Nachverdichtung nicht ohne Maß

Lob und kritische Anmerkungen im Eichstätter Bauausschuss für Wohnbauprojekte

15.07.2022 | Stand 15.07.2022, 19:00 Uhr

Wo einst das Bergcafé stand, soll am Schneebeerenweg ein viergeschossiges Mehrfamilienhaus entstehen. Manchem Mitglied des Bauausschusses erschien der geplante Baukörper allerdings zu wuchtig. Es solle nochmal nachverhandelt werden. Foto: Hager

Von Jürgen Knopp

Eichstätt – Flächensparender bauen: Diese Devise zog sich wie ein roter Faden durch die jüngste Sitzung des Eichstätter Bau- und Planungsausschusses. Demnach war das Zauberwort Nachverdichtung willkommene Prämisse bei der Mehrzahl der Bauvorhaben, die im Gremium behandelt wurden. Allerdings gab es auch durchaus kritische Anmerkungen.

Das betraf in erster Linie den geplanten Neubau eines Mehrfamilienhauses mit drei Wohneinheiten und Tiefgarage am Schneebeerenweg. Hier stand bis vor kurzem noch ein Gebäude, das in den 1950er-Jahren als Bergcafé bekannt war und danach als Wohnhaus genutzt wurde. Nun soll dort ein terrassenförmiger, viergeschossiger Baukörper mit rund 730 Quadratmetern Wohnfläche entstehen. Das hielt Dritte Bürgermeisterin Martina Edl (FW) zwar einerseits für „superpositiv“, weil Wohnraum geschaffen werde, andererseits befand sie das geplante Gebäude für „sehr, sehr groß und sehr massiv“ an dieser exponierten Stelle, die ja auch von der anderen Talseite her gut einsehbar sei. Willi Reinbold (ÖDP) sprach von einem „Riesenobjekt, das ins Tal hineinplatzt“ und den Eindruck vermittle: „Hier bin ich, hier hab’ ich meine Burg.“ Stadtbaumeister Jens Schütte, der das Vorhaben angesichts des großen Grundstücks in seiner Verhältnismäßigkeit als verträglich einstufte, wurde aufgefordert, nochmal mit Bauherrin und Architekt über „eine sanftere und geschmeidigere Gestaltung“ zu sprechen.

Um Gestaltung ging es auch beim geplanten Neubau eines Zweifamilienhauses mit Einliegerwohnung am Bahnhofplatz 16 (Spitalvorstadt). Hier missfiel Susanne Reuter (Grüne) das eine oder andere Detail, und sie brachte allgemein ihr Gefühl zum Ausdruck, dass die Stadt mehr und mehr zum Spielball von Architekten werde, „die sich hier austoben dürfen“. Man solle lieber mehr Bezug auf den Bestand nehmen, setzte Reuter nach. Diese „Historisierung“ wiederum lehnte Stadtbaumeister Jens Schütte ab: „Natürlich verändert eine Stadt laufend ihr Gesicht.“ Richard Breitenhuber (CSU) pochte auf die gestalterische Freiheit und mahnte an, nicht jede Kleinigkeit zu bekritteln: „Sonst können wir die Pläne gleich selber machen.“

Breitenhuber ergriff auch das Wort beim nächsten Punkt, einer Voranfrage zum Bau von zwei Einfamilienhäusern, Am Herrengrund 20, in Landershofen. Der Bebauungsplan von 1967 sei nicht mehr zeitgemäß, so Breitenhuber, daher sei es richtig, das große Grundstück zu teilen und zweifach zu bebauen. Von „Zeichen der Zeit“ und einem positiven Beispiel für Nachverdichtung sprach auch Martina Edl. Auf Nachfrage aus dem Gremium bekundete Stadtbaumeister Jens Schütte, dass die Abstandsflächen eingehalten würden und die nachbarschaftlichen Belange nicht beeinträchtigt seien.

Als ebenso positiv wurde der geplante Neubau eines Einfamilienhauses mit Einliegerwohnung in der Benedicta-von-Spiegel-Straße 27 (Seidlkreuz Ost) bewertet, weil hier endlich eine Baulücke geschlossen werde, hieß es. Die Baugrenze wird leicht verschoben, um dem Nachbarn die gegebene Belichtung und Belüftung weiterhin zu gewährleisten.

Schließlich wurde noch ein Vorhaben in der Willibaldstraße 40 in Marienstein durchgewunken: Hier soll das bestehende Wohnhaus durch einen eingeschossigen Bungalow ersetzt werden.

EK