Roth

Endlich wieder „Manege frei“ nach fast zwei Jahren Wartezeit

Mit dem Gastspiel über den Jahreswechsel in Roth endet für den Circus Renz eine lange Leidenszeit

05.01.2022 | Stand 17.01.2022, 14:27 Uhr

Die Zeit des langen Wartens ist vorbei: Als wagemutige Seilakrobatin darf Loredana Renz unter dem Zeltdach ebenso wieder ihre Kunststücke zeigen wie ihre Schwägerin Melina oder der Artist Giovanni auf dem Boden des Zirkuszelts. Fotos: Tschapka



Dabei war es lange Zeit gar nicht sicher, ob die Zirkusfamilie angesichts der angespannten pandemischen Lage überhaupt über den Jahreswechsel in Roth auftreten darf. Doch die Stadt und das Gesundheitsamt Roth/Schwabach gaben schließlich grünes Licht für die erste Vorstellung am 17. Dezember. Passend zur Jahreszeit präsentiert der Circus Renz einen Weihnachtszirkus nicht nur mit Artisten, Tieren, Clownerie und Jonglage, sondern auch mit Weihnachtsliedern, Glühwein und der Figur eines riesigen Weihnachtsmanns, der das Geschehen vom Rand der Manege betrachtet.

„Wir sind sehr dankbar, dass es doch noch geklappt hat“, sagt Francesco Renz, der gemeinsam mit seinem Bruder Antonio den Zirkus erst vor kurzem von den Eltern übernommen hatte. Antonio führt unter anderem als Zirkusdirektor durch die Vorstellung, Francesco tritt als Clown in Erscheinung. „Das Programm stand und die Plakate waren längst gedruckt, die hätten wir alle wegwerfen können, wenn wir nicht hätten auftreten dürfen.“

Damit es „Manege frei“ heißen kann, gibt es aber strenge Auflagen. Es gilt die 2G-plus-Regelung, beim Eintreten und beim Verlassen des Zirkuszelts müssen FFP2-Masken getragen werden, und statt der 800 Personen, die eigentlich in das beheizte Zelt passen, darf maximal nur ein Viertel hinein. „Aber die Leute sind sehr interessiert und kommen zahlreich, wir sind positiv überrascht und auch sehr glücklich darüber“, sagt Francesco, laut dem der Herbst und der Winter üblicherweise „die beste Zirkuszeit“ sind. Allerdings steht den ganzen Tag das Zirkus-Handy nicht still.

„Alle sind ziemlich verunsichert“, sagt Loridana Renz, die Ehefrau von Antonio. „Sie sehen zwar unsere Plakate, aber rufen uns an, ob wir auch wirklich auftreten – und unter welchen Auflagen“. Loridana ist erst seit zwei Jahren beim Circus Renz dabei, aber stammt ebenfalls aus einer Zirkusfamilie. Während der Vorstellung lernt man sie als wagemutige Seilakrobatin kennen, die knapp unter dem Zeltdach ihre Kunststücke macht.

Die Vierte im Bunde bei der Zirkusfamilie Renz ist Francescos Frau Melina die nicht nur an der Kasse sitzt, sondern ebenfalls als Artistin durch das Luft schwingt oder eine spektakuläre Tauben-Nummer präsentiert, bei der sie die Vögel durch Reifen fliegen oder auf Bällen tanzen lässt.

Komplettiert wird der kleine Zirkus vom Artisten Giovanni, der nicht nur jongliert und balanciert (teilweise sogar gleichzeitig), sondern auch gemeinsam mit dem Zirkushund verschiedene Kunststücke in der Manege präsentiert. Neben dem Hund und den Tauben haben auch noch das Pferd „Aragon" und das Pony „Däumling“ ihre Auftritte. In der Pause der zweistündigen Show dürfen die Kinder dann auf dem Pony eine kleine Runde durch die Manege drehen.

Der Weihnachtszirkus in Roth ist für die Familie Renz eine echte Premiere, denn es ist das erste Mal seit dem Ausbruch der Pandemie, dass sie wieder auf Tour gehen. „Davor waren wir das ganze Jahr unterwegs und waren immer da zu Hause, wo wir uns gerade befanden“, sagt Francesco. „Aber mit der Pandemie wurden die Auflagen so streng, dass sich das Auftreten nicht gelohnt hätte – auch angesichts der hohen Spritkosten.“ Die Staatshilfen, die auch für Zirkusse geschnürt wurden, habe man vorsichtshalber nicht beantragt. „Davon wurde uns abgeraten, weil es gut sein kann, dass wir das alles zurückzahlen müssen“, erklärte Antonio. Deshalb habe man sich bis jetzt „im Prinzip nur mit Spenden über Wasser halten können“, sagt er.

Über fast zwei Jahre stand der Zirkus in Augsburg – ohne auch nur ein einziges Mal auftreten zu können. Stattdessen haben man das Zelt und die Ausrüstung gewartet und das Weihnachtsprogramm einstudiert. „Etwas kleiner als üblich, mit weniger Tieren und geringeren Aufwand, aber trotzdem attraktiv“, sagt Antonio.

Wie es nach dem Gastspiel in Roth weitergeht, wisse man allerdings noch nicht. „Wir werden wohl noch zwei Wochen hier bleiben, aber wohin dann die Reise geht, steht noch in den Sternen“, so Francesco.

Obwohl die Pandemie das Zirkusleben zu einem regelrechten Drahtseilakt macht, und das auch noch ausgerechnet mitten im Generationswechsel, ist der Circus Renz guter Dinge, dass die Tradition des 1842 in Berlin gegründeten Familienunternehmens, aus dem im Lauf der Zeit gleich mehrere „Circus Renz“ hervorgegangen sind, fortgesetzt werden kann. Die Vorstellungen in Roth finden an diesem Donnerstag, Freitag und Samstag jeweils um 16 Uhr in der Belmbracher Straße (Nähe Schulzentrum) statt. Die Abschlussvorstellung am Sonntag, 9. Januar, beginnt bereits um 14 Uhr. Der Kartenvorverkauf läuf täglich zwischen 10 und 12 Uhr und weitere Informationen gibt es unter der Telefonnummer (0177) 5660178.

tis