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Bund Naturschutz: Die Region Ingolstadt muss Abschied vom fossilen Wirtschaftsmodell nehmen

Nach Klimagipfel die Weichen neu stellen

Ingolstadt
erstellt am 18.01.2016 um 21:51 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 20:51 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Der Klimagipfel von Paris ist weltweit als Erfolg gefeiert worden. Damit die hochgesteckten Ziele erreicht werden, muss aber auf lokaler Ebene viel mehr passieren als bisher, fordert der Bund Naturschutz. "Wir hören zu wenig von der Ingolstädter Politik", sagt Vorsitzender Michael Würflein.
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Ingolstadt: Nach Klimagipfel die Weichen neu stellen
Auf dem falschen Gleis: Eine Automobilproduktion, die fast ausschließlich auf Benzin- und Dieselmotoren setzt - hier Audi-Transportzüge am Hauptbahnhof -, ist nach Ansicht des Bundes Naturschutz nicht zukunftsfähig. - Foto: Eberl
Ingolstadt

Was ist zu tun, um die globale Erwärmung tatsächlich auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen? Die Konsequenz aus Paris sei nicht mehr und nicht weniger als die "Verabschiedung vom gängigen Wirtschaftsmodell", erklärte der Sprecher der BN-Kreisgruppe gestern vor der Presse. "Das haben wir in Ingolstadt noch gar nicht so begriffen."

In ganz Deutschland gebe es wohl keine Region, die "so sehr vom fossilen Wirtschaftsmodell geprägt ist wie unsere": Raffinerien, fossile Großkraftwerke und ein "bisher nahezu vollständig auf Benzin- und Dieselmotoren setzender Automobilproduzent". Um so tiefgreifender müsse der Wandel sein, fordert Würflein. "Dass die Größe dieser Veränderung erfasst worden ist, bezweifle ich."

Der BN-Kreisvorsitzende nannte als Beispiel den Wärmeverbund mit der Raffinerie Gunvor. Die prinzipiell sinnvolle Nutzung der Abwärme - die möglicherweise noch auf andere Raffinerien erweitert werde - stütze sich nur auf den fossilen Energieträger Erdöl.

"Sinnbildlich" dafür, dass das notwendige Bewusstsein "noch nicht in der Planung angekommen" sei, ist für Würflein die Ausweisung von Bauland. "Wir schaffen Strukturen, die der Vergangenheit entsprechen." Einzelhäuser, Garage, mit dem Auto durch die Stadt zur Arbeit. Aktuelles Beispiel: Baugebiet Hagau Am Kirchsteig.

Der Naturschützer zitiert dazu aus dem laufenden Bebauungsplanverfahren eine Anregung der Regierung von Oberbayern. Demnach sollte geprüft werden, ob "verbindliche Regelungen in Bezug auf die Nutzung regenerativer Energien beziehungsweise Energieeffizienz getroffen werden können". Die Regierung weiter: "Den Anforderungen des Klimaschutzes soll Rechnung getragen werden, insbesondere durch die verstärkte Erschließung und Nutzung erneuerbarer Energien." Reaktion der Stadtverwaltung: "Verbindliche Festsetzungen in Bezug auf die Nutzung regenerativer Energien sind nicht vorgesehen." Da sei, wie Würflein findet, von der Stadt "mehr Mut" gefragt. Die Nachfrage nach Bauland sei derzeit so groß, da seien den Bauherrn gewisse ökologische Vorgaben durchaus zumutbar.

Der Energiereferent des BN-Landesverbandes Bayern, Herbert Barthel, nannte die Ausgangslage in Ingolstadt "nicht schlecht". Als "wohlhabende Kommune" sollte die Stadt beim Klimaschutz "beispielhaft vorangehen". Die Klimaziele seien ambitioniert. "Unsere Forderung: Brechen wir das runter auf die Stadt Ingolstadt!"

Nach den Worten von Klaus Wittmann, dem langjährigen BN-Kreisgruppenchef in Ingolstadt, steht ein "Paradigmenwechsel epochalen Ausmaßes" bevor. Ein Großteil des Klimaproblems könnte schon dadurch bewältigt werden, "dass wir maßvoll mit Fleisch umgehen". 90 Prozent der pflanzlichen Energie werde für die Tierernährung genutzt.

Ob die BN-Forderungen - darunter die Neuausrichtung der Verkehrsplanung auf postfossile Konzepte - auf lokaler Ebene gehört werden, hängt nicht zuletzt von der politischen Durchschlagskraft ab. Besonders hoch scheint der Stellenwert des Verbandes bei der Stadtführung nicht zu sein. Zum alljährlichen Neujahrsempfang werden über 1400 Leute eingeladen - der Bund Naturschutz traditionell nicht.

Von Reimund Herbst
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