Riedenburg

Ertragslage immer wieder gesteigert

Die Landwirtschaft war im früheren Landkreis Riedenburg ein wichtiger Wirtschaftsfaktor

22.06.2022 | Stand 22.06.2022, 15:00 Uhr

Der Landkreis Riedenburg wurde in der Zeit seines Bestehens, wie hier in den 1960er-Jahren, durch eine leistungsfähige Landwirtschaft geprägt. Fotos: Patzelt (Repros)

Von Anton Patzelt

Riedenburg – Vor 50 Jahren, am 1. Juli 1972, ist der Landkreis Riedenburg Geschichte gewesen. Das Gebiet wurde auf drei Landkreise und drei Regierungsbezirke aufgeteilt. In einem Bericht unserer Zeitung vor 50 Jahren warf der damalige Landrat Franz Lang noch einmal einen Blick zurück auf den Landkreis. In zweiten Teil der Serie zu 50 Jahre Gebietsreform wollen wir aufzeigen, was in den Bereichen Sport, Landwirtschaft, Bauwesen und Fremdenverkehr geleistet wurde.

Viel wurde damals für den Schul- und Leistungssport getan. Während im Jahr 1952 lediglich der Turnsaal der Mädchenschule St. Anna vorhanden war, befanden sich 1972 im Landkreis allein acht große Turnhallen beziehungsweise Mehrzweckhallen sowie sieben Turnsäle, die zumeist mit den für die damaligen Anforderungen gut ausgebauten Sport- und Schulsportplätzen verbunden waren.

Die modernen Warmbäder in Dietfurt und Altmannstein und das Kreishallenbad in Riedenburg waren weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt. Besonders zu erwähnen ist dabei der neu errichtete Zentralsportplatz in Riedenburg.

Der Landkreis Riedenburg wurde einst von der Landwirtschaft geprägt. Die gute Beratung und Betreuung durch das Landwirtschaftsamt und die Aufgeschlossenheit der Landwirte hatten die Ertragslage immer wieder gesteigert. Die Eigentümer der Bauernhöfe hatten den Zug der Zeit verstanden und unter Ausnutzung des „Grünen Plans“, eines landwirtschaftlichen Förderprogramms in der Nachkriegszeit, für sich und die bäuerlichen Nachkommen eine Existenzgrundlage geschaffen, die nicht einmal durch die oft ungünstigen marktwirtschaftlichen Beeinflussungen ins Wanken geriet. Kein Wunder, dass die technische Ausrüstung in der Landwirtschaft des Landkreises Riedenburg in Bayern ganz weit oben stand.

Große Leistungen wiesen der Wohnungsbau und der öffentliche Hochbau auf. Von 1952 bis zu seiner Auflösung wurden im Landkreis Riedenburg über 3000 Wohnungseinheiten und 2400 landwirtschaftliche Gebäude errichtet, die einen Gesamtwert von 256 Millionen Mark erreichten. Rechnet man die Schulhäuser, Feuerwehrhäuser und die sonstigen öffentlichen Bauten wie Krankenhäuser und Altenwohnheime noch dazu, so kam die Kostensumme von 330 Millionen Mark zusammen. „Bei einer Kreisstruktur wie der des Landkreises Riedenburg können diese Zahlen als stolze Leistung bezeichnet werden“, merkte Landrat Franz Lang bei der Kreisauflösung an.

Viel wurde auch auf dem Gebiet des Friedhofs- und Bestattungswesens geleistet. Viele Gottesäcker erfuhren einen Neubau oder eine Erweiterung. Damit verbunden war der Bau von Leichenhäusern. Waren es im Jahr 1952 nur fünf im Kreisgebiet, so wurden am 1. Juli 1972 bereits 46 gezählt.

Eine sehr erfreuliche Bilanz wies bei der Auflösung des Landkreises Riedenburg bereits der Fremdenverkehr auf. Im Jahr 1951 waren 1865 Gäste mit 11887 Übernachtungen registriert worden. 20 Jahre später besuchten bereits 48606 Gäste mit 247787 Übernachtungen den Landkreis. Die Bettenzahl hatte sich von 260 im Jahre 1952 auf 1570 im Jahr 1971 erhöht, wobei gut zwei Drittel auf Privatquartiere entfielen. Dies bedeutete auch zusätzliche Einkünfte für die Privatleute.

Diese Erfolgszahlen kamen nicht von ungefähr. Das unermüdliche Bemühen der öffentlichen und privaten Hand hatte es ermöglicht, Jahr für Jahr die Zahlen hochzuschrauben. So wurde bereits 1954 die Kreisstadt Riedenburg durch den Bayerischen Fachausschuss zum „Staatlich anerkannten Erholungsort“ aufgewertet. Es folgten 1958 die Stadt Dietfurt, die Marktgemeinde Altmannstein und später dann Prunn und Mühlbach. Und im Jahr 1969 steigerte sich Riedenburg sogar zum „Staatlich anerkannten Luftkurort“.

Jahr für Jahr schuf die Landkreisverwaltung neue öffentliche Erholungseinrichtungen, die das Altmühl- und Schambachtal zum führenden Fremdenverkehrsgebiet der gesamten Oberpfalz werden ließen. Drei Jahre vor der Gebietsreform war der Naturpark Altmühltal entstanden.

DK