Montag, 17. Dezember 2018
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Personeller Engpass und eine Krankheit im Katzenhaus zwingen zu ungewöhnlicher Maßnahme

Tierheim vorübergehend geschlossen

Ingolstadt
erstellt am 10.10.2018 um 17:50 Uhr
aktualisiert am 14.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) "Leider muss das Tierheim wegen Erkrankung vorübergehend geschlossen bleiben." Dieser mit einem weinenden Emoji versehene, plakative Eintrag auf der Facebook-Seite des Ingolstädter Tierschutzvereins lässt Schlimmes befürchten: Sind die Tiere etwa so krank, dass niemand das Tierheim betreten darf? Wer versorgt sie dann? Oder hat gar das Veterinäramt seine Finger im Spiel? So dramatisch sei es bei Weitem nicht, findet Karl Ettinger, der Vorsitzende des Tierschutzvereins.
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Sie müssen draußen bleiben: Das Tierheim ist vorübergehend für Besucher geschlossen.
Sie müssen draußen bleiben: Das Tierheim ist vorübergehend für Besucher geschlossen.
Eberl
Ingolstadt
Tatsächlich grassiert im Katzenhaus derzeit eine Krankheit, bestätigt Ettinger auf Nachfrage: Giardien, das sind Parasiten im Dünndarm, die auch Menschen befallen können. Einige Katzen würden derzeit auf die Krankheit getestet und in einem isolierten Raum untergebracht. Es handele sich jedoch um Einzelfälle. Die Schließung des Tierheims für Besucher habe einen anderen Grund: "Unsere Katzenmama ist länger krank." Bis die Frau, die das Katzenhaus betreut, wieder im Einsatz ist, bleibe das Tierheim für die Öffentlichkeit zum.

Seit zwei Wochen etwa werden im Tierheim laut Ettinger keine Termine mehr vereinbart. Es gehe ausschließlich um den Publikumsverkehr. Die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Kräfte des Tierheims gingen ihrer Arbeit weiter nach. "Die Pflege und Versorgung der Tiere ist sichergestellt", so Ettinger. Auch Fundtiere könnten normal abgegeben werden. Die Vermittlung von Tieren - auch ein Teil der Katzen sei vermittelbar - laufe momentan über E-Mail-Verkehr. Um die Krankheit in Teilen des Katzenhauses in den Griff zu bekommen, habe man in Verbindung mit dem Tierarzt umfangreiche Maßnahmen ergriffen. So müsse etwa im Außenbereich des Katzenhauses, um Erreger, die im Gras sind, zu bekämpfen, das Erdreich aufgelockert und behandelt werden. Derzeit befinden sich etwa 50 Katzen im Heim.

Manche sehen die Ursache für die Probleme im Tierheim an anderer Stelle. Es gebe zu wenig hauptamtliches Personal, sagt Uschi Braun, eine Tierschützerin, die die Facebook-Seite "Tiere vermisst in Ingolstadt und Region 10" betreibt. Auf ihrer Seite ruft sie dazu auf, für eine Aufstockung des Personals im Tierheim zu spenden. "Ich beginne mit 400 Euro für einen Mitarbeiter (symbolisch) für eine Woche. Noch 51 Menschen wie mich, dann wäre ein Jahr gesichert", schreibt sie im Netz. Das Tierheim sei personell und finanziell sehr auf Kante genäht. Urlaub, krankheitsbedingte Ausfälle bei Mitarbeitern, vermehrte Krankheiten bei Tieren - all dies habe dazu geführt, dass die Einrichtung seit einigen Wochen geschlossen bleiben müsse. Leidtragende seien die Tiere.

Dass die Personaldecke "sehr, sehr dünn" sei, bestätigt auch Ettinger. Bei zwei Kräften, die vor einem Jahr gekündigt hätten, seien die Stellen nicht nachbesetzt worden. Ettinger begründet dies mit einem "Zugeständnis an die Stadt", die im Zuge der Debatte um den Fundtiervertrag eine finanzielle Restrukturierung des Vereins angemahnt habe. Man habe daraufhin den Mitgliedsbeitrag von 30 auf 40 Euro erhöht und eben die beiden Stellen nicht nachbesetzt. "Wir werden die finanzielle Entwicklung des Vereins anschauen und müssen dann entscheiden, ob es sinnvoll und notwendig ist, eine weitere Kraft einzustellen", so der Vorsitzende weiter.

Zwar habe der Verein mit der Stadt jetzt "einen der fünf besten Fundtierverträge in Bayern" (die Stadt zahlt pro Kopf 80 Cent), dennoch müsse er genau auf seine Ausgaben schauen. Derzeit seien sieben hauptamtliche Mitarbeiter in der Einrichtung beschäftigt, darunter auch eine Auszubildende, die ihre Arbeit zum 1. September aufgenommen habe. "Von der Stadt bekommen wir rund 100000 Euro im Jahr, dazu kommen 40000 Euro an Mitgliedsbeiträgen." Die Kosten für Personal-, Tierarzt, Futter und andere nötigen Ausgaben dazugerechnet, komme man auf 240000 Euro im Jahr. Der Differenzbetrag von 100000 Euro müsse über Spenden finanziert werden. "Jeder Euro hilft", sagt Ettinger. Sobald Spielraum vorhanden sei, werde man noch jemanden einstellen.

Eine Neuerung gibt es übrigens im Vorstand des Tierschutzvereins: Der stellvertretende Vorsitzende Michael Krüper hat sein Amt aus Zeitgründen abgegeben. Für die Funktion wurde Diana Groß reaktiviert, die früher schon einmal im Vorstand des Tierschutzvereins war.



Ruth Stückle
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