20 Jahre im DEL-Aufsichtsrat
ERC-Boss Arnold über Auf- und Abstieg, seine Zukunft und die Saturn-Arena als Hemmschuh

26.04.2024 | Stand 03.05.2024, 12:47 Uhr |

Ein Leben für das Eishockey: Seit Jahrzehnten engagiert sich Jürgen Arnold in verschiedenen Funktionen beim ERC Ingolstadt und bei der DEL. Foto: City-Press

Seit genau 20 Jahren sitzt ERC-Boss Jürgen Arnold im Aufsichtsrat der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), seit 16 Jahren ist er Vorsitzender. In der Amtszeit des Ingolstädters hat sich die Liga wirtschaftlich stabilisiert und ihr Verhältnis zum Verband befriedet – die Anpassung des Auf- und Abstiegs mit der DEL2 soll nun ein weiterer Meilenstein werden. Seine Zukunft lässt der 63-Jährige offen.

 



Als es 2008 um die Nachfolge des schwer erkrankten DEL-Aufsichtsratsvorsitzenden Gerd Schröder ging, habe er sich wohl nicht schnell genug weggeduckt, mutmaßt Jürgen Arnold augenzwinkernd. Der Ingolstädter, der 2004 als Vertreter des kurz zuvor aufgestiegenen ERC Ingolstadt in das Gremium aufgerückt war, übernahm den Posten zunächst kommissarisch und wurde wenige Monate später offiziell ernannt. Seitdem hat Arnold die Geschicke im deutschen Eishockey maßgeblich mitbestimmt. 

„Habe mir nicht nur Freunde gemacht“

„Ich habe das Amt aber nie hierarchisch verstanden. Meine Maßgabe war immer, dass wir im Aufsichtsrat den Sport und die Liga besser machen müssen“, sagt der Geschäftsführer der Gaimersheimer Druckerei Pruskil im Gespräch mit unserer Zeitung. „Damit habe ich mir nicht nur Freunde gemacht.“

Nach der Amtsübernahme versammelte der heute 63-Jährige die damals 16 Klubbosse zum Meeting: „Da kamen alle Probleme und Fragen auf den Tisch, es wurde über die Ligenstärke und den Modus diskutiert“, erzählt Arnold. Auch wenn Großklubs wie die Adler Mannheim naturgemäß andere Interessen haben als kleinere Standorte wie die Iserlohn Roosters: „Dieses Treffen hat das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Liga gefördert“, ist er überzeugt.

 

DEL lange berüchtigt für Finanzprobleme



Die DEL, lange berüchtigt für Finanzprobleme (z.B. Füchse Duisburg, Hannover Scorpions), Klubpleiten (z.B. Frankfurt Lions) und sogar juristische Auseinandersetzungen (z.B. Kassel Huskies), stabilisierte sich unter der Führung Arnolds wirtschaftlich. Zum Zweck der Nachwuchsförderung und der Stärkung der Nationalmannschaft befriedete die Liga ihr Verhältnis zum Deutschen Eishockey-Bund unter Präsident Franz Reindl. „Das war aus meiner Sicht eine der größten Leistungen des Aufsichtsrats“, sagt Arnold, der nach eigener Aussage „ein paar Jahre gebraucht“ hat, um die Bedeutung der Nationalmannschaft als „Lokomotive der Sportart“ zu begreifen.

Arnold musste seinen ERC einst sanktionieren

Mitunter musste der DEL-Aufsichtsratschef Arnold auch Entscheidungen treffen, die für den ERC-Boss Arnold von Nachteil waren. „Aus Sicht der Liga habe ich gesagt, dass wir beim Thema Nachwuchsarbeit nach vorne wollen, auch wenn ich natürlich wusste, dass wir in Ingolstadt noch nicht so weit waren“, berichtet er. Die Folge: Die Panther wurden für die mangelnde Talentförderung finanziell sanktioniert. Das ist längst Vergangenheit, der ERC ist mehrfach mit dem Bestwert von fünf Sternen für seine Nachwuchsarbeit ausgezeichnet worden. 

Einer der wichtigsten Meilensteine der vergangenen Jahre – neben der Bewältigung der Corona-Folgen – war laut Arnold die Wiedereinführung des Auf- und Abstiegs mit der DEL2 vor drei Jahren. Die Zeit der DEL als geschlossener Gesellschaft ist vorbei. „Ich bin mittlerweile überzeugt davon, dass die Auf- und Abstiegsregelung etwas bringt. Auch die Fans wollen das.“ Wo früher die DEL-Klubs ohne Play-off-Chancen früh ihre Stars verkauften, um die Gehälter einzusparen, habe man nun einen spannenden Abstiegskampf bis zum Ende der Hauptrunde. 

Künftig mehr Aufstiegskandidaten aus DEL2 erwartet

Der Haken an der Sache: In der Saison 2023/24 erfüllten nur vier DEL2-Klubs die Kriterien für den Aufstieg. Und weil mit den Eisbären Regensburg erneut ein nicht-aufstiegsberechtiger Klub Meister wurde, bleibt der sportliche Absteiger Augsburger Panther in der DEL. Damit künftig mehr Zweitligisten zu Aufstiegsanwärtern werden, haben DEL und DEL2 ein halbes Jahr an einer Modifizierung der Voraussetzungen getüftelt. Das Ergebnis der jüngst bis 2030 verlängerten Vereinbarung: Klubs müssen nicht mehr über eine Halle mit mindestens 4500 Plätzen verfügen, um aufsteigen zu können. 

Die Einnahmen aus dem Hospitality-Bereich – also VIP-Tickets – spielten an vielen Standorten eine immer wichtigere Rolle, so Arnold. „Warum sollten wir also an den 4500 Plätzen festhalten, wenn auch Klubs mit kleineren Stadien aufgrund ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit in der DEL spielen können?“, begründet er. So könnten künftig theoretisch fast alle Zweitligisten für das Oberhaus in Frage kommen. „Im Vordergrund muss stehen, dass der Klub DEL spielen will. Aber ich erwarte, dass sich künftig mehr Klubs um den Aufstieg bewerben“, sagt Arnold. 

Rückzug aus DEL-Aufsichtsrat 2026?

Beim Thema Fraueneishockey ist er zurückhaltend: Die DEL-Klubs zum Betrieb eines Frauenteams zu verpflichten, wie angesichts der erfolgreichen WM mit Platz sechs diskutiert wird, hält der 63-Jährige für verfrüht: „Am Standort Ingolstadt tun wir etwas, auch dank Audi“, sagt er über den amtierenden Vizemeister. „Aber bei vielen Klubs sind das Bewusstsein und vielleicht auch das Potenzial für ein Frauenteam noch nicht vorhanden.“ 

Zwar hat das Amt Arnold gute Freundschaften beschert – der Ingolstädter ist Trauzeuge von Roosters-Boss Wolfgang Brück –, doch auch viel Zeit gekostet. „Meine Familie musste oft auf mich verzichten. Meine Lebensplanung sieht daher eine Zeit ohne den Posten als Aufsichtsratschef vor“, sagt er. Im Frühjahr 2026 steht die nächste Wahl an – gut möglich, dass Arnold dann nicht mehr antritt. Noch hält er sich offiziell bedeckt.

Saturn-Arena bremst Wachstum des ERC Ingolstadt

Auch den ERC, den er „ein Stück weit als Lebenswerk“ bezeichnet und dessen Beirat er gemeinsam mit Leopold Stiefel seit Gründung der GmbH angehört (seit 2013 als Vorsitzender), will der Unternehmer „irgendwann in jüngere Hände geben. Ich will die Weichen stellen, dass der Klub auch in Zukunft vernünftig arbeiten kann.“ Ein Projekt, das dabei geholfen hätte, steht jedoch auf dem Abstellgleis: die dritte Eisfläche, mit der Arnold und seine Mitstreiter Ingolstadt zum Eishockey-Stützpunkt in Bayern machen wollten. Auch die Saturn-Arena, inzwischen 21 Jahre alt und in Sachen Größe und Komfort nicht mehr auf dem Stand der Zeit, bremst die Entwicklung – unter anderem, weil der ERC die Nachfrage an VIP-Plätzen nicht decken kann. „Wachstum ist in dieser Arena nicht mehr möglich“, so Arnold.

Dafür steht die DEL glänzend da: In der abgelaufenen Hauptrunde verzeichnete die Liga einen Zuschauerrekord. Auch beim Streamingdienst Magenta Sport, der zudem mehrere hunderttausend Euro an jeden Klub ausschüttet, schalten immer mehr Fans ein. „Die Sportart ist gewachsen“, sagt Arnold. Nicht die schlechteste Bilanz nach 20 Jahren im DEL-Aufsichtsrat.