Zwischen Latzhose und Dirndl

Abensberger Gillamoos-Königin lernt im Riedenburger Brauhaus

23.09.2022 | Stand 23.09.2022, 21:53 Uhr

Katharina Neumaier repräsentiert mit Vize-Königin Nicole Kallmünzer (rechts) die Stadt Abensberg. Fotos: Erl/Holzhäuser

Mit buntem Blütendiadem im Haar, feschem Dirndl und schicken Pumps an den Füßen kennt wohl jeder im Umkreis von Abensberg (Landkreis Kelheim) die neue Dirndlkönigin Katharina Neumaier. Als sie vor drei Wochen zur 50. Gillamoos-Dirndlkönigin gewählt worden war, stand sie mit ihrem strahlenden Lächeln im Scheinwerferlicht der Fotografen.



Nur kurz nach diesem Medienrummel hängt das Dirndl wieder im Schrank und „Kathi“, wie sie von den Kollegen und ihrem Chef genannt wird, verbringt ihren Arbeitstag ganz leger in einer Latzhose und die Haare sind praktischerweise zum Pferdeschwanz gebunden. Ebenso selbstverständlich hüpft sie aus den Stöckelschuhen raus und schlüpft rein in die Gummistiefel. „Das ist ein sehr bequemes Schuhwerk, da kann man sich nicht viele Blasen laufen“, scherzt sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Lesen Sie auch: Nach Gillamoos: Inzidenz im Landkreis Kelheim über 1000

Diese Erfahrung hat sie gemacht, denn am Gillamoos-Freitag holte sie sich im hübschen Outfit gleich zwei schmerzhafte Blasen mit den hohen Absätzen. Gummistiefel und Latzhose sind weit bequemer und ohnehin das typische Outfit für ihr Handwerk, denn Katharina Neumaier lernt schon im zweiten Lehrjahr Brauerin und Mälzerin beim Riedenburger Brauhaus. „Bei dieser Arbeit gibt es keine Eitelkeiten, da darf ich nass und dreckig werden. Da brauche ich keine Krone zur Latzhose. Aber auf der Bühne möchte ich natürlich hübsch aussehen“, hebt sie die Vorzüge ihrer Arbeitskleidung hervor. Es war anfangs nicht einfach, passende Latzhosen für die nur 1,60 Meter große junge Dame zu finden. „Da kürzen wir jetzt einfach die Beinlänge“, verrät sie.

„Als Brauer ist man den ganzen Tag auf den Beinen und in der Freizeit spiele ich Fußball“

Die 20-jährige Abiturientin hat sich bewusst für diesen anstrengenden und männerdominierten Beruf entschieden, denn schließlich stammt sie aus der Abensberger Otten-Brauerei. Der Ottenbräu wurde erstmals im Jahr 1609 erwähnt und wenn sie die Brauerei einmal übernimmt, führt sie den Betrieb in der achten Generation ihrer Familie. Kein Wunder, dass Bier ihr Lieblingsgetränk ist und sie Bier als Ergebnis guter Handwerkskunst schätzt.

Wie sie es dennoch schafft, so schlank und adrett zu bleiben, ist für Kathi klar. „Als Brauer ist man den ganzen Tag auf den Beinen und in der Freizeit spiele ich Fußball“, verrät sie. Wer die Dirndlkönigin an ihrem Arbeitsplatz erlebt, versteht, was sie meint. Ständig ist sie in der feuchtwarmen Atmosphäre des Sudhauses treppauf und treppab unterwegs, prüft die Würze in den Sudkesseln und kontrolliert die Temperaturen. „Bier – da steckt schon mehr dahinter und es ist schön, wenn man am Ende sieht, was aus dieser Arbeit entsteht“, sagt sie mit ansteckender Begeisterung in ihren strahlend grünen Augen. In ihrem zweiten Lehrjahr braut sie den Sud bereits eigenverantwortlich.

Doch auch wenn manche Nächte bei ihren Verpflichtungen als Dirndlkönigin lang werden und sie spät ins Bett kommt, hat die Berufsausbildung Vorrang. „Ich genieße diese Abende. Aber irgendwas muss dabei kürzertreten – und das ist eben der Schlaf, denn die Arbeit muss nicht darunter leiden“, erzählt sie blinzelnd. Obendrein kann Kathi ihre Arbeitsschicht mit den Auftrittsterminen abstimmen. Wenn sie die zweite Schicht übernimmt und ausschlafen kann, bleibt sie dann schon mal bis Mitternacht beim Sieden im Brauhaus.

„Manchmal werde ich da als Frau Königin angesprochen“

Die beiden so unterschiedlichen Welten und der Wechsel von Dirndl zu Latzhose sind für sie kein Problem. „Ich verändere mich nicht bei den Auftritten und ich bleibe in der Latzhose dieselbe, nur ohne Krönchen, Schminke und Dirndl“, versichert sie. Natürlich hat es ein paar Tage gedauert, bis ihr so richtig bewusst geworden war, nun für ein Jahr die Repräsentantin des Gillamoos und von Abensberg zu sein. Das Krönchen zu bekommen war ein Jugendtraum von ihr und sie genießt alle Termine – von der Einladung zum Törggelen in Südtirol bis zu den Volksfesten in der Region – zusammen mit ihrer Vize-Regentin Nicole Kallmünzer. Einen persönlichen König an ihrer Seite gibt es aber noch nicht. „Manchmal werde ich da als Frau Königin angesprochen“, berichtet die Gillamoos-Regentin schmunzelnd.

Auch für ihren Chef Maximilian Krieger ist es die erste Königin, die diese Ausbildung macht – aber nicht die erste Frau in dem Handwerk. „Kathi wird nicht geschont und macht diese körperlich anstrengende Arbeit wie jeder andere. Aber sie schlägt sich sehr gut und arbeitet überaus sorgfältig“, sagt er. „Wir hatten selten einen Lehrling, dem man so viel Verantwortung übertragen kann“, setzt Krieger noch ein dickes Lob drauf.

DK