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Tödliches Drama samt Vorgeschichte: Bewegende Premiere der Jugendbühne des Theaterspielkreises

Unheilvolle Gruppendynamik

Pfaffenhofen
erstellt am 11.03.2018 um 13:30 Uhr
aktualisiert am 15.03.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Eine beeindruckende Premiere hat der Nachwuchs des Theaterspielkreises am Samstag gefeiert. "Grenzenlos" erzählt eine Geschichte von Jugendlichen, deren Leben durch Gruppenzwang, Cybermobbing und Eifersucht erst aus den Fugen gerät und tödlich endet.
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Alles wird anders: Den unspektakulären Alltag an einer ländlichen Schule ändert der Zuzug eines hippen Bruderpaares. Die Situation artet komplett aus - und am Ende des Stücks der Jugendgruppe steht der Tod zweier Hauptdarsteller.
Doro Bornemann
Pfaffenhofen

Am Anfang steht der traurige Schlusspunkt: Zwei Jugendliche fahren mit dem Auto, scheinbar unbeschwert. Doch der Fahrer trinkt Alkohol und in einem unbedachten Moment kommt es zum tödlichen Zusammenstoß. Bei der Beerdigung stellen sich die überlebenden Freunde die Frage, wie es so weit kommen konnte. In Rückblenden erzählt das Theaterstück, was sich ereignet hat. Ursprünglich lebt in einer ländlichen Gemeinde eine Gruppe von Jugendlichen, deren Alltag unspektakulär ist.

Dann kommen mit Jason und Sydney zwei neue Klassenkameraden dazu - und mit deren Erscheinen verändert sich in rasender Geschwindigkeit das Sozialgefüge. Alle versuchen dem aus einem reichen Elternhaus stammenden Geschwisterpaar nachzueifern. Das fängt bei der Kleidung an, es entbrennt ein Wettstreit um das beste Outfit. Ausgerechnet die bis dahin brave Lisa stiehlt, um mithalten zu können. Sie trennt sich von ihrem bisherigen Freund Phillip, bei einer Feier in der vornehmen Villa von Jasons Eltern betrinkt sie sich und lässt sich zum Einwerfen von Pillen überreden. Sie richtet ihr ganzes Leben danach aus, Jasons Anerkennung und Liebe zu gewinnen. Dafür lässt sie sich zu Dingen überreden, die sie normalerweise nie gemacht hätte. Mit Aufnahmen aus der Jungentoilette tritt sie eine Cybermobbinglawine los, die sich schließlich gegen sie selbst wendet. Die Freunde stehen bei dieser Entwicklung recht hilflos daneben. Während die bisher besten Freunde Sarah und Phillip immer wieder versuchen an Lisa heranzukommen, wenden sich die anderen zunehmend von ihr ab. Dann kommt der Tag, an dem klar wird, dass Jason und Sydney wegziehen müssen, da der Vater aus Karrieregründen schon wieder einen neuen Job, diesmal in Dubai, antreten wird. Dies bringt den vordergründig coolen Jason vollkommen aus dem Gleichgewicht. Mit Lisa hat er endlich jemanden gefunden, dem er etwas bedeutet. Reichlich betrunken bricht er zu einer Spritztour mit dem Auto auf. Lisa, die ihn nicht alleine lassen möchte, begleitet ihn - und das Unheil nimmt seinen Lauf.

Mit diesem vielschichtigen Stück ist den Jugendlichen unter der Leitung von Nicola Bartsch gelungen, mehrere aktuelle Themen in einer fesselnden und beklemmenden Geschichte zu erzählen. Dabei werden immer wieder die Fragen nach dem Warum gestellt. Was bringt Jugendliche dazu, sich in bestimmten Situationen so zu verhalten. Spannend ist hierbei die Selbstreflexion der Jugendlichen, die geschickt parallel zur eigentlichen Geschichte eingebaut wird. Während diese erzählt und gespielt wird, hinterfragen die Schauspieler ihr Verhalten aus der Vergangenheit. Die unterschiedlichsten Charaktere, die alle ihre eigenen Beweggründe für ihr Verhalten haben, erzählen dies authentisch.

Lisa (Maike Belzner), die es mit ihrer ruhigen Art schafft, den nach Halt suchenden Jason zu erden, daran aber schlussendlich scheitert und dabei ihr Leben verliert. Jason (Josef Henn) der Sohn aus reichem Haus, der auf der Suche nach Liebe, Anerkennung und Grenzen verzweifelt. Sydney (Kea Bartsch), die die Liebe ihres Bruders aus Eifersucht torpediert und sich doch immer Sorgen um ihren Bruder macht. Starker Auftritt auch von Luisa Dietsch als Emma, die mit ihrem Gesang den einzelnen Szenen besondere Tiefe verleiht. Schon direkt am Anfang ein Gänsehautmoment, als sie zur Beerdigung "Hallelujah" von Leonhard Cohen singt. Stark auch Mohamed Al Shomar, der als Nizzar sein Gefühlschaos in einer Tirade in seiner Muttersprache ausdrückt.

Alles wird anders: Den unspektakulären Alltag an einer ländlichen Schule ändert der Zuzug eines hippen Bruderpaares. Die Situation artet komplett aus - und am Ende des Stücks der Jugendgruppe steht der Tod zweier Hauptdarsteller.
Doro Bornemann
Pfaffenhofen

Abgerundet wird die Erzählung durch ein intelligentes Bühnenbild. Wenige Requisiten werden durch Videohintergründe ergänzt - und schaffen so eine tolle räumliche Illusion. Die rundherum gelungene Premiere endete erst mit beeindrucktem Schweigen und dann einem großen Beifall für diese intensive Aufführung.

Weitere Termine sind am 16. und 18. März. Bei starker Nachfrage werden zusätzliche Aufführungen angeboten. Außerdem gibt es auch ein Angebot an die weiterführenden Schulen, dieses Theater in den Schulen aufzuführen. Und darüber hinaus gehen die Schauspieler in den Pfingstferien auf eine Gastspielreise nach Norddeutschland.

Dorothee Bornemann
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