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Beim großen Public Viewing in Pfaffenhofen hilft den Bayernfans alles Bangen und Hoffen nichts

Ernüchterung statt Feierlaune

Pfaffenhofen
erstellt am 20.05.2012 um 18:50 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 21:41 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Auf roten Jubel und blaue Tränen hatten sich die Bayernfans beim Finale in der Champions League ganz fest eingestellt, und dann das! Mehrere Hundert Zuschauer starrten am Samstagabend beim großen Public Viewing vor dem Pfaffenhofener Rathaus gebannt auf den Videowürfel und wurden in ein Wechselbad der Gefühle getaucht.
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Pfaffenhofen: Ernüchterung statt Feierlaune
 
Pfaffenhofen
Es hätte doch alles so schön sein können, und die Voraussetzungen waren ideal: Petrus sorgte für eine laue Sommernacht, die Fußballfestwirte Norbert Stocker, Bernd Weinhart und Antonio Bellanca für Schmankerl und kühle Getränke, die Fans hatten beste Laune und die Security-Leute nichts zu tun. Da war der Sieg gegen den FC Chelsea eigentlich schon beschlossene Sache, und die Zuschauer teilten die Meinung des TV-Kommentators, dass es letztlich nur um ein „Veredeln“ ging: „Bayern spielt exzellent; was noch fehlt, ist ein Tor.“

Auf ein 1:0 hatte Peter Köpf aus Pfaffenhofen getippt, sein Freund Patrick Gürzinger auf ein 2:0 für die Münchener: „Die anderen spielen ja keinen Fußball ned. . .“ Eine rauschende Siegesfeier wollten die beiden auf sich zukommen lassen, obwohl sie doch am nächsten Morgen schon um 5 Uhr früh in den Urlaub starteten. Geplant war, dass Peter und Patrick „so wie wir jetzt sind“ – das heißt in roten Bayern-Trikots und Lederhosen – ins Hotel im Europapark Rust einzogen: „Dann wissen die gleich Bescheid.“ Es sollte anders kommen.

Dicht gedrängt hockten die Fans in der ersten Reihe vor dem riesigen TV-Würfel, dort wo sonst die Wasserfontänen sprudeln, und waren ebenso hoch konzentriert wie die Bayern-Elf: „Chelsea stellt sich schlafend.“ Ohrenbetäubender Jubel schallte nach dem Treffer von Thomas Müller über den Hauptplatz; es schwappte aus den Trinkbechern, kleine Fans waren außer Rand und Band.

Dann schlug London zurück und dem Zuschauer das Herz bis zum Hals: Ein Fußballkrimi erster Güte nahm seinen Lauf. Nervös liefen viele Fans schließlich auf und ab; in einer gelassenen Sitzposition konnten sie das nervenaufreibende Finale nicht mit ansehen: „Und dabei spielen die Bayern doch viel besser!“ Betende Hände wiesen beim Elfmeterschießen in den Pfaffenhofener Nachthimmel: „Es muss, es muss, es muss einfach klappen!“ Wie ein Paukenschlag kam schließlich die Ernüchterung, als Didier Drogba als letzter Chelsea-Schütze für ein Ergebnis sorgte, mit dem kaum jemand gerechnet hatte.

Recht schnell leerte sich der Hauptplatz; beim Siegestaumel der Briten wollte kaum noch jemand auf den Würfel schauen. Fans waren buchstäblich am Boden zerstört; einige blieben wie betäubt noch eine Zeit lang dort sitzen: „Ich kann es nicht fassen.“

Kein Autokorso, kein ausgelassener Zug durch die Gemeinde – Trauertag statt Fußballparty und großes Mitgefühl für die Verlierer: „Der arme Schweinsteiger tut mir so leid!“

 

Von Tina Bendisch
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