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Hubert Haderthauer hat mit Miniaturautos gehandelt, die von Häftlingen produziert wurden – Von der Nebentätigkeit weiß sein Arbeitgeber nichts

Das Geschäft mit den Luxus-Modellen aus dem Knast

Ingolstadt
erstellt am 12.05.2013 um 20:08 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 20:20 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Es ist eine Geschichte, die merkwürdiger kaum anmuten könnte und die den Psychiater Hubert Haderthauer, Mann von Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) und Leiter der Landgerichtsärztlichen Dienststelle, in Bedrängnis bringt.
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Hubert Haderthauer
Leitender Landgerichtsarzt Hubert Haderthauer.
Richter
Ingolstadt
Haderthauer hat laut der Bloggerin Ursula Prem über Jahre hinweg Geld mit Luxus-Modellautos verdient, die er von einem verurteilten Dreifachmörder bauen ließ. So berichtet es „Der Spiegel“ in seiner neuen Ausgabe, die heute erscheint. Ein weiteres pikantes Detail, das in dem Artikel steht: Von diesem Nebenverdienst wusste Haderthauers oberster Dienstherr, das Bayerische Gesundheitsministerium, offenbar nichts.

Laut „Spiegel“ hat ein „begnadeter Kunsthandwerker“ und verurteilter Mörder, der in der forensischen Psychiatrie zunächst in Ansbach und dann in Straubing einsaß, die Modelle gebaut. Und das, nachdem er 1988 dem jungen Amtsarzt Hubert Haderthauer begegnet war. „Der hatte offenbar Ideen, was sich mit den besonderen Talenten seines Schützlings anfangen ließ“, heißt es in dem Artikel – und wie er damit Geld verdienen könne. So sei das Geschäft mit den „Modellen des Mörders“ entstanden. Der Patient baute über Jahre hinweg Hunderte von Autos, bekam dafür 200 Euro monatlich und Haderthauer kassierte die Millionen – so der Vorwurf des Häftlings.

Das sei absurd, hält Haderthauer dagegen. Er habe nie eine „Gewinnerzielungsabsicht“ verfolgt, ganz im Gegenteil, sagte er gestern auf Anfrage des DK. Außerdem habe er mit dem Mörder nichts zu tun gehabt: „Sie schließen solche Verträge mit dem Bezirkskrankenhaus, nicht mit einzelnen Patienten.“ Was dieser Mann und die anderen Patienten verdient hätten, da habe er keinen Einfluss drauf gehabt, das sei Sache des Bezirkskrankenhauses. Und die seien froh über jeden Auftrag, mit dem die Patienten beschäftigt würden. Im Grunde sei das vergleichbar damit, wenn Audi der Lebenshilfe einen Auftrag erteilen würde: „Oder halten Sie das für anrüchig“

Die Firma Sapor, über die die Geschäfte liefen, sei, als er vor 23 Jahren dort einstieg, alles andere als rentabel gewesen. Sein persönlicher Verdienst habe unter 7000 Euro jährlich gelegen. Warum er dennoch dort eingestiegen sei? „Das war die reine Begeisterung für Oldtimer“, sagt er. Die ganze Sache sei ohnehin „nur ein Hobby“ gewesen, deswegen habe er auch keinen Nebenverdienst angemeldet. Die Modellautos würden zwar heute auf dem amerikanischen Sammlermarkt hohe Preise erzielen – zuletzt ist bei einer Auktion in Florida 2012 ein Mercedes Benz SSK für 32 200 Dollar unter den Hammer gekommen. „Aber das sind Wiederverkäufer, diese Preise haben rein gar nichts damit zu tun, was Sapor daran verdient hat“, sagt Haderthauer. Der Gewinn sei minimal – was auch Heiner Sandner bestätigt. Der Ingolstädter Unternehmer hat die Firma 2008 von Haderthauer gekauft – für 20 020 Euro. „Wenn ich Glück hab, verkaufe ich drei Autos im Jahr“, sagt Sandner. Und nach Steuern bleibe ihm dann am Ende ein Betrag von rund 2500 Euro pro Auto – insgesamt jährlich also etwa 7500 Euro, was sich mit den Angaben Haderthauers in etwa deckt. „Mir wäre es auch lieber, wenn ich etwas von den hohen Auktionspreisen sehen würde“, sagt Sandner. „Aber das ist leider nicht die Realität.“

Haderthauer hat die Firma 2008 verkauft, weil seine Frau Sozialministerin wurde und somit auch die Aufsicht über die Bezirkskrankenhäuser übernahm. „Ich wollte eine saubere Trennlinie schaffen“, sagt Haderthauer. „Und auch wenn das alles legal gewesen ist, hätte es in der Situation für viele einen Geschmack gehabt.“

Einen Geschmack hat die Geschichte nun wohl dennoch für viele – und für die CSU, die gerade noch vollauf damit beschäftigt ist, den Schaden, der ihr aus der so genannten Verwandten-Affäre entsteht, zu begrenzen, ist sie besonders ärgerlich.

 

Von Katja Tölle
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