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Warum die Gaimersheimer Firma init consulting AG plötzlich mit Siemens einen dicken Fisch am Haken hat

Mittelstandslösung für einen Weltkonzern

Gaimersheim
erstellt am 10.10.2013 um 20:06 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 20:25 Uhr | x gelesen
Gaimersheim (DK) Mit Beharrlichkeit ein großes Rad drehen: Geduld und Mut zu einem Strategiewechsel haben die Firma init consulting zu einem Marktführer für SAP-Anwendungen im Mittelstand gemacht. Jetzt ist mit Siemens ein Weltunternehmen auf das Angebot der Gaimersheimer Software-Experten aufmerksam geworden.
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Gaimersheim: Mittelstandslösung für einen Weltkonzern
Millionenauftrag: Vorstand Günter Seitz hat es mit der init consulting AG zu einem Marktführer für Mittelstandslösungen gebracht - Foto: hl
Gaimersheim
SAP: Das Kürzel ist zum Inbegriff für integrierte betriebswirtschaftliche IT-Lösungen geworden – ursprünglich vor allem für größere Unternehmen konzipiert, inzwischen aber auch für Klein- und Mittelbetriebe im Angebot des Walldorfer Software-Riesen. Den Vertrieb seines speziell auf Mittelständler zugeschnittenen Programms „Business One“ überlässt SAP Geschäftspartnern, die den Kontakt mit dem Endkunden autark anbahnen und den Konzern letztlich über Lizenzgebühren an ihren Gewinnen beteiligen müssen: Die sogenannten Consulter sind aber völlig frei, ihr eigenes Geschäftsmodell zu entwickeln.

Das SAP-Logo prangt auch am Bürohaus der init consulting AG an der Dieselstraße im Gaimersheimer Gewerbegebiet. Vorstand Günter Seitz (45) lenkt ein Unternehmen mit inzwischen bundesweit rund 50 Beschäftigten, Personalstand laufend steigend.

Wer verstehen will, warum die Firma im vergangenen Sommer nach langen Verhandlungen mit dem Siemens-Konzern einen lukrativen Großauftrag an Land gezogen hat, muss ein wenig in die Historie von init blicken: Das 1999 im Ingolstädter Gründer- und Entwicklerzentrum aus der Taufe gehobene Unternehmen war ursprünglich auf EDV-Lösungen für Großbetriebe ausgerichtet, hat aber umgehend lernen müssen, dass schnelles Wachstum im Zuge eines Booms mit großen Risiken behaftet ist. Formengründer Seitz: „Wir hatten 2002 bereits 30 Leute und mussten wieder runtergehen auf nur sieben Mitarbeiter.“

Die Erfahrungen der ersten Jahre haben bei Seitz und seinem Team zu einem Umdenken geführt: „Wir haben uns damals angeschaut, wer am besten durch die Krise gekommen war – das war der Mittelstand.“ Also hat init consulting fortan bei kleineren Firmen Klinken geputzt. Bis 2006 konnte man das erst 2003 auf den Markt gekommene SAP-Mittelstandsangebot „Business One“ zwar immer wieder verkaufen, doch das Geschäftsvolumen blieb überschaubar. Erst mit einer totalen Umstellung der Strategie kam die Wende. Seitz: „Wir haben sehr viel Geld in unseren Internetauftritt gesteckt und so dafür gesorgt, dass potenzielle Kunden uns finden.“

Ab Mitte 2007 hatte die Firma plötzlich um die 150 Kundenanfragen im Monat. „Das war der Durchbruch“, sagt Wirtschaftsingenieur Seitz heute. Inzwischen sieht sich init consulting, was das Geschäft mit SAP-Lösungen für Klein- und Mittelbetriebe angeht, als einer der beiden Marktführer im deutschsprachigen Raum.

Dass die Mitarbeiter des Unternehmens sich in mittelständischen Betrieben in immer neue Geschäftsmodelle und Betriebsabläufe hineindenken müssen, habe sie ungeheuer flexibel und innovativ gemacht, betont der Vorstand. Und genau diese Eigenschaften haben den Gaimersheimern jetzt bei Siemens offenbar die Tür geöffnet: Als der Weltkonzern für seine riesige Zahl von Betriebsstätten in aller Herren Länder (projektbezogene, zeitlich begrenzte Vertretungen ohne Status einer eigenen Niederlassung) eine jeweils maßgeschneiderte Software für alle betriebswirtschaftlichen Abläufe und vor allem auch für die steuerrechtlichen Verpflichtungen suchte, war init consulting plötzlich mit im Rennen – und ging sogar als Erster durchs Ziel.

Bereits 2012 gewann man den Wettbewerb für ein Pilotprojekt, im vergangenen Sommer dann – gegen große Konkurrenz – die Ausschreibung für ein erstes Auftragspaket, das die Softwareausrüstung von 22 Siemens-Betriebsstätten in aller Welt (mit Schwerpunkt im arabischen Raum) vorsieht. Das Volumen wird voraussichtlich in den zweistelligen Millionenbereich gehen. Und es muss nicht der letzte Siemens-Auftrag sein. Denn der Münchner Technologiekonzern hat ständig zwischen 500 und 1000 solcher Stützpunkte rund um den Globus in Betrieb – „wie viele genau“, sagt Günter Seitz mit einem Augenzwinkern, „wissen die wohl selber nicht“. Da könnte also noch einiges gehen.

Von Bernd Heimerl
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