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Die Stadt braucht den "Bewahrer der Geschichte"

erstellt am 30.07.2008 um 21:40 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 17:45 Uhr | x gelesen
Neuburg (r) Das "geschichtliche Gewissen" der Stadt Neuburg ist 175 Jahre alt geworden. Mit 400 Gästen feierte der Historische Verein gestern abend dieses besondere Jubiläum in Schloss und Kongregationsaal. Politiker und Wissenschaftler gratulierten dem "Bewahrer unserer Vergangenheit".
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Das Weveldhaus ist heute Museum und zentraler Stützpunkt des Historischen Vereins.
Der starke Besuch – bei 32 Grad im Schatten – belegt den Stellenwert, den sich der Verein in den Höhen und Tiefen seiner Zeit erworben hat. Übrigens genau am 30. Juli 1833 hatte das Stadtkommissariat den "Historischen Filialverein" für konstituiert erklärt.

Ganze sieben Seiten lang begrüßten Vorsitzender Roland Thiele und sein Stellvertreter Markus Nadler die Gästeschar. Ihr "Grüß Gott" verknüpften sie geschickt mit den geschichtlichen Reminiszenzen des Jubilarvereins. Auch Herzog Max in Bayern gratulierte gestern vor Ort im Schloss. Die Königliche Familie zeigt ihre Verbundenheit mit der alten Residenzstadt Neuburg. Deren Historischer Verein gehörte zur ersten Staffel, deren Gründung König Ludwig I. angeregt hatte, erläutert Herzog Franz von Bayern. In seinem Grußwort wünscht der Wittelsbacher tatkräftige Mitglieder, die sich der Erforscherung der Geschichte Bayerns widmen.

Neuburgs Oberbürgermeister Bernhard Gmehling versprach dabei Unterstützung: "Der Erfolg unserer Stadt steht auch auf den Pfeilern des altehrwürdigen Historischen Vereins". Seine Aktiven "blättern mit großem Sachverstand im Kompendium der Stadtgeschichte". Irgendwann werde die Gegenwart Geschichte. Der Verein hegt und dokumentiert sie. "Und so bleibt das, was die Bürger Neuburgs und des Landkreises bewegt, für unsere Nachfahren erhalten", zollte Landrat Roland Weigert Respekt. Der Verein diene dem heimatgeschichtlichen Raum und leiste Beiträge zum kulturellen Leben in Stadt und Landkreis. Das sieht auch Regierungsvizepräsident Ulrich Böger so, der den Heimatvereinen "wichtige gesellschaftliche Funktion" zuschreibt. Menschen aller Schichten arbeiten für diese Ziele.

Roland Thiele ernannte im Namen aller Mitglieder Landrat a.D. Richard Keßler zum Ehrenmitglied. Der gelernte Historiker ist das 90. Ehrenmitglied in der Vereinsgeschichte und das einzige lebende. Keßler habe als Abgeordneter und Landrat viel für die Heimat und die Residenz Neuburg geleistet. Thiele nann te das Haus im Moos, die Impulse für das Donaumoos, die Auenrenaturierung und die Wiederbelebung des Neuburger Schlosses.

Richard Keßler ("Ich arbeite gerade an meinem Ruhestand") beschrieb das Schloss als "Lebensaufgabe". Dass die Sanierung bis 2005, letztlich auch mit Hilfe des damaligen Finanzministers Kurt Faltlhauser, gelungen sei, stärke die Identität und das Schloss als Symbol für Heimat. Alle Ehrenamtlichen, die forschen, graben und sammeln, fördern das Heimatbewusstsein und wichtige "Standortfaktoren". Sie erfüllen die Wünsche der Menschen, ihre Herkunft und Geschichte kennenzulernen.

Diese gesellschaftliche Rolle betonte auch Michael Henker in seinem detaillierten Festvortrag. Der Chef der nichtstaatlichen Museen in Bayern beleuchtete die Geburt der Geschichtsvereine ab 1819 und ihre Renaissance in den jüngsten Jahrzehnten.

Kaufmann Joseph Benedikt Graßegger (kleines Foto), Gymnasialprofessor Ferdinand Platzer, Pfarrer Carl August Böhaimb – auf solche Pioniere baute der Historische Verein Neuburg in seiner Gründerzeit. Mäzene bereicherten den Fundus. Die Familie Graßegger schenkte dem Verein ihre Sammlungen, darunter die vier Ottheinrich-Wandteppiche. Ende des 19. Jahrhunderts konnte man einen Museumsbetrieb anbieten. Im Dritten Reich bewahrte Prof. Karl Ramp den Verein vor Gleichschaltung und Auflösung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg führten die Vorsitzenden Josef Heider, Michael Eckstein und Matthias Schieber in bessere Zeiten. 1987 eröffnete das ersehnte Schlossmuseum, ein Lebenstraum des Vorgeschichtsforschers und Autodidakten Michael Eckstein. Sein Nachfolger musste sich mit der endlosen Geschichte des Weveldhauses herumschlagen. Als sie 2005 mit der Neueröffnung des Stadtmuseums endete, durfte sie Matthias Schieber, Ehrenbürger und Seele des Vereins, nicht mehr miterleben. 2005 steht ferner für die glanzvolle Wiedereröffnung des Schlosses mit der Rückkehr von Rubens-Bildern und der Landesausstellung zum 500-jährigen Bestehen des Fürstentums Pfalz-Neuburg.

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