Donnerstag, 13. Dezember 2018
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Tierschutzverein Neuburg-Schrobenhausen setzt mit Partnern bei Etting ein besonders Projekt um

Oase im Grünen für kranke Tiere

Etting
erstellt am 17.09.2018 um 19:24 Uhr
aktualisiert am 21.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Etting (DK) Kranke und alte Tiere bekommen vor den Toren von Ingolstadt eine neue Bleibe. Der Tierschutzverein Neuburg-Schrobenhausen richtet am Adlmannsberg bei Etting mit mehreren Partnern eine Zweigstelle ein. Das Gelände hat der Verein zwar geerbt, die Kosten liegen dennoch im sechsstelligen Bereich.
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Im Einsatz für den Tierschutz: Gerd Schmidt, Vorsitzender des Vereins aus Neuburg-Schrobenhausen, arbeitet mit vielen Helfern und Partnern in Etting an einer Bleibe für kranke und schwache Tiere. Das Areal dort hat der Verein geerbt, dennoch ist die Umsetzung ein Kraftakt.
Im Einsatz für den Tierschutz: Gerd Schmidt, Vorsitzender des Vereins aus Neuburg-Schrobenhausen, arbeitet mit vielen Helfern und Partnern in Etting an einer Bleibe für kranke und schwache Tiere. Das Areal dort hat der Verein geerbt, dennoch ist die Umsetzung ein Kraftakt.
Janda
Etting
Noch haben die Mitglieder des Tierschutzvereins viel Arbeit vor sich. Denn mit einer Bleibe für hilfsbedürftige Vierbeiner, Vögel und andere Tiere hat das Areal unmittelbar an der Grenze zum Landkreis Eichstätt nur wenig gemeinsam. "Wir haben noch viel Arbeit", sagt Gerd Schmidt, Vorsitzender des rührigen Vereins, der schon viele Stunden auf dem Gelände geschuftet hat. Der Garten dort sei beispielsweise völlig zugewuchert gewesen, auch die Räume hatten dringend ein beherztes Zupacken nötig. Stress haben Schmidt und sein Team aber nicht. "Wir haben null Druck", sagt er und kündigt für den Winter den weiteren Innenausbau an. Der Betrieb gehe daher nun nach und nach los.

Ein eigenständiges Tierheim soll auf dem Gelände bei Etting allerdings nicht entstehen; daher fallen die Anforderungen auch weitaus geringer aus. Gleichzeitig wäre eine solche Einrichtung wohl auch nicht durchzusetzen gewesen - unter anderem der Wettstettener Gemeinderat hat sich im Dezember dagegen ausgesprochen. Stattdessen setzt der Verein nach einer Änderung des Konzepts, das mittlerweile auch genehmigt ist, auf zahlreiche Partner und eine Planung, die auch ein friedliches Miteinander mit den Nachbarn gewährleisten soll. "Kein Publikumsverkehr und Tiere, die kaum Lärm machen", betont der Vereinschef, der unter anderem das Umweltamt im Ingolstädter Rathaus hinter sich weiß. Mit dabei ist etwa eine Gruppe um die Ingolstädterin Ninja Winter, die sich seit Jahren für den Igelschutz engagiert. Der Betrieb der Station in einem Nebenraum läuft bereits an. Auch das Stadttaubenprojekt mit Manuela Kellner ist mit an Bord, ebenso der Landesbund für Vogelschutz. Die Tierhilfe Jonathan wird sich auf dem Gelände um Wildtiere kümmern. Und auch eine Gruppe, die sich flugunfähiger Fledermäuse annimmt, ist vertreten. Neben der Neuburgerin Birgit Schwark kümmert sich Kerstin Kellerer von der Naturschutzwacht aus Ingolstadt im Auftrag der Stadt um die Tiere.
 
Janda
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"Für uns ist das Gelände hier ein Glücksfall", sagt Kellerer, die mit ihren Mitstreitern pro Jahr etwa 50 verletzte Tiere versorgt. Das Problem: Nach ihrer Erholung müssen die stark bedrohten Fledermäuse das Fliegen erst mühsam wieder üben. "Bisher haben wir das in Privaträumen gemacht", sagt Kellerer, die sich derzeit um einen Großen Abendsegler mit Flügelriss kümmert. Doch dafür sei ein leeres Zimmer viel besser geeignet als ein möbliertes - "sonst landen die Tiere und verstecken sich", so die Expertin. Platz genug gibt es dafür in der Außenstelle des Neuburger Tierheims allemal. Und auch willkommen sind die Helfer dort. "Denn auch für uns ist dieses Engagement ein Glücksfall", sagt Schmidt und blickt über das Areal.

Es ist ein Idyll im Grünen, das der Verein hier per Testament von einer Tierliebhaberin geschenkt bekommen hat. 8000 Quadratmeter umfasst das Grundstück, das mitten in einer Wochenendhaussiedlung liegt. Den Blick auf die freien Flächen in Richtung Audi-Werk werden die Tiere kaum zu schätzen wissen, ihm und der malerischen Lage ist aber wohl das Ausmaß des villenartigen Gebäudes aus den 1960er-Jahren zu verdanken. Denn dieses war ursprünglich lediglich das Klubheim für einen Minigolfplatz - auch die Genehmigung lautete damals entsprechend. Die Anlage gibt es schon eine Weile nicht mehr, die exquisit ausgestattete Villa ist geblieben.
Zwei Seiten: Während das Gelände durch seine große Fläche besticht, gab es am Eingang Probleme mit einem Nachbarn. Der hatte dort eine Egge in den Weg gelegt.
Zwei Seiten: Während das Gelände durch seine große Fläche besticht, gab es am Eingang Probleme mit einem Nachbarn. Der hatte dort eine Egge in den Weg gelegt.
Janda
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Dass die Tierliebhaberin in ihrem Testament ausgerechnet den mVerein aus Neuburg-Schrobenhausen und nicht etwa die aus Ingolstadt oder Eichstätt bedacht hat, schreibt Schmidt auch dem Engagement seines Teams im eigenen Heim zu. Das Gelände zwischen der Stadt Neuburg und dem Markt Rennertshofen ist eine der größten Einrichtungen dieser Art in ganz Deutschland und gilt in mehrfacher Hinsicht als vorbildlich. Gleichzeitig ist der Verein im Kreis Neuburg-Schrobenhausen rein finanziell handlungsfähig. Denn das Erbe ist eine Seite, der Zustand des Geländes eine ganz andere. "Die reine Bausubstanz ist zwar in Ordnung, doch Fenster, Heizung und Wasser kosten viel Geld", erklärt Schmidt. Er geht von rund 100000 Euro allein dafür aus, dazu kommt viel Eigenleistung der Mitglieder. "Das werden wir stemmen, aber natürlich hoffen wir auf weitere Unterstützung."

Das betrifft auch das Verhältnis zu den Nachbarn in Etting und Wettstetten. Dass die Planungen der Tierschützer nicht jedem passen, fiel Besuchern bereits beim Betreten des Geländes auf. Denn vor der Gartentür versperrte zeitweise eine Egge den Weg - das "Präsent" eines Nachbarn, dessen Grund und Boden direkt vor dem Areal des Vereins liegt. Mittlerweile ist sie verschwunden, nach einer einstweiligen Verfügung, die Schmidt erwirkt hat. "Das läuft mittlerweile über unseren Anwalt", so der Vorsitzende, für den das angespannte Verhältnis der einzige Wermutstropfen ist. "Sonst haben wir hier viel Zuspruch erfahren." Mit dem Start des Betriebs dürfte das seiner Meinung nach noch zunehmen.
Stefan Janda
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