Sport treiben und Spaß haben
Projekt „Fit nach vorn“ für Frauen aus der Ukraine – Verein In Via und der FCI arbeiten zusammen

26.09.2023 | Stand 26.09.2023, 20:04 Uhr |

„Fit nach vorn“ kommen die ukrainischen Frauen mit Maria Goryushko (3.v.r.) vom Verein In Via und Alexandra Vey (r.) vom FCI. Foto: Schattenhofer

An diesem Tag haben sie aus vollen Herzen gelacht: Die Frauen aus der Ukraine, die beim Verein In Via Alltagsdeutsch lernen, sollen telefonisch in einem Restaurant einen Tisch bestellen. Ganz schön stressig. Den Satz haben sie einstudiert, aber was, wenn jemand am anderen Ende der Leitung eine Rückfrage stellt? Einfach schnell auflegen nach dem Dankeschön. So ein Lachmuskeltraining ist die Ausnahme – aber einmal in der Woche machen die Frauen auch richtig Sport unter dem Motto „Fit nach vorn“. Das Projekt betreut Maria Goryushko vom Verein In Via.

Das Fitnesstraining mit Leisa endet mit Dehnübungen, danach sitzen die Ukrainerinnen noch gemütlich zusammen im Frauencafé und erzählen. „Ich möchte Deutsch lernen, und Maria ist eine super Lehrerin“, sagt Inna. „Außerdem liebe ich Sport und will ein wenig abnehmen.“ Für Valentina ist das Training eine gute Möglichkeit, mit anderen Frauen Deutsch zu sprechen. „Sport setzt auch Glückshormone frei.“

Das haben die Frauen, die vor dem Angriffskrieg Russlands gegen ihre Heimat geflohen sind, bitter nötig. „Wir wussten ja nicht, dass dieser Krieg so lange dauern wird“, erklärt Maria. „Hier versuchen wir, nicht darüber nachzudenken.“ Natalia ist seit Januar in Ingolstadt. „Wir haben zunächst auf okkupiertem Gebiet bei Verwandten gelebt. Meine ältere Tochter ist in die Schweiz gegangen, ich bin mit meiner siebenjährigen Tochter nach Deutschland geflohen. Eine Bekannte hat mir geholfen, eine Wohnung in Ingolstadt zu finden.“ Auch Natalia nutzt den Sport für die Figur und um sich abzulenken. Die Frauen machen auch gemeinsam Ausflüge, gehen ins Kino oder kochen. „Und das Essen animiert uns wieder, Sport zu machen“, sagt Yulia, und alle lachen mit. „Wir sind Freundinnen geworden.“

Ingenieurin, Augenärztin oder Agrarmeteorologin

Die Frauen haben anspruchsvolle Berufe gelernt, waren Ingenieurin, Augenärztin, Agrarmeteorologin, Krankenschwester oder Ökonomin wie Ludmila. Sie hat in der Ukraine bei Nestlé gearbeitet und hofft auf eine Stelle bei dem Konzern in Deutschland. Deutsch lernen ist jetzt das Wichtigste. Auch für Leisa, die gerne wie früher als Trainerin und Masseurin arbeiten würde. „Aber hier müsste ich erst drei Jahre Ausbildung und ein Jahr Praktikum machen“, erzählt sie von einem Gespräch mit der Migrationsberatung. Die Hürden für eine Berufstätigkeit sind hoch, aber Maria Goryushko ermuntert die Frauen, nicht aufzugeben. „Jede von euch hat Chancen, einen guten Job zu finden. Einfach machen, sage ich immer.“ Helfen würde dabei auch Kontakt zu Einheimischen, denn oft ergeben sich so ganz neue Möglichkeiten.

Interkulturelle Freundschaften seien für die Integration und das Zugehörigkeitsgefühl zur Mehrheitsgesellschaft eben von großer Bedeutung, betont Goryushko und lädt Ingolstädterinnen ins Frauencafé ein. „Ziel ist, die Frauen bei ihren Anstrengungen für Integration bestmöglich zu unterstützen.“

Alexandra Vey vom Kooperationspartner FCI hört aufmerksam zu. „Mich freut es zu sehen, wie gut die Sportangebote angenommen werden und die Frauen mit einem Lachen den Raum nach der gemeinsamen Fitness-Stunde verlassen. Die Kombination aus Sprache lernen, Erfahrungsaustausch und einem gemeinsamen Hobby nachgehen macht das Projekt rundum gelungen.“ Der FCI plane demnächst ein Sportprogramm für Mitarbeiter. „Vielleicht können wir das einmal im Monat mit den ukrainischen Frauen machen“, so Vey.

Vielfältige Angebote und kooperationen

Das Programm Fit nach vorn läuft beim FCI unter der sozialen Dachmarke SchanzenGeber. Alexandra Vey ist verantwortlich für das Projekt. Es setzt durch vielfältige Angebote bereits seit dem Jahr 2015 ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz. Gemeinsam mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, der DFL-Stiftung sowie der Stadt Ingolstadt wurden schon etliche Aktionen durchgeführt. Im Mittelpunkt steht vor allem das Bemühen, junge Menschen mit Migrationshintergrund durch Sport zu integrieren. Zum Beispiel gibt es ein wöchentliches Sportangebot an Ingolstädter Schulen mit hohem Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund. Zusammen mit den Johannitern läuft ein Fußballtraining mit ukrainischen Kindern.

Neu ist die Kooperation des FCI mit In Via Bayern, ein katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit. Dessen Projekt „Lebenswirklichkeit in Bayern“ ist ein niederschwelliges Angebot, das die Teilnehmerinnen bei der Integration unterstützt. Es richtet sich an bleibeberechtigte Frauen und Kinder.

Das Projekt soll durch niederschwellige, praktische Aktivitäten des Selbstbewusstsein und die Fähigkeiten der Frauen stärken. Organisiert werden auch regelmäßige Treffen für Frauen mit Migrationshintergrund und für einheimische Frauen. Anmeldung und Informationen per E-Mail unter maria.goryushko@invia-bayern.de.