Jüdisches Leben in Franken
Spuren jüdischen Lebens in Georgensgmünd

Heimatkundliche Lehrerfortbildung zum Thema Judentum führt auf alten Friedhof

21.11.2023 | Stand 21.11.2023, 13:52 Uhr |

Die Teilnehmer an der Lehrerfortbildung vor einer der Tafeln zur Erläuterung der jüdischen Totenwege. Wenn nicht die hebräische Aufschrift wäre, würde sich der modernere Teil des jüdischen Friedhofs nicht von einem christlichen unterscheiden. Foto: Müller

Sehr anschaulich ist die dritte und letzte Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer im Bereich Heimatkunde verlaufen. Sie begann am Gmünder Marktplatz und von hier waren es nur wenige Schritte zur ehemaligen Synagoge, die Shoshana Sauerbier-Tietz von der Gemeinde Georgensgmünd aufsperrte.

Von außen sei sie an der Wölbung in der Ostwand zu erkennen, die die Stelle anzeige, an der innen in einer Nische die Tora-Rollen aufbewahrt wurden, sagte Sauerbier-Tietz. Sie erläuterte die Unterschiede zu einer christlichen Kirche: Frauen durften nur auf den Frauenemporen Platz nehmen.

Die Lehrkräfte bewunderten die historischen Wandmalereien des jüdischen Wandermalers Elieser Sussmann aus Polen. Nachdem alle hinunter in die alte Mikwe, das Ritualbad, gestiegen waren und den wieder aufgefundenen Gmünder Tora-Vorhang bewundert hatten, ging es zum jüdischen Friedhof. Er war am Ende des 16. Jahrhunderts angelegt worden, erklärte Sauerbier-Tietz. Dann sperrte sie das Tahara-Haus auf, in dem die Toten vor der Bestattung gewaschen wurden. Auch hierfür musste wie bei der Mikwe lebendiges Wasser, also kein geschöpftes, abgestandenes, vorhanden sein, wie der tiefe Brunnen im Raum zeigt.

Dann besuchte man den ältesten bekannten Grabstein von 1594 und stellte fest, dass auf den Steinen außer der – für uns nicht lesbaren – Inschrift auf hebräisch zudem verschiedene Symbole eingemeißelt sind. Segnende Priesterhände beispielsweise zeigen an, dass ein Kohén bestattet ist, ein Mann aus priesterlichem Geschlecht und Nachfahre Aarons. Beschneidungsmesser und Salbgefäß kennzeichnen das Grab eines Mohels, eines Beschneiders.

Neuere und ältere Grabsteine, jüdische und deutsche Texte

Wie sich die neueren von den älteren Grabsteinen unterscheiden, zeigten Shoshana Sauerbier-Tietz und Kreisheimatpflegerin Eva Schultheiß auf: Da die Steine für Juden meist von den gleichen Steinmetzen wie die für die Christen gefertigt wurden, übernahm man auch beispielsweise die Steinarten, die Christen vorzogen, beispielsweise statt einfacher Sandsteine dunkle, auch glänzende Steine und auch nicht mehr nur einfache rechteckige Platten, sondern auch Gräber mit Aufsätzen oder Säulen. Mit der Zeit verwendete man zusätzlich deutsche Buchstaben für die Namen oder auch deutsche Texte.

Und warum es hier so viele Grabsteine gibt, erfuhren die Lehrkräfte auch: „Dieser Friedhof war ein Verbandsfriedhof für die Gemeinden Schwabach, Roth, Windsbach, Thalmässing (bis 1832) und natürlich für Georgensgmünd selber“, informierte die Georgensgmünderin. Wie umständlich es war, die Verstorbenen innerhalb eines Tages – so die jüdische Bestattungsvorschrift – zum Friedhof zu bringen, zeigte die Heimatpflegerin anhand der fünf Judenweg-Infotafeln auf, die im Rahmen des Kooperationsprojekts „Tachles“ entstanden waren. Sie wurden jeweils dort aufgestellt, wo die Totenzüge nach Georgensgmünd kamen.

Totenzüge waren ein schwieriges Unterfangen

Es war nicht einfach, die Toten teilweise rund 20 Kilometer zum Friedhof zu bringen und dabei die fürstbischöflichen oder Pfalz-Neuburger Zollstationen zu umgehen, denn für einen toten Juden hätte man hohe Zollgebühren bezahlen müssen, viel mehr als für einen lebenden. Diese Gebühren wollte man sich natürlich sparen und wählte Wege nahe der Grenze durch den Wald, bis man wieder markgräfliches Gebiet erreicht hatte. Dass dies so verzwickt war, erkannten die Lehrerinnen und Lehrer anhand einer Karte, in der die verschiedenen Herrschaftsgebiete markiert waren: markgräfliches Land wie um Thalmässing, Roth oder Schwabach, Orte, die zum Hochstift Eichstätt gehörten wie Greding, Spalt und Abenberg und die drei Pfalz-Neuburger Ämter Allersberg, Heideck und Hilpoltstein, in denen sich keine Juden niederlassen durften. Nicht einfach war es also für die Juden, ihre Glaubensvorschriften einzuhalten.

HK