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Bündnis Auen-Nationalpark gegründet - 80 Besucher zeigen ihr Interesse - Naturschutzverbände mit im Boot

Jetzt formieren sich die Befürworter

Neuburg
erstellt am 16.01.2018 um 17:56 Uhr
aktualisiert am 20.01.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Neuburg (DK) Ein möglicher Nationalpark Donau-Auen - von den einen ersehnt, von anderen gefürchtet. Die Kritiker haben sich immer wieder lautstark zu Wort gemeldet. Nun gibt es eine Gegenbewegung, ein "Bündnis Auen-Nationalpark".
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Wasser und Wald, die Aue ist ein ganz besonderer Lebensraum, selten und bedroht. Viele Reliktarten, auch unscheinbare Insekten, finden nur hier ein Rückzugsgebiet..
Wasser und Wald, die Aue ist ein ganz besonderer Lebensraum, selten und bedroht. Viele Reliktarten, auch unscheinbare Insekten, finden nur hier ein Rückzugsgebiet.
Stefan Janda
Neuburg
"Es ist Zeit, dass wir Farbe bekennen und Gesicht zeigen", begrüßte die Neuburger Jägerin Ulla Eller rund 80 Teilnehmer in Rödenhof. Und das taten die Vertreter von Naturschutzverbänden wie Landesbund für Vogelschutz (LBV), Bund Naturschutz (BN), aber auch Gästeführer aus Kelheim, Naturfreunde aus Ingolstadt und Neuburg an diesem Abend. Mit Norbert Schäffer, dem LBV-Vorsitzenden aus Hilpoltstein und Christine Margraf, der Artenschutzbeauftragten des BN, waren Fachleute in der Runde, deren Bekenntnis zu einem Nationalpark Donau-Isar, auf der Erkenntnis fußt, dass "wir auch nachfolgenden Generationen Flüsse, Auen und Wälder hinterlassen sollten, in denen nicht jeder Quadratmeter von uns gestaltet und genutzt wird".

Teil des Bündnisses sind neben den Naturschutzverbänden auch Wissenschaftler wie der Professor für Zoologie Hans-Joachim Leppelsack aus dem Landkreis Pfaffenhofen, politische Mandatsträger aus Kreistagen und Stadträten, Grundbesitzer aus der Suchkulisse, Jäger, Fischer und Imker aus den Landkreisen Donau-Ries, Neuburg-Schobenhausen, Ingolstadt, Eichstätt, Pfaffenhofen, Kelheim und Freising.

"Das ist ein sehr, sehr seltener Lebensraum. Viele Arten kommen nurin den Auwäldern vor."

Christine Margraf (BN)

 

Siegfried Geißler, an diesem Abend nicht Beamter der Unteren Naturschutzbehörde, sondern stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrates Naturerbe Donau, beklagte, dass es bislang kaum eine wohlmeinende Darstellung des Projekts Nationalpark gegeben habe. "Die positiv eingestellte Bevölkerung, die es in der Mehrheit in der Region gibt, hat man noch nicht gehört", bedauerte Geißler. Das eben soll sich mit dem Bündnis ändern, das dazu regionale Ansprechpartner benannt hat.

Norbert Schäffer vom LBV versicherte, Ministerpräsident Horst Seehofer habe großes Interesse an einem dritten Nationalpark in Bayern. "Das nehme ich ihm ab. Das ist ihm eine Herzensangelegenheit", sagte Schäffer. Der LBV habe den Steigerwald favorisiert. "Der ist herausgefallen. Das ist sehr, sehr schade." Der Frankenwald erwies sich als ungeeignet. "Den hätte man erst umbauen müssen." Und dann sei leider auch der Spessart rausgefallen. "Seehofer", gab sich Schäffer überzeugt, "hätte einen dritten Nationalpark durchgedrückt. Jetzt wissen wir es nicht." Der Vorsitzende des mitgliederstarken Vogelschutzbundes appellierte an die Anwesenden, der dritte Nationalpark müsse die gleichen Qualitätskriterien erfüllen wie die beiden anderen im Bayerischen Wald und in Berchtesgaden. Es dürfe keinen Nationalpark light geben. "10 000 Hektar müssen das Ziel sein. Man darf nicht im Vorfeld an jeder Ecke nachgeben. Ein Nationalpark ist etwas ganz ganz Besonderes." Der LBV-Vorsitzende ist sicher, dass 80 Prozent der Bevölkerung für ein solches Schutzgebiet sind.

Dass Gemeinden wie Weichering, Oberhausen und Bergheim und die Stadt Neuburg mit dem Englischen Garten ihre Flächen nicht mit einbringen, bedauerte Hans-Jürgen Steinherr aus Weichering. Die Angst vor einer Holzknappheit sei unbegründet. Nur 2,3 Prozent der bayerischen Waldfläche sei aus der Nutzung genommen, und der Hackschnitzelmarkt sei angespannt, weil laut dem "Landwirtschaftlichen Wochenblatt" zu viel Material auf dem Markt sei. "Letztlich wird viel Panikmache betrieben", sagte er an die Adresse der Nationalparkgegner.

Gegen eine "Lightversion" eines Nationalparks sprach sich Norbert Schäffer (r.), der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz aus Hilpoltstein, aus.
Gegen eine "Lightversion" eines Nationalparks sprach sich Norbert Schäffer (r.), der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz aus Hilpoltstein, aus.
Frank
Neuburg

"Ich gehe davon aus, dass bei uns eine positive Stimmung herrscht", berichtete Geißler von den Informationsfahrten der Kreisräte in den Bayerischen Wald, nach Berchtesgaden und an die Donau in Österreich.

Auf die Bedeutung der Auwälder richtete BN-Artenschutzreferentin Christine Margraf die Aufmerksamkeit der Zuhörer. Hartholzwälder wie die an der Donau seien bislang in keinem Nationalpark repräsentiert. "Das ist ein sehr, sehr seltener Lebensraum. Viele Arten kommen nur in den Auwäldern vor", erklärte sie. Und in ungenutzten Wäldern sei die Artenvielfalt deutlich höher als in genutzten. "Das wäre der große Gewinn an einem Nationalpark." Kritiker führen stets ins Feld, der Auwald sei eine recht schlanke Kulisse. Ein Argument, das Margraf nicht gelten lässt. "Ein Auwald an einem Fluss ist immer ein schmales Band. Aber in diesen schmalen Bändern spielt die Musik." Die Menschen seien begeistert von wilden Flüssen und wilder Natur, "und das sollten wir uns auch in einer Wachstumsregion leisten".

Es war nicht die Trillerpfeifen-Fraktion, die am Montagabend in Rödenhof zusammenkam, aber ein paar Seitenhiebe auf die Nationalparkgegner gab es dann doch. Peter-Michael Schmalz, ÖDP-Kreisrat aus dem Kreis Kelheim, sprach von "glasklaren Unwahrheiten", mit denen die Gegner zu Werke gingen. "Wir können nicht die ganzen Kritiker in Einzelgesprächen überzeugen. Wir können nur zeigen, dass viele Leute dafür sind." Schmalz sprach sich für den Schutz der Biodiversität und des "wertvollsten Lebensraumtyps in Mitteleuropa" aus. Sein Vorschlag an das Umweltministerium: Grenzertragsflächen rauskaufen, dann gebe es keine Nutzungskonflikte. Ein Gästeführer aus Kelheim beklagte eine "Hetzpropaganda, auch in der Zeitung" und die "Informationsfaulheit der Leute", die sich noch nie mit dem Thema beschäftigt hätten. Peter Krause aus Ingolstadt fand: "Wir brauchen Kommunikation und Multiplikatoren." Sinnvoll erscheint den Mitgliedern des Bündnisses mit allen, die potenziell geeignete Flächen haben, zu sprechen. Auch die Jäger sollten Stellung nehmen können. Ulla Eller versicherte: "Ich bin nicht gefragt worden und ich kenne viele Jäger, die sind auch nicht gefragt worden."

Das Bündnis möchte nun möglichst rasch eine eigene Homepage erstellen, um von sich aus eine Informationsoffensive zu starten, und die positive Stimmung zur Geltung zu bringen.
 

DAS BÜNDNIS

Das Bündnis Auen-Nationalpark hat eine Führungsspitze. Als Sprecher fungieren Christine Margraf, Freising, Hans-Jürgen Steinherr, Weichering und Peter-Michael Schmalz aus Kelheim. Siegfried Geißler von der Stiftung Naturerbe Donau ist externer Berater, Ulla Eller aus Neuburg fungiert als Schriftführerin.

Regionale Ansprechpartner sind: Alexander Helber, Bianca Brandner und Rudi Schubert für Donau-Ries, Günter Krell, Hans-Jürgen Steinherr und Ulrich Mayer für Neuburg, Lena Maly und Peter Kraus für Ingolstadt, Johann Beck für Eichstätt, Professor Hans-Joachim Leppelsack für Pfaffenhofen, Peter-Michael Schmalz und Konrad Pöppel für Kelheim und Christine Margraf sowie Christian Magerl für Freising. 

Frank
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