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Das Geheimnis unter den Nestern

Ingolstadt
erstellt am 12.02.2018 um 21:34 Uhr
aktualisiert am 15.02.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (jhh) So mancher Ingolstädter ist erstaunt, wenn er erfährt, dass die Vogelinsel ein Überbleibsel eines Festungsbaus ist. Tatsächlich ragen hier die Reste des Festungswerks 130, der sogenannten Uferbatterie F, aus dem Wasser.
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Das Gebäude, das 225 Infanteristen und vier Geschützen Platz bot, wurde um 1860 errichtet und war Bestandteil der Landesfestung. Im Zweiten Weltkrieg soll hier eine Flakstellung gewesen sein. Auch von einem Bunker wird berichtet. Bis 1971 der Ingolstädter Stausee geflutet wurde, lag das Bauwerk am Südufer der Donau - und übte eine große Faszination auf die Kinder und Jugendlichen aus, die damals am Flussufer und rund um den kleinen Baggersee am Südufer (!) spielten, Banden bildeten und sich durch das Unterholz schlugen.

Einer der neugierigen Buben war Hermann Kiermeier. Er ist wenige Meter von der Donau entfernt in Haunwöhr aufgewachsen und kann sich gut an den Flusswart erinnern, der mit seiner Familie an der Donau wohnte. Auf dessen Grundstück war der geheimnisvolle Erdhügel. "Wir haben gesehen, dass es da einen Revisions- oder Luftschacht gibt und wären da nur allzu gerne einmal hinuntergestiegen", erzählt er. Allein der Flusswart hat die Kinder immer wieder vertrieben. "Außerdem hatte er einen Hund."

Erst als der Flusswart und seine Familie das Grundstück verlassen mussten und der künstliche See aufgestaut wurde, hatten Kiermeier und seine Freunde die Gelegenheit, der Festungsanlage etwas näher zu kommen. "Wir haben zugesehen, wie die Bagger die Eingänge zugeschoben haben", erzählt er. Dann kam das Wasser, und aus der Festung wurde eine Insel. "Einmal wollten wir rüberpaddeln und in die Festung einsteigen", erzählt er. "Aber dann haben wir uns doch nicht getraut."

Kiermeier verbringt noch heute viel Zeit am Stausee. Er fotografiert die Vogelinsel vom Ufer aus in verschiedensten Lichtstimmungen und bei jedem Wetter. Sein beachtliches Fotoarchiv zeugt von der Faszination, die dieser Ort - nicht nur auf Natur- und Vogelschützer - noch heute ausüben kann, auch auf jemanden, der ihn nie betreten hat.

Von Johannes Hauser
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