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Kinder basteln im Museum Manching ihre eigenen Ziegelstempel und erfahren etwas über die alten Römer

Gar nicht so einfach: Aus 1991 wird MCMXCI

Manching
erstellt am 11.08.2017 um 19:54 Uhr
aktualisiert am 14.08.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Manching (DK) Sina ist fünf Jahre alt und kann schon Latein. Ohne Probleme schreibt sie ihren Namen auf den Zettel vor ihr. In ihrem Fall ist das auch nicht ganz so schwierig. Denn Sina lernt in ihrem letzten Kindergartenjahr schon die Grundlagen des Schreibens. Und die Buchstaben ihres Namens gibt es auch im römischen Alphabet. Denn Sina und einige andere Kinder haben sich an diesem Nachmittag im Kelten- und Römermuseum getroffen, um gemeinsam römische Ziegelstempel zu basteln.
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Manching: Gar nicht so einfach: Aus 1991 wird MCMXCI
Foto: DK
Manching

Jasmin Braun leitet den kleinen Kurs. Die 26-Jährige studiert Archäologie an der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Sie erklärt den Kindern, dass Ziegel schon bei den Römern als Baumaterial für Wände oder Dächer dienten. Doch verrät gebrannter Ton den Archäologen noch viel mehr. Durch Herstellerstempel oder Inschriften, sogenannte Graffiti, kann man mehr über die Produktion der Ziegel und das Leben der Menschen damals sagen. Bisweilen findet man aber auch manche witzigen Details, wie zum Beispiel Schuhabdrücke oder Tierspuren, weil jemand versehentlich über den noch weichen Tonziegel gelaufen ist.

Doch vor dem praktischen Teil gibt es die Theorie - zumindest ein bisschen. Jasmin Bauer erklärt den Kindern zunächst die römischen Zahlen und Buchstaben. Letztere sind kein Problem, sind sie doch unserem Alphabet ziemlich ähnlich. Aber beim Zählen mit Buchstaben wie M, C, L oder X müssen dann selbst die Archäologen kurz nachdenken, vor allem bei Verbindungen wie MCMXCI (1991). Auf Interesse stoßen auch die Beispiele für die Abkürzungen der Namen römischer Legionen.

Fantasie ist dann beim anschließenden praktischen Teil gefragt. Zunächst zeigt Jasmin Braun, wie man mit dem kleinen Stichel oder Spatel Punkte, Linien oder Figuren in den Ton ritzt. Eine zweite Möglichkeit besteht darin,Ton zwischen den Händen zu dünnen Schnüren zu rollen und damit auf einer Tonscheibe plastische Darstellungen wie etwa ein Gesicht oder einen Vogel zu erzeugen.

Die Teilnehmer des kostenlosen und in Kooperation mit Studenten der LMU München erarbeiteten Ferienprogrammes dürfen ihre eigenen Ziegelstempel natürlich mit nach Hause nehmen. Ein Besuch im Museum stand ebenfalls auf dem Programm.

Auch Jasmin Braun profitiert von ihrem ersten Unterricht im Museum. Sie hat eine wertvolle Erfahrung gemacht, wie man so eine Stunde strukturiert. Archäologie in Schule und Erwachsenenbildung nennt sich die Übung, die Wolfgang David, der Leiter des Manchinger Museums, in diesem Sommersemester an der Uni München angeboten hat. Für die Studierenden bietet sich die Möglichkeit, eine Zusatzqualifikation zu erwerben, die später im Berufsleben von Vorteil sein kann.

Von Bernhard Pehl
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