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Reinhard Brandl hebt beim politischen Aschermittwoch der CSU die Bedeutung seiner Partei hervor

360-Grad-Panorama-Bild mit Fisch

Ingolstadt
erstellt am 14.02.2018 um 22:28 Uhr
aktualisiert am 18.02.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Es komme so sehr auf die CSU an, wie noch nie zuvor - erklärte Festredner Reinhard Brandl den 270 Gästen beim 41. Fischessen der CSU beim Peterwirt in Unsernherrn. Mit kämpferischer Pose gab er Einblicke in die mühseligen Koalitionsverhandlungen und mahnte, dass er so etwas nie wieder erleben wolle.
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Ingolstadt: 360-Grad-Panorama-Bild mit Fisch
Verantwortung für die CSU: Die designierten Kandidaten für Landtag und Bezirkstag Alfred Grob und Michael Kern (von links), OB Christian Lösel, Bundestagsabgeordneter Reinhard Brandl und Kreischef Hans Süßbauer beim Fischessen der CSU gestern Abend. - Foto: Eberl
Ingolstadt

Zu zweit stehen sie da, mit ihrem "Frieden schaffen ohne Waffen"-Plakat gegenüber vom Peterwirt, den eigentlichen Adressaten ihrer Kritik werden sie aber gar nicht mehr zu Gesicht bekommen. Reinhard Brandl kommt erst kurz vor 19 Uhr, und Lisa Munz und ihr Gefährte sind schon seit 17 Uhr da, zu lang, um ewig draußen in der Kälte herumzustehen. Immerhin: Etliche andere Menschen, die vorbeifahren oder -gehen, nehmen sie wahr. "Ganz viele mit Daumen hoch, aber auch einige mit Verachtung im Gesicht", sagt die Reichertshofenerin, die schon seit gut 15 Jahren den politischen Aschermittwoch der CSU mit Protestplakaten begleitet. Wer so lange dabei ist, der entwickelt eine gewisse Routine im Umgang mit den Menschen. Auf Brandl übrigens lässt sie nichts kommen, trotz der politischen Gegensätze: "Ich würde gerne wieder mit dem Herrn Brandl reden, der ist total nett", sagt Munz.

Das würde auch niemand im Saal des Lokals bestreiten, wo Brandl wenig später auf der Bühne steht und erklärt, dass er sich schon seit Wochen auf den Auftritt hier gefreut habe. "Denn ich bin lieber beim Fischessen in Unsernherrn als im Willy-Brandt-Haus bei Koalitionsverhandlungen!" Heftiger Applaus. Brandl wippt, fixiert die Zuhörer und brüllt für seine Verhältnisse geradezu in die zwei Mikros vor sich: "Was ich jetzt erlebt habe, möchte ich nicht noch einmal erleben. Es kommt in Bayern und in Deutschland so sehr auf die CSU an wie selten zuvor in der Geschichte." Und dann setzt er zu einer Rede an, die der designierte Landtagskandidat Alfred Grob (im Trachtenjanker) später in seinem ultrakurzen Grußwort als "360-Grad-Panorama-Bild" bezeichnen wird: Das Land - inmitten einer Zeitenwende. Von sechs Bundestagsfraktionen wollten vier nicht mitregieren, "für die Demokratie ein Riesenproblem". Die AfD sei weder regierungswillig noch -fähig. Die SPD, die selbst unzählige Wähler an die AfD verlor, habe den "Schuss nicht gehört". Und die konservative Seele in der CDU leide auch seit Jahren. Und das in einer Zeit, in der konservative Werte wie Familie, Sicherheit und Heimat an Bedeutung gewonnen hätten, in der von 31 Kriegen und Konflikten weltweit sieben an EU-Außengrenzen stattfänden, viele Staaten mit sich selbst beschäftigt seien und in der die Digitalisierung unaufhaltsam voranschreite.

Im 177 Seiten starken Koalitionsvertrag seien erste starke Antworten gegeben worden - und das vor allem dank der CSU, sagt Brandl. Die Begrenzung des Familiennachzugs für Flüchtlinge, die bundesweite Übernahme der bayerischen Transitzentren (wenn auch beides unter anderem Namen), die Besetzung des Innenministeriums mit Horst Seehofer und die Grundlagen für den Übergang ins digitale Zeitalter, für die Ingolstadts OB Christian Lösel viele Inhalte geliefert habe. Diese übergreifende Zusammenarbeit sei einmalig, sagt Brandl. Und so sei dieser Aschermittwoch auch ein Tag des Aufbruchs: In München gebe es Klarheit, der Koalitionspartner in Berlin stehe fest - und für die Landtags- und Bezirkstagswahl habe man mit Alfred Grob und Michael Kern auch perfekte Kandidaten gefunden.

Zuvor hatte Martin Dick alias Bruder Barnabas in einer launigen Fastenpredigt unter anderem die Granden der CSU angehalten, das ja durchaus vorhandene Geld auch auszugeben: Man sehe ja gerade in der Diözese Eichstätt, was passiere, wenn man nicht wisse, wohin mit dem Vermögen.

Von Thorsten Stark
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