Freitag, 17. August 2018
Lade Login-Box.

Der Brezenpreis ist bei einigen Bäckereien wieder gestiegen

Teures Laugengebäck

Ingolstadt
erstellt am 14.03.2018 um 20:56 Uhr
aktualisiert am 18.03.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Alles wird teurer - auch die Breze: Der Preis hat in der Ingolstädter Innenstadt eine weitere Marke geknackt. Zumindest in einer Bäckerei im Zentrum kostet das geschlungene Laugengebäck jetzt stolze 70 Cent.
Textgröße
Drucken
Ingolstadt: Teures Laugengebäck
Begehrte Breze: Auch wenn die Preise zuletzt auch wieder in den Bäckereien angezogen haben - an dem Laugengebäck, wie es Filialleiterin Melanie Bienia von der Backstube Wünsche gerade zeigt, gibt es für die Kunden kein Vorbeikommen. - Foto: Hammer
Ingolstadt

"Eigentlich Wahnsinn für ein bisschen Teig", findet Wolfgang Brosig. Der 73-jährige Rentner verlässt gerade mit einer großen Tüte voller Backwaren die Bäckerei Hackner. Die 70 Cent pro Breze hält er zwar nicht für gerechtfertigt, trotzdem kommt für ihn nur dieser eine Bäcker in Frage. "Hier wird die Breze eben noch von Hand geschlungen", sagt Brosig. Auch Marianne Feigel kauft das Laugengebäck nur bei ihrer Stammbäckerei. Weil sie einfach am besten schmecken", antwortet sie. Da können die "Industriebrezen" vom Backshop nebenan nicht mithalten. Und aufgebackene Teiglinge kämen für die 65-Jährige auf keinen Fall in Frage. "Dann esse ich lieber gar keine" sagt sie. Teuer findet sie die Breze für 70 Cent allerdings trotzdem. "Der Preis ist schon stark angestiegen", findet auch Brezenkäufer Josef Gutmann (66) und ergänzt: "Das fällt einem vor allem dann auf, wenn man sie mal einzeln kauft."

Bei den Bäckern selbst sieht man das natürlich anders. Beim Backhaus Hackner, dem mit seinen 39 Filialen größten Brezenproduzenten in Stadt und Umgebung, gibt es einmal pro Jahr eine Preiserhöhung. Um circa drei Prozent steige der Preis jährlich, dies entspreche ungefähr auch der Inflationsrate. Vor allem die Energiekosten, die Löhne und die Kosten für die Zutaten werden immer höher.

Die Reaktionen auf die regelmäßigen Preiserhöhungen zum Jahreswechsel sind nach Angaben von Geschäftsführer Thomas Hackner größtenteils positiv. "Die meisten haben Verständnis dafür", sagt er. Man betreibe beim Backhaus eben auch einen hohen Aufwand. Durch die langen Teigruhezeiten und die Fertigung des Laugengebäcks von Hand könne es dann auch mal zu einem höheren Preis kommen. Im Vordergrund stünden bei Hackner die Regionalität und Qualität der Backwaren. "Wenn diese Werte stimmen, dann achten die Kunden auch nicht so sehr auf den Preis", so der Geschäftsführer.

Doch nicht bei allen Bäckereien werden die Brezen regelmäßig teurer. "Bei uns ist der Preis schon seit längerer Zeit konstant", berichtet Christine Sengl von der gleichnamigen Bäckerei an der Harderstraße. 63 Cent koste die Breze aktuell bei ihnen. Wie lange man diesen Betrag allerdings halten könne, weiß Sengl selbst auch noch nicht. "Wir sind ein kleiner Betrieb und die Ausgaben steigen", gibt sie zu bedenken. Die Brezen werden auch in der Bäckerei Sengl am selben Tag von Hand gebacken. "Und das schätzen auch unsere Kunden", so Sengl.

In den vier Filialen der Bäckerei Kuttenreich liegt der Brezenpreis seit ungefähr einem Jahr bei 68 Cent. Gebe es eine Erhöhung, seien dafür ebenfalls steigende Kosten für Rohstoffe und Personal verantwortlich. "Wir sind eine sehr handwerkliche Bäckerei", sagt Geschäftsführer Max Kuttenreich. "Wir produzieren von Hand und versuchen dabei, unser Netzwerk so klein und regional wie möglich zu halten", erklärt er. Das Mehl beispielsweise komme ausschließlich von regionalen Mühlen. Teiglinge würden grundsätzlich nicht hinzugekauft. "Die Kunden wissen, dass wir alles selbst machen, sie können sogar dabei zusehen", so der Geschäftsführer. Im Café-Bereich gebe es sogar eine eigene Backfläche. Die Besucher können dort den Bäckern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen. Mit viel Transparenz könne man den Brezenkäufern auch leichter erklären, warum die Preise vielleicht mal etwas ansteigen, davon ist Max Kuttenreich überzeugt.

Bei der Backstube Wünsche setzt man hingegen auf ein anderes Konzept. Hier wird mit Teiglingen gearbeitet, die unmittelbar nach der Produktion gefrostet werden. In den Filialen backen die Mitarbeiter sie mehrmals täglich je nach Bedarf auf - damit gibt es immer frische Brezen. Bei Wünsche ist man davon überzeugt, dass die Kunden bereit sind, für die Brezen einen fairen Preis zu zahlen. Aktuell wird die Breze für 64 Cent verkauft, ab Ende März erhöht sich der Preis auf 65 Cent. Als Grund dafür nennt man auch hier die steigenden Kosten für Löhne, Energie, Rohstoffe und Mieten.

Wie sich der Brezenpreis in der Zukunft noch entwickeln wird, lässt sich nicht genau abschätzen. Eine Art magische Preisgrenze, ab der die Kunden auf einen Kauf verzichten, gibt es nach Ansicht der Bäcker jedoch nicht. "Wenn es sie denn überhaupt gibt, steigt diese Schwelle wahrscheinlich kontinuierlich im Laufe der Zeit", vermutet Thomas Hackner. Schließlich erhöhten sich die Löhne der Käufer parallel zu den Brezenpreisen. "Wir können unserer Kundschaft erklären, warum sich der Preis verändert", meint Max Kuttenreich und ist sich sicher, dass die Brezen auch in Zukunft ein Verkaufsschlager bleiben. Die Brezenkäufer stimmen ihm da schon mal zu. Der Geschmack sei bei der Breze immer noch das Wichtigste. "Und wenn ich eben Weißwürste essen möchte, dann will ich dazu eine Breze", sagt Wolfgang Brosig. Der Preis spielt dabei dann ausnahmsweise mal keine Rolle.

Von Marius Ritter
Kommentare
Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!