Riedenburg

Solarpark in Betrieb genommen: Nun wird Sonnenstrom geerntet

Solarpark im Riedenburger Ortsteil Harlanden offiziell in Betrieb genommen

28.06.2022 | Stand 29.06.2022, 15:28 Uhr

Mit einem symbolischen Knopfdruck wurde der Solarpark in Harlanden „eingeschaltet“: Projektleiter Florian Riedel (v.l.), Geschäftsführer Mathias Schelter, Bürgermeister Thomas Zehetbauer, Werner Engelhardt, Aufsichtsrat der Fronteris Gruppe, und Geschäftsführer Marcus Vilsmeier. Fotos: Ehrlich

Mit einem symbolischen Druck auf einen großen roten Knopf ist am Dienstag der Solarpark im Riedenburger Ortsteil Harlanden offiziell in Betrieb genommen worden.



Tatsächlich speist die auf 15 Hektar Fläche erbaute Anlage bereits seit einigen Tagen Strom in das Netz ein, bis zu 14000 Personen werden so versorgt. Insgesamt wurden fast 14 Millionen Euro investiert. So ließen es sich die Organisatoren nicht nehmen, die Vollendung des Projekts ein wenig zu feiern. Bislang verfügte Riedenburg nur in Frauenberghausen über eine Freiflächen-PV-Anlage. Zwei weitere Projekte in Baiersdorf und erneut in Frauenberghausen sind aber in der Planung.

Bürgermeister Thomas Zehetbauer (CWG) bezeichnete die Energiewende als Herausforderung für die gesamte Gesellschaft, jeden einzelnen Bürger und die Kommunen. „Das Atomzeitalter ist vorbei“, betonte er. Die grüne Energie werde eine immer wichtigere Rolle spielen, prophezeite er. Darin liege eine Chance für Riedenburg, wie die Anlage in Harlanden zeige. Deshalb sei er froh, dass dieser Solarpark eröffnet werde, sagte Zehetbauer.

Marcus Vilsmeier, der Geschäftsführer der Fronteris Gruppe (siehe eigenen Bericht), lobte die gute Zusammenarbeit mit der Stadt. Vilsmeier bezifferte die Stromerzeugungskapazität in Harlanden auf 18500 Kilowatt in der Spitze. Jährlich würden über 19 Millionen Kilowattstunden emissionsfreie Elektrizität produziert. Damit könne auf die Verstromung von etwa 15000 Tonnen Braunkohle verzichtet werden. Diese Menge entspricht einem Braunkohlewürfel mit einer Kantenlänge von rund 23,5 Metern. Oder es würden jährlich „rund 400000 Euro weniger in die Gaskasse des russischen Präsidenten Wladimir Putin fließen“, sagte Vilsmeier.

Unternehmen stolz auf Anlage

In Harlanden sei die größte Freiflächen-PV-Anlage entstanden, die bislang von der Firma Primus Energie (siehe eigenen Bericht) verwirklicht worden sei, berichtete Matthias Schelter, der Geschäftsführer des Unternehmens. Dabei habe man zahlreiche Hindernisse überwinden müssen. Schelter nannte in diesem Zusammenhang die Corona-Pandemie, die Kommunalwahl 2020 mit einem neuen Stadtrat, Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz und nicht zuletzt Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung. Dennoch sei es gelungen, in nur eineinhalb Jahren ein „sehr schönes Projekt“ auf die Beine zu stellen. Schelter dankte der „sehr gut aufgestellten Riedenburger Stadtverwaltung“ mit der Hauptamtsleiterin Kristina Heil an der Spitze für die hervorragende Zusammenarbeit. Man habe in Riedenburg optimale Voraussetzungen angetroffen und er hoffe auf Folgeprojekte in der Großgemeinde.

Der örtliche Projektleiter Florian Riedel erinnerte ebenfalls an die Lieferprobleme bei den Materialien. So habe man etwa 12000 Pfosten für die Modultische benötigt, die in den steinigen Juraboden gerammt worden seien. Darauf seien über 40000 Module befestigt worden. Es seien zahlreiche Wechselrichter montiert und sechs Trafostationen errichtet worden. Über 200 Kilometer Kabel wurden verlegt. Die Bauarbeiten begannen laut Riedel Ende September und seien im Januar wegen der Witterung zeitweise schwierig gewesen. Phasenweise seien bis zu 70 Mitarbeiter auf der Baustelle in Harlanden tätig gewesen.

Hochspannungsleitung führt quer über das Areal

In dem Riedenburger Ortsteil wurde Riedel mit einem ungewöhnlichen Umstand konfrontiert. Denn eine Hochspannungsleitung führt quer über das Areal der Freiflächen-PV-Anlage. Man habe darauf achten müssen, einen Mindestabstand zwischen der oberen Modulkante und den Stromleitungen einzuhalten, berichtete Riedel. Das Problem bestehe dabei darin, dass sich die Leitungen durch die Wärme im Sommer ausdehnen und folglich weiter durchhängen. Doch auch dieses physikalische Phänomen sei einberechnet worden. Andererseits habe man in nur 300 Metern Entfernung am Waldrand ein Umspannwerk vorgefunden, wodurch die sonst häufig erforderliche Verlegung einer langen Stromleitung bis zum Einspeisepunkt entfallen sei.

„Wir haben mit diesem Solarpark die Welt ein Stück nachhaltiger gemacht“, sagte Riedel. Von nun an würden hier nicht mehr Feldfrüchte, sondern Sonnenstrom geerntet.

Tatsächlich trägt die Anlage zu einer jährlichen Vermeidung von rund 8300 Tonnen Kohlendioxid bei. Als ökologische Ausgleichsfläche wurde ein zusätzliches Areal angelegt und in extensives Grünland umgewandelt. Dadurch wird für die Flora und Fauna ein zusätzlicher Rückzugsort geschaffen. Der Solarpark ermögliche zudem die Regeneration des Bodens und stelle einen wertvollen Lebensraum für Flora und Fauna dar, unter anderem für Bienen und andere Insekten. Der Bewuchs unter und zwischen den Modultischen soll von Schafen weggefressen werden. Man müsse sich hier aber auf bestimmte Rassen beschränken, die keinen Hunger auf die allgegenwärtigen Kabel unter den Solarmodulen entwickeln, berichtete Riedel.

Auch andere tierische Bewohner haben sich schon breitgemacht. So gibt es nach den Worten des Projektleiters viele Kaninchen, die bequem unter dem eigens so gebauten Zaun hindurchschlüpfen können. Für Menschen ist der Solarpark allerdings Sperrgebiet. Der Zutritt ist nicht erlaubt, was mit Bewegungsmeldern kontrolliert wird.

rat