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Aus einem Streit wird ein blutiger Krieg

erstellt am 14.09.2018 um 18:06 Uhr
aktualisiert am 19.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Viel ist von der einstigen Burg nicht mehr da.
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Dieser Holzstich des englischen Illustrators Josiah Wood Whymper zeigt die Burg Hütting Mitte des 19. Jahrhunderts.
Dieser Holzstich des englischen Illustrators Josiah Wood Whymper zeigt die Burg Hütting Mitte des 19. Jahrhunderts.
Foto: Bildarchiv des Historischen Vereins Neuburg
Nur noch ein Mauerrest thront hoch über dem Dorf Hütting. Als alter Besitz der Graisbacher wurde die Befestigungsanlage als Grenzfeste etwa um das Jahr 1060 zum Schutz der Grafschaft gebaut. Im Laufe der Jahrhunderte war sie im Besitz verschiedener Fürsten und Herzöge. Bis im Zuge des Bayerischen Krieges die Burg 1421 niedergebrannt wurde.

"Mit seinen Verwüstungen war der Bayerische Krieg dieser Jahre sicherlich das schlimmste Ereignis, das die Bevölkerung Bayerns im 15. Jahrhundert traf", schreibt Bernhard Glasauer in seinem Werk "Herzog Heinrich XVI. (1393-1450) der Reiche von Bayern-Landshut - Territorialpolitik zwischen Dynastie und Reich". Diese Zeit war "allerdings nicht von großen Schlachten geprägt, sondern von Verwüstungszügen, Plünderungen und Belagerungen", führt der Historiker weiter aus. Mehr als 1000 Dörfer fielen den Fehden mehrerer Herzoge anheim - auch in der Region um Neuburg. Vor allem Erbstreitigkeiten zwischen den beiden Herzögen Ludwig VII. und Heinrich XVI. führten letzten Endes zu den kriegsähnlichen Auseinandersetzungen.

Dass es zu solchen Erbstreitigkeiten kommen konnte, liegt daran, dass sich das Herrschaftsverständnis nach und nach wandelte. Ende des 14. Jahrhunderts herrschte in Bayern das Wittelsbacher Geschlecht. Nach mehreren Teilungen über die Jahrhunderte - im Jahr 1255 trennten sich Nieder- und Oberbayern, nach einem erneuten Zusammenschluss 1340 trennten sie sich 1349 erneut und im Jahr 1353 wurde Niederbayern abermals geteilt - entstanden im Jahr 1392 drei Teilherzogtümer: Bayern-Ingolstadt, Bayern-Landshut und Bayern-München, benannt nach dem Regierungssitz ihrer jeweiligen Herzog.

Mit dem damals herrschenden Reichsrecht war das eigentlich nicht vereinbar. So erließ etwa Kaiser Friedrich Barbarossa im Jahr 1158 ein Reichsgesetz, das verbot, Herzogtümer, Grafschaften oder Markgrafschaften aufzuteilen. Doch im Spätmittelalter wandelte sich langsam das Herrschaftsverständnis. Nicht mehr ein Nachkomme bestieg am Ende den Thron seines Vaters, sondern alle Söhne sollten bei der Erbfolge berücksichtigt werden. Die Folge war eine immer weitere Teilung der bayerischen Länder, die 1392 ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte.

In diesem Jahr hielt sich Ludwig VII. gerade in Frankreich auf. Im Auftrag des Papstes Bonifatius IX. war er im Jahr davor an den französischen Hof gereist, um seinen Schwager, den französischen König Karl VI. zu unterstützen. In Avignon gab es mal wieder einen Gegenpapst, der die kirchliche Macht für sich beanspruchte. Karl VI. , der im Jahr 1385 Heinrichs Schwester Isabeau geheiratet hatte, empfing seinen Schwager fürstlich. Ihm zu Ehren ließ er deutsche Kleidung für den Hof anfertigen - damals waren grauschwarze Kleidungsstücke in den deutschen Landen en vogue - und zahlte ihm eine Pension von 5000 Francs.

Dann erreichte Ludwig VII. plötzlich die Nachricht über die Landesteilung in Bayern. Niederbayern wurde zum Herzogtum Bayern-Landshut und Herzog Friedrich zugesprochen. Das Herzogtum Bayern-München ging an Johann II. und von Oberbayern wurde das Herzogtum Bayern-Ingolstadt abgetrennt, es ging per Los an Herzog Stephan III. , den Vater Ludwig VII. Da sich der Ingolstädter Herrscher durch die anderen Wittelbacher übervorteilt sah, drohten die Streitigkeiten in einen Krieg auszuarten.
Hoch oben über Hütting steht seit jeher eine Burg. Davon sind seit dem Bayerischen Krieg nur noch Reste übrig.
Hoch oben über Hütting steht seit jeher eine Burg. Davon sind seit dem Bayerischen Krieg nur noch Reste übrig.
Foto: Leurs



Der plötzliche Tod des Landshuter Herrschers Friedrich ließ die Kriegsgefahren erstmal abwenden. Denn Friedrichs Sohn Heinrich XVI. war zu diesem Zeitpunkt noch minderjährig. So einigten sich Ludwigs Vater Stephan und Johann darauf, die Vormundschaft für den Buben zu übernehmen. Doch bald brachen die Feindschaften zwischen den beiden Herzögen wieder auf, da beide versuchten, ihren Einfluss im reichen Bayern-Landshut geltend zu machen.

Am 8. Mai 1398 einigten sich beide darauf, im Wechsel alle zwei Jahre die Vormundschaft für den jungen Heinrich zu übernehmen. Doch Johann bereitete unbeirrbar einen Krieg gegen Ingolstadt vor. Dazu suchte er sich gezielt Verbündete, wie die österreichischen Herzoge Albrecht und Wilhelm sowie den Bischof von Freising, Berthold Wähinger, der zugleich österreichischer Kanzler war.

Doch Ludwig VII. wusste von den Kriegsvorbereitungen seines Onkels. An Weihnachten überfiel er Freising und zwei Wochen später, am Dreikönigstag 1395, eroberte und plünderte er Neuburg. Daraufhin rächte sich Johann, indem er mit seinen beiden Söhnen Aichach, Friedberg und Marktschwaben angriff. Im den ersten zwei Jahrzehnte des 15. Jahrhunderts geriet Ludwig VII. immer wieder in Konflikt mit seinem Vetter Heinrich XVI. Ludwig konnte sich dabei selten im Zaum halten und bezeichnete Heinrich als Sohn eines Kochs und "ainen vergiesser des menschen bluets", wie es von einem Chronisten jener Zeit überliefert ist. Diese Beleidigungen ließ Heinrich nicht auf sich sitzen und übte im Jahr 1417 mit 15 Getreuen einen Mordanschlag auf ihn aus, den Ludwig nur schwer verletzt überlebte. Das Attentat verschärfte den Konflikt zwischen beiden nur noch. So bezeichnete Ludwig darauf Heinrich als "pluethunt".

Ein Krieg zwischen den beiden Kontrahenten wurde immer wahrscheinlicher. Als dieser dann im Jahr 1420 tatsächlich begann, war Heinrich in der wesentlich günstigeren Situation. Er hatte ein Bündnissystem mit der Konstanzer Liga geschaffen, der verschiedene Herzöge und Markgrafen angehörten. Somit war Ludwig auf Reichsebene politisch isoliert. Trotzdem bot sich für ihn Anfang des Jahres eine Gelegenheit, zuzuschlagen. Denn die Münchner Herzöge, die damals in chronischen Finanzproblemen steckten, scheuten die immensen Kriegskosten. So war ein Kriegseintritt der Münchner, solange man sie nicht direkt provozierte, sehr unwahrscheinlich, wie es der Historiker Glasauer darlegt.

Im ersten Jahr verhielt sich Heinrich noch neutral. Als Ludwig am 4. Februar 1421 das zu Bayern-Landshut gehörende Neustadt angriff, trat er doch in den Krieg ein. In dieser Stadt hatte er nämlich vor, seine Truppen zu sammeln. In den folgenden Monaten wurden immer wieder Dörfer angegriffen und vernichtet. Mitte März 1421 zerstörte Heinrich mit seinen Truppen 18 Dörfer in den Landgerichtsbezirken Aichach und Schrobenhausen. Über die nächsten Monate sind hunderte weitere Ortschaften dem Krieg zum Opfer gefallen. In den Neuburger Kopialbüchern sind allein im Band 88 weit über 1000 Dörfer als verbrannt notiert. Viele Zerstörungen ließen sich nach dem Bayerischen Krieg nicht mehr nachweisen. Die Schlacht bei Alling am 19. September 1422 beendete den Krieg zwischen Ludwig und Heinrich, aus dem Letzterer klar als Sieger hervorging.
 
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