Es war ein zähes Ringen. Jetzt hoffe ich, dass durch Klagen nicht unnötig Zeit vertrödelt wird." Fachlich sei alles abgewickelt, die Gemeinde habe ihre Hausaufgaben mit dem Erwerb der drei Grundstücke nördlich der B 300 erledigt. Und in Weichenried sei der Konsens groß, dass es für diese Umfahrung höchste Zeit werde.

Patrick Ermert
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