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DGB-Podiumsdiskussion mit Landtagskandidaten offenbart geteilte Ansichten bei Schule und Mindestlohn

Bildung und Arbeit bewegen die Gemüter

Gaimersheim
erstellt am 09.06.2013 um 20:17 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 20:21 Uhr | x gelesen
Gaimersheim (DK) Fast hätte sich der DGB-Kreisverband Eichstätt übernommen mit der Komplexität und Brisanz der ausgesuchten Themen, die er am Freitagabend in Gaimersheim im Rahmen einer Podiumsdiskussion abarbeiten wollte.
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Gaimersheim: Bildung und Arbeit bewegen die Gemüter
Kontroverse Diskussion: Werner Widuckel, Tanja Schorer-Dremel, Thomas Knott, Moderator Erich Seehars, Eva Gottstein, Jutta Herzner-Tomei und Manfred Lindner (von links) - Foto: Brandl
Gaimersheim
Bessere Bildung, gute Arbeit, sichere Rente. Da war natürlich für viel Gesprächsstoff gesorgt unter den Diskutanten, sechs an der Zahl, allesamt Direktkandidaten für die Wahl zum Bayerischen Landtag. So viel Gesprächsstoff, dass die anberaumte Dreiviertelstunde pro Themenblock schon nach der Vorstellung der Redner und der einleitenden Runde zur Bildung um mehr als eine volle Stunde überzogen war. Grund genug also für den Moderator und DGB-Kreisverbandsvorsitzenden Erich Seehars nach der Pause aufs Tempo zu drücken. Dem verbalen Austausch auf der Bühne tat dies mehr als gut. Auch das Publikum beteiligte sich mit Fragen und Stellungnahmen rege am Ablauf, was zeigte: Die Themen Bildung und Arbeit bewegen die Gemüter mehr denn je.

Was sie am bayerischen Bildungssystem verbessern würden, machten die Kandidaten zuvor vor den gut besetzten Zuhörertischen im Gasthof Ledl deutlich: „Wir müssen die soziale Auslese unseres Bildungssystems verändern“, mahnte SPD-Landtagskandidat Werner Widuckel an. Aufgabe müsse es sein, den Menschen Selbstvertrauen zu geben, mit anderen etwas gemeinsam zu gestalten. Es ginge darum, keine Menschen zu produzieren, die frustriert sind, so seine Ansichten zur gemeinschaftlichen Schulbildung.

„Es gibt in Bayern für jedes Kind eine passende Schule“, sagte Tanja Schorer-Dremel von der CSU. Dies ermögliche, dass es „keinen Abschluss ohne Anschluss“ gebe. Es sei wichtig, „dass Kinder in Schulen nicht gleichgemacht werden“, argumentierte sie gegen das Konzept einer Gemeinschaftsschule. Als wichtigen Aspekt beim Thema Bildung führte sie außerdem den gemeinsamen Unterricht für Kinder mit und ohne Behinderung – Inklusion – an.

„Wir müssen es schaffen, dass Kinder länger gemeinsam lernen“, sagte hingegen Grünen-Landtagskandidat Thomas Knott zum Thema. Das bayerische Bildungssystem halte er deshalb nur für teilweise gut: „Es siebt viel zu sehr aus.“

Bildung müsse frei sein von sozialen Hintergründen, so die Auffassung der Kandidatin der Freien Wähler, Eva Gottstein, die einen Schwerpunkt im Bildungswesen vor allem in der frühkindlichen Bildung sieht. Es brauche mehr Geld für die Bildung und gut ausgebildete Lehrer, so ihre Meinung.

Mehr Ganztagsschulen schaffen, so lautete das Credo der Ingolstädter Freien Demokratin Jutta Herzner-Tomei, die den angekündigten Günther Thauer vertrat. Ein Augenmerk richtete sie vor allem darauf, Kinder mit Migrationshintergrund dadurch besser in die schulische Bildung einzubeziehen. „Das scheitert aber oft an der Sprache.“

Linken-Vertreter Manfred Lindner plädierte für höhere Ausgaben in der Bildung. Sie sollten mindestens sieben Prozent des Bruttosozialprodukts betragen. „Wenn wir es ernst meinen mit der Bildungsgesellschaft, dann müssen wir in sie investieren.“ In Bayern sei die schulische Auslese am vehementesten, sagte er. Kinder sollten zehn Jahre gemeinsam eine Schule besuchen.

Beim Thema Arbeit drehte sich auf dem Podium vieles um die Stichworte Mindestlohn und Leiharbeit. Während Dremel, Tomei und Gottstein für branchenbezogene Lohnuntergrenzen plädierten, machte Lindner sich für die Linken-Parteivorgabe von flächendeckend zehn Euro Lohn pro Stunde stark. Nach Knotts Ansicht drücke sich die Regierung um das Thema herum und versucht, es durch die Hintertür zu regeln. Widuckel wiederum räumte ein, dass die von der SPD angestoßenen Hartz-Gesetze ihre Wirkung teilweise verfehlt hätten. „Ich akzeptiere es nicht, dass Leute fünf, sechs Jahre in Leiharbeit sind und nicht übernommen werden.“

Von Michael Brandl
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