Dorferneuerung kommt voran
Eysölden entwickelt seine neue Mitte

Bürger reden bei Gestaltung des Marktplatzes mit

28.11.2023 | Stand 29.11.2023, 10:58 Uhr

Spannende Ideen für den Marktplatz in Eysölden stellen Johannes Mailinger und Sabrina Zombek den Bürgern vor. Foto: Bubenberger

Dem Marktplatz in Eysölden steht eine fundamentale Umgestaltung bevor. Sie soll allerdings derart gestaltet werden, dass es für das Kirchweihfest, wenn viel freier Raum benötigt wird, keine Einschränkungen gibt. Unter anderem diese Planung ist Thema bei einem Bürgerabend im Schützenhaus gewesen, bei der die Zwischenergebnisse der Planung der Dorferneuerung in Eysölden vorgestellt wurden.

Die beauftragten Planungsbüros Kattinger & Kattinger sowie Rösch haben Ideen und Vorschläge für die Gestaltung des Markplatzes und des Platzes gegenüber der Kirche und dem ehemaligen Anwesen von Hans Wießmeier entwickelt. Über diese war bereits in mehreren Sitzungen der Planer mit dem Vorstand der Teilnehmerversammlung diskutiert worden; die Eysöldener bekamen jetzt beim Bürgerabend daher schon einen weit fortgeschrittenen Stand präsentiert. Änderung seien aber jederzeit noch möglich.

Der Ortssprecher und stellvertretende Bürgermeister Michael Kreichauf (CSU) verglich das Dorferneuerungsverfahren in seiner Ansprache mit einem Marathonlauf. „Es ist nicht nur ein Marathon, sondern ein Ultra-Marathon“, setzte Bürgermeister Johannes Mailinger (CSU) noch eins darauf. Schließlich sei der ursprüngliche Antrag auf Dorferneuerung im November 2003 gestellt worden, also vor 20 Jahren. Erst 2017 begannen dann erste Schritte für ein Verfahren für Eysölden und Pyras.

Barrierefreies Wohnen wird immer wichtiger

Zum Einstieg stellte die Architektin Sabrina Zombek vom Planungsbüro Rösch Vorschläge für eine bauliche Nutzung des früheren Anwesens von Hans Wießmeier vor. Die Gemeinde hatte das baufällige Haus und die Stallungen bereits vor längerer Zeit gekauft und im Mai 2022 abbrechen lassen. Momentan ist das Grundstück neben der früheren Raiffeisen-Halle am Ortsausgang Richtung Offenbau sozusagen eine Wiese.

Angesichts der Überalterung der Bevölkerung lag der Schwerpunkt der Überlegungen von Sabrina Zombek bei Konzepten für barrierefreies Wohnen mit Grundrissen von 50 bis 60 Quadratmetern je Wohnung. Diese Wohnungen wurden in Gebäuden mit drei unterschiedlichen Varianten unterbracht. Bei der einfachsten Variante ging Zombek von vier gleich großen Baukörpern aus, die mit unterschiedlichen Grundrissen genutzt werden könnten. Zusätzlich wäre direkt an der Straße die Bebauung mit je zwei Zweifamilienhäusern vorgesehen. Die Baukosten dieser Variante schätzte sie auf 8,5 Millionen Euro. Als weitere Varianten präsentierte sie Gebäude mit höherer Barrierefreiheit und eine Variante mit einem „hochwertigen Solitärbaukörper“, also einem größeren Einzelgebäude. Veranschlagte Kosten: jeweils über zehn Millionen Euro. „Wer macht’s?“ fragte sie abschließend. In Frage kämen Investoren oder es werde eine kommunalen Gesellschaft gegründet.

Christoph Kalender vom Amt für ländliche Entwicklung (ALE) leitete anschließend auf die Neugestaltung des Marktplatzes und der Straße ums Schloss über. Schon im November 2022 konnten Bürger aus Eysölden bei einer Veranstaltung am MarktplatzIdeen im Gespräch mit den Planerinnen einbringen. Unter anderem diese waren danach in Entwürfe eingeflossen, die Julia und Margit Kattinger präsentierten.

Die Grundidee der Entwürfe ist die Teilung des Marktplatzes durch ein multifunktionelles Gebäude, welches sowohl als Bushäuschen als auch als Ausschank für Veranstaltungen verwendet werden kann. Die westliche Hälfte des Marktplatzes soll mit einem 16 Zentimeter hohen Randstein eingefasst werden und einen barrierefreien Zustieg in die Schul- und Linienbusse ermöglichen.

Im östlichen Teil wird der Platz mit Schotterrasen und Bäumen eingegrünt, es entsteht eine Parkfläche. Sitzflächen werden wegen der Kirchweih demontierbar gestaltet und der Standort des Kirchweihbaums wird nach Westen verschoben. Dadurch entsteht eine Tanzfläche mit einem Radius von sechs Metern. Die Fläche östlich des Gebäudes wird so groß, dass auch weiterhin ein Autoscooter aufgestellt werden kann. Im ehemaligen Feuerwehrhaus sollen eine öffentliche Toilette sowie ein Wasser- und Stromanschluss untergebracht werden.

Für Kneipp-Becken reicht Wassermenge kaum aus

Das bisherige Bushäuschen und die Infotafeln werden entfernt und der Zugang zum angrenzenden Bach mit einem barrierefreien Fußweg auf der Ostseite und einer Treppe an der Westseite des Marktplatzes ermöglicht. Auf Grund der geringen Wasserführung wurde im Entwurf auf ein Kneipp-Becken verzichtet.

Eine weiterer Schwerpunkt bildete die Neugestaltung des früheren Anwesens von August Struller in Eysölden G1, östlich der Kirche. Das Anwesen wird abgebrochen und die bisherige Engstelle der Kreisstraße nach Stauf beseitigt. Durch den Abbruch der Gebäude entsteht nach Ansicht von Julia Kattinger ein „unglaublich großer Raum, den es zu gestalten gilt“. Eine der Ideen war eine baumbewachsenen Platz mit einem Friedensdenkmal, Gartenlaube und einem vorhandenen Gewölbekeller, der sich auf dem Grundstück befindet. Der Gewölbekeller könnte „spirituell“ als Meditationsraum am Jakobsweg oder als Schnapsbrennerei für den zukünftig benachbarten Obst- und Gartenbauverein genutzt werden. Alternativ ist auch eine Nutzung durch den benachbarten Kindergarten denkbar. „Es wäre hilfreich, wenn jetzt Impulse kommen“ , so Kattinger abschließend.

Die Entwürfe werden für alle Bürger öffentlich in der Eysöldener Filiale der Raiffeisenbank zugänglich gemacht. Ideen für die weitere Nutzung können direkt mit den Vorstandsmitgliedern Dorferneuerung, der Gemeindeverwaltung oder Mitgliedern des Marktgemeinderats besprochen werden.

HK