Wolnzach

Ein hoheitlicher Saisonjob – mit Hohlbohrer und Plastiktüte

Probenzieher und Zertifizierer als feste Säule der Hallertauer Hopfenqualität sind sehr gefragt

10.08.2022 | Stand 10.08.2022, 14:15 Uhr

Mit dem Hohlbohrer werden die Hopfenmuster gezogen. Foto: Hopfenring

Von Karin Trouboukis

Wolnzach – Sie haben während der Hopfenernte Hochsaison, sind gefragt und als Exekutive einer hoheitlichen Tätigkeit durchaus angesehen. Sie tragen wesentlich zur hohen Qualität des Hallertauer Hopfens einerseits wie andererseits zur lückenlosen Rückverfolgung des Hopfens vom Käufer bis zum Landwirt bei. Und sie sind heuer Mangelware: Der Hopfenring als vom Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung beauftragte Zertifizierungsstelle sucht händeringend Bewerber für eine aus vielerlei Sicht ganz besondere Saisonarbeit: die des Hopfenproben-Ziehers.

Krack. Es knirscht, wenn der Hopfenproben-Zieher seinen Hohlbohrer auf den von ihm ausgewählten Rechteckballen ansetzt und mit einer Drehung die Ballotfasern durchschneidet. Bis zum Anschlag drückt er das Werkzeug hinein, der Duft des frisch gepressten Hopfens strömt in seine Nase. Mit einer Drehung füllt sich der Bohrer, die Hopfenprobe kommt in vorbereitete Klarsichtbeutel.

Jeden siebten Ballen pro Partie untersucht er auf diese Weise, die gesammelten Beutel wandern dann in einen größeren Sammelsack, werden mit allen wichtigen Daten – wie Sorte, Ballennummer des Sackes, Herkunftsbestätigung, Waagschein – versehen. 10 DE steht auf den Hallertauer Proben. „10 DE, das sind wir“, sagt Lukas Raith, Geschäftsführer des Hopfenrings. 10 DE ist gleichbedeutend mit der Zertifizierungsstelle Hopfenring. „Damit“, so Raith weiter, „kann jeder Käufer weltweit nachvollziehen, aus welchem Betrieb sein Hopfen kommt.“

Das Zertifizierungssystem im Hopfen ist so alt wie die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichende Hopfensiegelung – und damit laut Raith „das wohl älteste Rückverfolgungssystem bei Lebensmitteln, das es gibt“. Wobei der technische Fortschritt dieses bewährte System noch besser und mit der Zeit noch sicherer gegen Mauscheleien gemacht hat, zu denen es im Hopfengeschäft durchaus so einige heute noch am Biertisch erzählte Episoden gibt.

Wahr oder nicht wahr, das ist nicht mehr wichtig, denn: „Heute geht das alles definitiv absolut sauber zu“, sagt Alois Brummer, Ringtechniker beim Hopfenring. Er sagt das, weil auch er sich noch an frühere Zeiten erinnert. An Zeiten, an denen die Säcke noch Landballen hießen und tatsächlich aus Sackleinen bestanden. Als die Proben nicht mit einem Hohlbohrer, sondern mit einer Zange gezogen wurden und die Bewertung aufgrund der damals nicht in dem Maße vorhandenen Möglichkeiten mehr oder weniger nach Augenschein verlief. Heute sind die Voraussetzungen anders und mit Einführung der Neutralen Qualitätsfeststellung Ende der 1990er Jahre – mit genauen Kriterien durch eben eine neutrale Stelle – immer gleich. Wie mit den Hopfenmustern, die der Probenzieher nimmt.

Verplombt und versiegelt werden sie von einem Kurierdienst ins Labor gebracht und untersucht: ob Siegel und Plomben unversehrt sind, ob alle Angaben zusammenpassen. Erst dann wird bonitiert – nach Krankheitsbefall, Farbe, Geruch, Sortenreinheit, Wassergehalt, nach Stengel- oder Blätteranteil. Sollte eine Probe die Mindestanforderungen nicht erfüllen, wird nicht zertifiziert – und ohne Zertifizierung darf der Hopfen nicht in den Verkehr gebracht werden. Hallertauer Hopfen steht für beste Qualität – auf lange Sicht. Denn Waagschein, Siegelurkunde und Herkunftsbestätigung werden beim Hopfenring eingelagert, damit eine Nachverfolgung auch noch nach Jahren möglich ist.

WZ