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Martin Frank gewinnt 22. Hallertauer Kleinkunstpreis Wolfgang Krebs als begeisternder Moderator

Ein Bauernbub macht das Rennen

Unterpindhart
erstellt am 05.05.2017 um 19:38 Uhr
aktualisiert am 10.05.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Unterpindhart (GZ) Eine Lachnummer im positivsten Sinne des Wortes ist die Verleihung des 22. Hallertauer Kleinkunstpreises. Zu verdanken war dies allen voran Moderator Wolfgang Krebs und dem von Fachjury und Publikum unisono zum Sieger gekürten Kabarettisten Martin Frank.

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Als niederbayrischer Bauernbub, der sich in der Stadt mit den Lebensweisheiten seiner Oma durchschlägt, hatte der junge Kabarettist die Zuschauer beim Rockermeier am Donnerstagabend in Nullkommanix in der Tasche seiner Trachtenweste - das Preisgeld von 1500 Euro obendrein. Sein Thema "Vom Land in'd Stadt" ist nicht neu - die Art, wie er es umsetzt, schon. Ob er Begegnungen in der U-Bahn schildert, die Oma unbedarften Touristen das "Geheimnis der vier Zitzen" erläutern lässt oder als Geschäftsmodell die Beerdigung von "verreckten Hennen" für sich entdeckt - er tut es auf ureigene Art. Die (hervorragende) gesangliche Darbietung eines "Requiem" von Händel fürs Hendl inklusive (siehe auch den gesonderten Bericht im heutigen Kulturteil).

Auf Platz zwei landete Henning Schmidtke aus Köln. Als Mann am E-Piano bewies er: Gut gemachtes Kabarett überspringt locker den Weißwurstäquator, wenn man auf das richtige Pferd setzt. Im Falle Schmidtkes war das die Mischung aus gelungenen Parodien von Grönemeyer über Lindenberg bis Bohlen verbunden mit originellen Ideen wie der des gerappten Erlkönigs und hinterlegt mit einem Plädoyer: für Menschen mit Persönlichkeit, Grips sowie Ecken und Kanten.

Die Neurosenheimer gewannen ihrerseits viele Sympathien, indem sie auf bayerische Klänge und humorige Texte setzten. Das Quartett besteht aus Tobias Hegemann, Katrin Stadler, Marita Gschwandtner und Katrin Zellner - und nahm nach dem Motto "A bisserl blemblem" verschmitzt die Neurosen ihrer Zeitgenossen aufs Korn und hatten sogar eigens ein augenzwinkerndes Lied auf den Kleinkunstpreis gedichtet. Den gab es zwar nicht, dafür aber ehrenwertes Bronze.

Kabarettist Kurt Knabenschuh (eigentlich Uwe Kleibrink) aus Wuppertal schöpfte aus dem Quell alltäglicher Begegnungen und ließ sich mal mit, mal ohne Banjo über nervige Zeitgenossen aus, wie sie jeder kennt. Seine persönliche Hitliste umfasste Öko-Muttis, Rentnergangs und den Typus Business-Man gleichermaßen. Witzig, aber am Ende nicht zündend genug für einen Platz auf dem Treppchen.

Mit der Verleihung des Kleinkunstpreises klang die Jubiläumssaison zur Feier von 25 Jahren Hallertauer Kleinkunstbühne aus - für die Veranstalter Hannes Hetzenecker und Karl Rockermeier war dies Anlass für ein umfassendes Dankeschön an Helfer, treue Zuschauer und Sponsoren, allen voran die Hallertauer Volksbank. Dass man mit Wolfgang Krebs "den besten Moderator des Landes" für die 22. Preisverleihung habe engagieren können, verdanke man deren finanziellem Engagement.

Und das hat sich auch bei diesem zweiten Gastspiel des Parodisten gelohnt. Draußen tobte gerade ein Gewitter, als besagter "Landeshorst" gewohnt selbstverliebt mit dem typischen, halb verschluckten Lachen seine Untertanen begrüßte. Plötzlich ging das Licht aus, der Ton war weg. Souverän überbrückte der Kabarettist den Moment, bis die Technik wieder alles im Griff hatte, um dann als Stoiber mit "glodernder Lut", ohne lang "die Eier durch den heißen Brei zu rühren" sein rhetorisches Ziel herrlich radebrechend zu verfehlen. Natürlich gab sich auch das "Alphatier Söder" frängelnd die Ehre und teilte genüsslich Seitenhiebe auf die Volksvertreter aus. Zum Tränen lachen - auch für Kulturreferentin Henriette Staudter. Im Namen der Stadt dankte sie für "25 Jahre fantastische Kleinkunstbühne", auf die man stolz sei. Für Andreas Streb, Vorstandsmitglied der Hallertauer Volksbank, ist die Verleihung des Kleinkunstpreises jedes Jahr ein Erlebnis. Weshalb er gerne die von seinem Geldinstitut dotierten Preise im Gesamtwert von 3750 Euro überreichte.

Von Maggie Zurek
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