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Bei einer Exkursion an der Ilm zwischen Geisenfeld und Parleiten entdecken die Teilnehmer 25 Arten

Eine Lebensader auch für Vögel

Geisenfeld
erstellt am 12.03.2018 um 18:00 Uhr
aktualisiert am 16.03.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Geisenfeld (GZ) Die Ilm ist eine Lebensader - nicht nur für Fische. Naturfreunde haben jetzt bei einer Exkursion auf dem Abschnitt zwischen dem Volksfestplatz Geisenfeld und dem Ortsausgang von Parleiten 25 Vogelarten entdeckt - darunter die seltene Wasseramsel.
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Geisenfeld: Eine Lebensader auch für Vögel
Foto: Magdalena Zurek
Geisenfeld

Rund 20 Teilnehmer vom Grundschüler bis zum Rentner versammeln sich am Sonntagmorgen neben dem Bewegungspark. Ein reges Zwitschern im Geäst umher kündet vom nahen Frühling. Wer ein gutes Fernglas dabei hat, kann den Wanderfalken sehen, der bereits seine Kinderstube im Kirchturm der Stadtpfarrkirche eingerichtet hat.

Die Naturfreunde haben indes ein anderes Tier im Fokus: die Wasseramsel. Obwohl noch Schneefleckerl und Eiskristalle den Flusslauf säumen "hat auch für sie die Brutsaison begonnen und bald werden vier bis sechs weiße Eier im Nest liegen", erklärt Frank Schuster vom Landesbund für Vogelschutz, der die Gruppe fachlich begleitet. Zwei der drei vom LBV im Landkreis angebrachten Nisthilfen sind angenommen worden - beide im Bereich Geisenfeld.

Dass die Wasseramsel bei Ainau und Parleiten ihren Nachwuchs großzieht, sei ein Zeichen für die gute Wasserqualität an dieser Stelle, so Schuster. Denn der Vogel, der trotz seines Namens nicht mit der Amsel verwandt ist, liebt sauerstoffreiche Gewässer mit hoher Fließgeschwindigkeit und stellenweise kiesigem Untergrund. Dank der Renaturierungsmaßnahmen im Zuge der Hochwasserfreilegung findet der schwarz-braune Vogel mit dem auffällig weißen Brustfleck bei seinen Tauchgängen hier reichlich Köcherfliegenlarven und sonstige Leckerbissen. Ab und zu ist ein kleiner Fisch darunter, im Sommer jagt sie auch Insekten.

Als man vor zwanzig Jahren erstmals im Landkreis eine Wasseramsel gesichtet habe, "dachten wir, die hat sich verirrt", verrät der LBV-Kreisvorsitzende Hans Leppelsack. Normalerweise sei sie eher im Alpenvorland heimisch.

Besonders konzentriert "scannen" die Exkursionsteilnehmer die Umgebung ab. Sie entdecken Buntspecht, Goldammer, Kleiber und etliche Kormorane, die sich nebst Graureiher im Geäst eines toten Baums sonnen. "Man sieht sie häufig, aber es gibt im Landkreis vermutlich nur ein einziges Brutpaar im Feilenmoos" lässt der Exkursionsleiter wissen.

Ein geschäftige Bisamratte (eigentlich eine Wühlmausart) lenkt den Blick auf das Ufer und ein schwieriges Thema: die europäische Wasserrahmen-Richtlinie. Diese sieht breite, landwirtschaftlich nicht genutzte Randstreifen zum Schutz der Gewässer vor Erosion und einer Belastung mit Stickstoff, Nitrat oder Phosphor vor. "Bei der Umsetzung setzt man in Bayern auf Freiwilligkeit, das funktioniert meist nicht", bedauert Leppelsack. Im Landkreis bemühen sich Wasserberater des Amts für Ernährung und Landwirtschaft, durch Information ein Umdenken bei den Landwirten zu bewirken.

Während die Gruppe noch diskutiert, hat ein älterer Herr ein Schnatterentenpaar entdeckt. Selten anzutreffende Gäste, vermutlich auf der Durchreise von ihrem Winterquartier am Mittelmeer zu den Brutgebieten in Schottland oder Island.

Bis sie Parleiten erreichen, notieren die Exkursionsteilnehmer 25 Arten - darunter Baumläufer, Bergfink und Sumpfmeise. Die Wasseramsel entdecken sie zuletzt - versteckt im Schilf. Schlicht "wunderschön" sei die Tour gewesen, urteilt ein Teilnehmer. Umso trauriger stimmen die Zahlen, die Leppelsack bereithält: Europas Jäger töten demnach jährlich 100 Millionen Vögel - Spitzenreiter ist Frankreich, Deutschland liegt laut Statistik mit 2,3 Millionen getöteter Tiere auf Platz sechs. Zu den Opfern zählt dabei auch der Große Brachvogel, dessen wenige Brutpaare der LBV im Landkreis durch ein besonderes Projekt schützt.

Von Maggie Zurek
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