Breitenbrunn
Breitenbrunner Haberer machen zum Faschingsfinale Schluss mit lustig

14.02.2024 | Stand 14.02.2024, 17:00 Uhr |

Mit Ruß geschwärzten Gesichtern sind die Haberer durch Breitenbrunn gezogen. Fotos: Sturm

Das Haberfeldtreiben am Faschingsdienstag ist der letzte Höhepunkt des Breitenbrunner Faschings gewesen. Pünktlich nach dem 15-Uhr-Läuten kam die wilde Schar der Haberer vor dem Haus des Gastes zusammen, um schonungslos den Dorftratsch zu verkünden, der sich in der zurückliegenden Zeit über so manchen Bürger beziehungsweise über manche Bürgerin ergossen hat. Auch die hohe Politik verschonten die finsteren Gesellen nicht.

Früher war das Haberfeldtreiben gar nicht lustig. Begleitet von ohrenbetäubendem Krawall hielten die Bauern Gericht über Außenseiter. Ledige Mütter, betrügerische Händler, Bierpantscher, arglistige Beamte und sündige Priester wurden an den Pranger gestellt. Der Faschingsverein Breitenbrunn hat diesen alten Brauch in die heutige Zeit hinüber gerettet und sozusagen neu erfunden. Unter dem Lärm von Waschbrettern, Blecheimern, Ratschen, Kochtöpfen und sonstigem Gerät zogen die rußgeschwärzten Haberer, angeführt von ihrem Meister Mathias Habermann, mit Federn und Zweigen an den Hüten zum Marktplatz. Habermann schwor seine Mitstreiter auf das Treiben ein.

Zunächst beschäftigten sich die Haberer kritisch mit der großen Politik in Berlin. „Ich will ja nicht sagen, dass unsere Regierung an allem schuld ist und nichts tut, doch wenn soviel falsch, schlecht und unehrlich gemacht wird, braucht man sich nicht wundern, dass die Leute das nicht mehr ertragen und beklagen“, rief der Haberermeister den vielen Schaulustigen zu. Der Wirtschaftsminister müsse, wenn er so weiter hantiere, sein Ministerium demnächst in Entwicklungsministerium umbenennen, hieß es. Und über den Kanzler könne man auch schimpfen, „aber schon morgen wird er sich nicht mehr daran erinnern können“.

Der Finanzminister klebe fest auf seinem Stuhl und bringe auch nichts weiter. „Aber wenn die Persönlichkeit im Amt wichtiger ist als das Land, dann ist die Vernunft schnell verbrannt.“ Das alles rechtfertigt nach den Worten der Haberer aber noch lange nicht, eine rechtsradikal positionierte Partei zu wählen. Auch die Kirchen bekamen den Spott der Haberer zu spüren. „Die verlieren immer mehr an Gewicht und schaffen den Absprung nicht“, hieß es. Aber die Kirche bestehe nicht aus den Bischöfen in ihren Palästen, sondern aus den Menschen in den Messen. Auf die Frage ihres Meisters „Is des wahr?“ erklang es vielstimmig und laut: „Ja, wahr is.“

Als Nächstes ergoss sich der Spott der finsteren Burschen über verschiedene Zeitgenossen. Zum Beispiel über die Darstellerin der Gräfin Montfort, die beim Tillyfest den Kirchenzug verschlief. Oder über die fünf Rascher Frauen, die am Black Friday einen Ausflug zum Shoppen nach Herzogenaurach gemacht und so viel eingekauft hatten, dass bei der Heimfahrt das Auto einen Fehler anzeigte. „Die hatten anscheinend so viel eingeladen, dass die Elektronik fehlenden Reifendruck vermeldete.“ Weiter ging es mit lustigen Anekdoten: von einem Hofnarren, der im Faschingstrubel seinen Hausschlüssel nicht mehr finden konnte, von einer Gardedame, die zu einem Auftritt statt ihres Show-Kostüms die Garde-Uniform mitgenommen hatte, oder von einem Zeitgenossen, der vor lauter Heißhunger nachts Frühlingsrollen in den Backofen schob. „Blöd nur, dass die süß-saure Sauce auch in der Plastikverpackung steckte und mit verbrannte.“ Und schließlich war da noch eine Frau von auswärts, die am Faschingssonntag von ihrem Mann in Breitenbrunn abgeholt werden wollte. Während sie bei der Brücke neben dem Bruckschmied wartete, fuhr ihr Mann nach Dietfurt.

swp