Montag, 18. Juni 2018
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Böhm fordert: Genossen sollen eidesstattlich versichern, dass sie keine Interna verraten haben

SPD-Debakel geht in die nächste Runde

Ingolstadt
erstellt am 10.07.2013 um 21:37 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 20:22 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Und sie streiten munter weiter: In der SPD rumort es nach der DK-Berichterstattung über die Fraktionssitzung am Montagabend weiter. Darin ging es darum, dass der Stadtrat Thomas Thöne (SPD) sich nach seiner eintägigen Bereitschaft zur OB-Kandidatur mehr und mehr in eine Außenseiterposition manövriert hat – oder zumindest darum, dass das einige SPD-Räte so sehen.
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Thomas Thöne
Thomas Thöne
DK
Ingolstadt
Ein Genosse sprach dem DK gegenüber gar von einem „Amoklauf“. Deswegen sei es vielleicht eine Lösung, so die Idee in der Fraktionssitzung, Mediatoren einzusetzen, die mit Thöne sprechen würden, um ihn zu beruhigen. Thöne selbst war bei der Sitzung nicht dabei, er war auf einer Dienstreise. Konkrete Kritikpunkte sind: der ewige Kleinkrieg mit dem Landtagsabgeordneten und Fraktionsvorsitzenden Achim Werner und die Kommunikationsfreude Thönes, der auch seinen Ärger über die SPD immer wieder öffentlich auf Facebook postet. Außerdem die Enttäuschung darüber, dass der Stadtrat einen Tag lang seine Bereitschaft signalisiert hatte, als OB-Kandidat anzutreten – und das auch genauso schnell öffentlich gemacht hatte, wie er es am nächsten Tag schon wieder zurückzog.

Wütende E-Mails schrieben sich die SPDler gestern Morgen nach der Zeitungslektüre hin und her: Wer spricht von einem Amoklauf? Und vor allem: Wer hat schon wieder die Presse informiert? Stadtrat Anton Böhm hat von der Indiskretion offenbar genug: Er forderte in einer E-Mail eine eidesstattliche Erklärung jedes Fraktionsmitglieds, dass er oder sie keine Interna an die Presse verraten hat. Eine ziemlich heftige Forderung, die Fraktionsvorsitzender Werner auch gleich abschwächt: „Das hat er in seiner Verärgerung gefordert, so weit wird es nicht kommen.“ Er wolle jetzt alle SPD-Stadträte befragen – „eine eidesstattliche Versicherung brauche ich dafür nicht.“ Aber die Indiskretionen, die müssten jetzt ein Ende haben: „Wir müssen uns jetzt dringend auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren.“ Stimmt, da fehlt ja noch ein OB-Kandidat.

Böhm nimmt das mit der Diskretion offenbar sehr genau: Als der DK ihn um eine Stellungnahme bittet, lehnt er ab – ohne überhaupt zu wissen, worum es geht: „Ich sage gar nichts, ich rede nur intern.“

Thomas Thöne selbst nimmt es damit nicht so genau. Er ist verärgert, weil er „schon wieder etwas über die Zeitung erfahren“ hat, das ihm seiner Meinung nach seine Fraktionskollegen selbst hätten sagen sollen: dass Mediatoren mit ihm sprechen sollen. Aber auch er spricht offenbar nicht mit seinen Kollegen, sondern postet öffentlich auf Facebook: „Mit mir hat gestern niemand mehr telefoniert und auch heute hat niemand mit mir geredet. Die Tatsache spricht für sich.“ Er sieht sich offenbar als Opfer des Kleinkriegs in der SPD und spielt diese Rolle öffentlich: auf Facebook. „Ohne Worte. Nur noch fassunglos...“ postet er dort und teilt den DK-Artikel, unter dem gleich fleißig diskutiert wird. Aber dabei belässt er es nicht. Er schießt weiter gegen seine Fraktion: Die Genossen würden „Öl ins Feuer gießen“ und er müsse der Presse entnehmen, dass zwei seiner Fraktionskollegen als Mediatoren mit ihm sprechen sollen. Auch die Spekulationen darüber, wer nach der Sitzung mit der Presse gesprochen hat, führt Thöne öffentlich auf Facebook.

Dem DK gegenüber sagt Thöne dann, dass er um Ruhe bemüht sei: „Der Eskalationsgrad ist etwas, das mir Sorgen macht. Und ich hoffe, dass wir künftig drei Rückwärtsgänge einlegen.“ Zwar verteidigt er die öffentliche Diskussion zunächst: „Ich hatte ja bisher keine Möglichkeit, mich zu äußern“, sagt Thöne – deswegen habe er das in dem sozialen Netzwerk getan. Das sei eine Kommunikationsplattform und dementsprechend sei das auch der richtige Ort, so etwas zu diskutieren. Nach dem Gespräch mit dem DK löscht er die Debatte allerdings. Ob das heißt, dass jetzt Ruhe einkehrt in der SPD, darf aber wohl zumindest bezweifelt werden.

Eine Erkenntnis bleibt allerdings, auch wenn sie inzwischen gelöscht ist. Sie stammt von Thomas Thöne: „In der Tat, wir sind in der Eskalationssituation, dass es jetzt nur noch Verlierer gibt. Gewinner sind die anderen politischen Parteien und Gruppierungen in Ingolstadt.“

 

Von Katja Tölle
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