Mittwoch, 22. August 2018
Lade Login-Box.

Etwa 100 nach Christus bauten die Römer bei Stepperg einen mächtigen Übergang über die Donau. Es war ein Knotenpunkt wichtiger Straßenverbindungen. 1900 Jahre später suchen Taucharchäologen nach den Überresten der Brücke. Von Winfried Rein

Die Geheimnisse der Römerbrücke

erstellt am 09.08.2018 um 18:16 Uhr
aktualisiert am 13.08.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Etwa 100 nach Christus bauten die Römer bei Stepperg einen mächtigen Übergang über die Donau. Es war ein Knotenpunkt wichtiger Straßenverbindungen. 1900 Jahre später suchen Taucharchäologen nach den Überresten der Brücke.
Textgröße
Drucken
Wie die Soldaten einer Legion marschierten Studenten der Uni Regensburg bis nach Triest. Hier kommen sie in an Burgheim, römisch Parrodunum, vorbei (Bild links).  So könnte ein Ausschnitt der Stepperger Donaubrücke ausgesehen haben (Bild Mitte).  Auf dem Antoniberg eröffnete der Historische Verein  Rennertshofen einen ?Sucher? mit Abbildung der Römerbrücke (Bild rechts).
Wie die Soldaten einer Legion marschierten Studenten der Uni Regensburg bis nach Triest. Hier kommen sie in an Burgheim, römisch Parrodunum, vorbei (Bild links). So könnte ein Ausschnitt der Stepperger Donaubrücke ausgesehen haben (Bild Mitte). Auf dem Antoniberg eröffnete der Historische Verein Rennertshofen einen "Sucher" mit Abbildung der Römerbrücke (Bild rechts).
M. Prell/r
Neuburg (r) Geschätzte hundertmal hat er in der Donau getaucht, und das Geheimnis der Stepperger Römerbrücke lässt ihn einfach nicht los. Jetzt hat Marcus Prell (51), Lehrer und Taucharchäologe, ein attraktives Magazin über die 1900 Jahre alte Holzbrücke im Eigenverlag herausgebracht.
 
M. Prell/r



Genauer gesagt geht es um die Überreste der mächtigen Holzkonstruktion, die römische Arbeitstrupps etwa 100 Jahre nach Christus unter dem Antoniberg in den Flussgrund gerammt hatten. Die Erosion der ewig strömenden Donau mit ihren Kieselsteinen hat die Pfeiler und Pfähle kräftig abgeschliffen. Dennoch schlummern noch schwarze, gehärtete Hölzer am Stepperger Flussgrund.
 
M. Prell/r



Die Archäologen hoffen, dass die Kräfte der Natur noch etwas übrig lassen für kommende Forschergenerationen und neue Dokumentationstechniken. "Es wäre schade, wenn dieser Stützpunkt der Römergeschichte in der Heimat in Vergessenheit geriete", findet Marcus Prell.
 
M. Prell/r



Und weil diese Heimatgeschichte sozusagen vor der Haustür liegt, bereitet er jetzt "Brückenkoffer" für die Grundschulen vor. Sie enthalten allerlei Informationen und Illustrationen über die römische Baukunst und natürlich auch eine originale Holzprobe vom Grund der Donau. Wenn zum Beispiel die Rennertshofener Schüler einen Ausflug zum Antoniberg machen, die Brücke nachempfinden und malen können, "das wäre dann schon ein lebendiger Unterricht."
Gerhard Prell ist nicht nur Bergsteiger und Skifahrer, er unterstützte seinen Sohn Marcus Prell (Bild unten) bei den Forschungen an der Römerbrücke.
Gerhard Prell ist nicht nur Bergsteiger und Skifahrer, er unterstützte seinen Sohn Marcus Prell (Bild unten) bei den Forschungen an der Römerbrücke.
M. Prell/r



Auf dem Antoniberg mit dem schönen Panoramablick ins Donautal steht ja seit 2015 neben einer Schautafel ein "Guckapparat", mit dem der Ausflügler die Römerbrücke als Konstruktion sehen und am richtigen Standort nachempfinden kann. Der Historische Verein Rennertshofen hat es möglich gemacht.
An dieser Stelle überbrückte vor 1900 Jahren eine imposante Holzkonstruktion die Donau zwischen Antoniberg Stepperg und Stätteberg Unterhausen. Der letzte von sechs Pfeilern liegt im Altwasser (links oben).
An dieser Stelle überbrückte vor 1900 Jahren eine imposante Holzkonstruktion die Donau zwischen Antoniberg Stepperg und Stätteberg Unterhausen. Der letzte von sechs Pfeilern liegt im Altwasser (links oben).
M. Prell/r



In diesem heißen Hochsommer führt die Donau Niedrigwasser - ideale Voraussetzungen für eine weitere Tauchexpedition. Marcus Prell wird aber "höchstens noch ein paar Mal schnorcheln", weil der Aufwand erheblich und die Naturschutzauflagen extrem sind. Das Thema - auch beim Historischen Verein Neuburg lange ein Dauerbrenner - ist vorerst abgeschlossen.
Gemeinsam  taucht es sich besser. An der letzten Kampagne in der Donau beteiligte sich auch Michael Böhm (Mitte), heute Bürgermeister von Burgheim.
Gemeinsam taucht es sich besser. An der letzten Kampagne in der Donau beteiligte sich auch Michael Böhm (Mitte), heute Bürgermeister von Burgheim.
M. Prell/r



Ab 2007 ging Marcus Prell fünf Jahre lang der Römerbrücke zusammen mit Taucher Michael Böhm - heute Bürgermeister in Burgheim - auf den Grund. Die Heimatforscher vervollständigten die Ergebnisse, die die Bayerische Gesellschaft für Unterwasserarchäologie in den Vorjahren herausgetaucht hatten. In Erinnerung bleibt die große Kampagne 1993/94 mit Andreas Tillmann, Hubert Beer und Kollegen.
Diese römische Bronzemaske gilt als Prachtstück der Römerzeit in Bayern. Aufgetaucht ist sie in den 50er Jahren beim Kiesabbau in Straß-Moos.
Diese römische Bronzemaske gilt als Prachtstück der Römerzeit in Bayern. Aufgetaucht ist sie in den 50er Jahren beim Kiesabbau in Straß-Moos.
M. Prell/r



Mit Unterwassersägen schnitten sie mühsam Pfahlspitzen der Hölzer ab, um später im Labor dendrochronologisch die Fällzeiten herauszubekommen. Letztlich taugten - von allen Tauchkampagnen - nur drei von 30 Proben zur hundertprozentigen Datumsbestimmung. Sie ergaben drei Bauphasen von 150 bis 200 nach Christus. Es könnte sich um Brückensanierungen gehandelt haben, denn die Römer haben ihren 550 Meter langen Übergang bei Stepperg - ein wichtiger Knotenpunkt der von Nassenfels kommenden Römerstraße Richtung Augsburg - damals gut in Schuss gehalten. Die Erbauungszeit der Brücke könnte um 100 n. Chr. gewesen sein.
Beim Tauchgang in der Donau findet Marcus Prell einen geschmiedeten Ring (oben).  Der römische Flussübergang bei Stepperg bestand nach neuesten Erkenntnissen aus einer Holzkonstruktion ohne gemauerte Pfeiler. Die Taucharchäologen sägten mühsam Pfahlspitzen ab, die dann über die Dendrochronologie das Alter der Hölzer verrieten.
Beim Tauchgang in der Donau findet Marcus Prell einen geschmiedeten Ring (oben). Der römische Flussübergang bei Stepperg bestand nach neuesten Erkenntnissen aus einer Holzkonstruktion ohne gemauerte Pfeiler. Die Taucharchäologen sägten mühsam Pfahlspitzen ab, die dann über die Dendrochronologie das Alter der Hölzer verrieten.
M. Prell/r



Für Marcus Prell steht jedenfalls fest, dass es sich nicht um eine Steinbrücke, sondern um eine sehr ausgeklügelte Holzkonstruktion gehandelt hat. Darauf lassen die vielen Fotos und Vermessungen der Tauchgänge schließen. Manchmal sei die Strömung der Donau so stark gewesen, "dass wir horizontal im Wasser hingen und uns festhalten mussten."
 
M. Prell/r



Das DIN-A4-Buch zur Römerbrücke Stepperg von Marcus Prell ist im "Prellbook-Verlag" erschienen, kostet 13 Euro und ist in der Bücherstube Eser zu haben.
Winfried Rein
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!