Donnerstag, 24. Mai 2018
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"Kochen ohne Grenzen" - Berufsschüler entwickeln mit jungen Migranten ein besonderes Kochbuch

Gemeinsam schnippeln, braten und backen

Neuburg
erstellt am 13.02.2018 um 15:22 Uhr
aktualisiert am 17.02.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Neuburg (DK) Die Kultur derjenigen, die nur ein paar Klassenräume weiter die Integrationsklasse besuchen, wollten die 16 Schüler der Klasse F 12 S a der FOS BOS Neuburg kennenlernen.
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Standen zusammen für das Projekt "Kochen ohne Grenzen am Herd": Schüler der F 12 S a und der Integrationsklasse der FOS BOS Neuburg.
Standen zusammen für das Projekt "Kochen ohne Grenzen am Herd": Schüler der F 12 S a und der Integrationsklasse der FOS BOS Neuburg. Bald soll das Kochbuch mit Rezepten aus Afghanistan, Äthiopien, Bosnien, Eritrea, Griechenland, Kroatien und Syrien fertig sein.
Büchl
Neuburg
Sie befassten sich im Unterricht mit Themen wie Flucht und Asyl sowie zivilgesellschaftlichen Engagement. So entstand die Idee zum Projekt "Kochen ohne Grenzen", mit dem sie nun auch am Bundeswettbewerb zur Entwicklungspolitik unter dem Motto "Sie weltbewegend! Verantwortungsvoll handeln - miteinander gestalten" teilnehmen. Dabei soll die Kultur der jungen Menschen aus Afghanistan, Äthiopien, Bosnien, Eritrea, Griechenland, Kroatien und Syrien in Mittelpunkt stehen.

Wie lässt sich am leichtesten etwas über fremden Kulturen erfahren? Natürlich durch Essen! Schnell war der Plan gefasst, gemeinsam mit der Integrationsklasse zu kochen und aus den Rezepten ein internationales Kochbuch zu erstellen. Der Kontakt ließ sich leicht über die Sozialkundelehrerin Marion Büchl herstellen, die die jungen Migranten ebenfalls unterrichtet. Die zeigten sich begeistert von dem Plan und begannen gleich, Pläne zu schmieden.

In gemeinsamen Stunden am Dienstagnachmittag lernten sich die Schülerinnen und Schüler der beiden Klassen näher kennen. Es bildeten sich vier klassenübergreifende Ländergruppen, die jeweils drei Gänge kochen wollten: Afghanistan, Äthiopien-Eritrea, Bosnien-Kroatien-Griechenland und Syrien. Daneben war die 12 S a auch noch mit der Konzept des Kochbuchs beschäftigt. Dafür wurden Schüler aus der Integrationsklasse interviewt. Sie berichteten über ihre Erfahrungen in Deutschland und aus ihrer Heimat, über ihre deutschen Lieblingsspeisen und Gerichte, die sie an Zuhause erinnern. Um mehr über diese Länder zu erfahren, beschäftigte sich die Berufsschulklasse in Kleingruppen intensiver mit der jeweiligen politischen Situation und den Gründen für die Flucht der jungen Menschen.

Nach wochenlangen Vorbereitungen - unter anderem fand zur Finanzierung des Vorhabens ein Kuchenverkauf statt und es gab eine Fotosession für das Kochbuch - begann schließlich in der Küche der Berufsschule der etwas andere Sozialkundeunterricht: Kochen ohne Grenzen. Die beiden Klassen waren gespannt auf den Vormittag und das Kochen. Das anfängliche Chaos legte sich bald und die vier verschiedenen Gruppen begannen ihre Gerichte vorzubereiten. Durch das gemeinsame Arbeiten kamen sie die jungen Leute schnell näher. Zweimal mussten die Einkäufe noch aufgestockt werden, weil wichtige Zutaten fehlten, aber schließlich war alles vorhanden. Es gab ein buntes Sprachengewirr, aber die Verständigung klappte mühelos. Gemeinsam wurde geschnippelt, gebraten, gebacken und gelacht.

Drei Stunden später war das große Essen endlich fertig. In dem voll besetzten Raum, der vorher von einer Gruppe dekoriert worden war, wurde das Buffet eröffnet. Als Vorspeise wurde unter anderem Kabuli, (Reis mit Rosinen und Karotten) aus Afghanistan, Tabouleh, ein Salat aus Syrien, und das eritreische Fladenbrot Injera serviert. Unterschiedliche Gerichte mit Fleisch, wie Börek, das sind gefüllte Blätterteigteilchen aus Kroatien, syrische Kbabhendi - Hackfleischröllchen mit Mandeln und Tomaten - sowie Alcha, ein scharfer Gemüseeintopf mit Kartoffeln, Karotten und Tomaten aus Eritrea, bildeten die Hauptspeisen. Zusätzlich gab es noch Dessert: syrische Kateif, (mit Walnüssen und Kokosraspeln gefüllte Hefepfannkuchen), Ferine - ein afghanischer Mandelpudding - und den griechischen Grießauflauf Galaktoburiko. Schnell bildeten sich lange Schlangen, denn mittlerweile hatten sich auch Gäste eingefunden: Schulleiter Fritz Füßl, Lehrer der FOS-BOS und der Berufsschule sowie Schüler und Schülerinnen. Die anfänglichen Sorgen der Köchinnen und Köche, dass das Essen womöglich nicht für alle reichen könnte, waren schnell verflogen. Es wurde jeder satt. Das Essen wurde sehr gelobt und es war für jeden Geschmack etwas dabei.

So ging ein arbeitsreicher aber auch sehr lustiger Vormittag, zu Ende, bei dem sich die jungen Leute aus den verschiedensten Ländern der Welt näherkamen. Jetzt müssen nur noch der Beitrag für den Schülerwettbewerb und das Kochbuch fertiggestellt werden. Das Buch soll dann über die FOS-BOS Neuburg erhältlich sein.

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