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Das Fazit zum Krisenmanagement der Stadt fällt gut aus - auch wenn viel Glück dabei war

Vohburg im Krisenmodus

Vohburg
erstellt am 04.09.2018 um 18:26 Uhr
aktualisiert am 08.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Vohburg (DK) Das Krisenmanagement nach der Explosion bei Bayernoil hat funktioniert. Bürgermeister Martin Schmid ist zufrieden mit dem Ablauf der Hilfsmaßnahmen und der Kommunikation. Nun fordert er von den Verantwortlichen bei Bayernoil eine lückenlose Aufklärung.
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Im Zentrum der Aufmerksamkeit: Bürgermeister Martin Schmid vor mehreren Mikrofonen, neben ihm steht Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (links), im Hintergrund ist Manchings Bürgermeister Herbert Nerb zu sehen. In ihren Gesichtern spiegelt sich die Sorge und der Stress wenige Stunden nach der Explosion.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit: Bürgermeister Martin Schmid vor mehreren Mikrofonen, neben ihm steht Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (links), im Hintergrund ist Manchings Bürgermeister Herbert Nerb zu sehen. In ihren Gesichtern spiegelt sich die Sorge und der Stress wenige Stunden nach der Explosion.
Hauser
Vohburg
Vohburg hat Glück gehabt, richtig viel Glück. Die Explosion bei Bayernoil, so heftig sie auch war, ist nur von einem relativ kleinen Teil des Raffineriegeländes ausgegangen. Der Sicherheitschef Norbert Botz schätzte, dass 85 Prozent der Anlagen heil geblieben sind. "Wir hatten Riesenglück", sagte Bürgermeister Schmid. Wenn die Gastanks betroffen gewesen wären, hätte das verheerende Folgen gehabt, sagte er. Und dieses Szenario sei gar nicht so unwahrscheinlich gewesen, fügte er hinzu.

Bereits 20 Minuten nach der Explosion war er beim Krisenstab am Autohof in Rockolding. Aus seiner Zeit als Polizist weiß er, dass es am Anfang immer eine Chaosphase gibt. Niemand hat verlässliche Informationen über das, was gerade passiert ist. Niemand weiß, ob noch Menschen in Gefahr sind. Eine gewisse Unsicherheit sei spürbar gewesen. Doch laut Schmid hat sich diese Phase überraschend schnell gelegt und es wurde ruhig und durchdacht gehandelt. "Das Zusammenspiel der Rettungskräfte hat einwandfrei funktioniert", sagte er. Zunächst war der Krisenstab noch von einigen Vermissten ausgegangen, aber das hatte sich bald geklärt.

Etwas länger hat es gedauert, bis klar war, dass die Gastanks wohl nicht gefährdet sind. Eine Ausbreitung des Feuers konnte zwar bald ausgeschlossen werden, allerdings bestand die Gefahr, dass herumfliegende Trümmerteile einen Tank treffen und dadurch zur Katastrophe führen. "Ein Mitarbeiter von Bayernoil hat die Chancen als 50:50 bezeichnet", berichtete Schmid.

Wäre es so gekommen, hätte das noch viel gravierende Konsequenzen gehabt, als ohnehin schon. Schmid: "Wir hätten wohl die ganze Stadt evakuieren müssen." Der Rathauschef war deshalb mit seinen Amtskollegen aus den umliegenden Gemeinden - sofern sie nicht ohnehin in Rockolding dabei waren - in Kontakt gewesen. Dieser Kelch ist glücklicherweise an Irsching und Vohburg vorbeigezogen.

Doch auch so sind die Schäden immens. Es gibt kaum ein Haus in Irsching, das nicht betroffen ist. "Diese Wucht und dieses Ausmaß an Zerstörung habe ich mir vorher nicht vorstellen können", sagte Schmid. Und das, obwohl letztlich nur ein relativ kleiner Teil der Raffinerie betroffen war.

So sicher und modern die Anlagen auch sein mögen, ein gewisses Restrisiko werde es immer geben, sagte Schmid. Das ist wohl das Los, das Vohburg als Stadt mit Großindustrie tragen muss. In wie weit sich bei einem Wiederaufbau der Anlage Veränderungen zum Schutz der Bürger ergeben könnten, werde man prüfen müssen, sagte Bürgermeister Schmid. Das könnte unter Umständen auch dazu führen, Flüssiggastanks unter die Erde zu legen. Ob das technisch möglich und sinnvoll ist, müssten Experten beurteilen.

Der Bürgermeister war in den vergangenen Tagen auch mit den beiden Geschäftsführern von Bayernoil Karl Strummer und Michael Raue in Kontakt. "Aufklärung ist das oberste Gebot", forderte Schmid. Die Zeiten, in denen Firmen versucht haben, möglichst wenige Informationen an die Öffentlichkeit zu geben sind laut Schmid vorbei. Diese Zusage hat er nach seinen Worten auch von Strummer und Raue bekommen, ebenso wie das Versprechen, schnell und unbürokratisch die entstandenen Schäden zu ersetzen. In der Stadtverwaltung stand zuletzt kaum das Telefon still, über 150 Emails sind bereits eingegangen. Die Verwaltung leitet alles an Bayernoil weiter. Schmid ist guter Dinge, dass die Aufarbeitung des Unfalls funktionieren wird.

Indes ist es für die Stadt Vohburg bisher kein guter Sommer. Erst vor wenigen Wochen sind zwei junge Männer bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen, nun die Katastrophe bei Bayernoil. "Schlimmer geht es nicht mehr", sagte Schmid. Bundesweit melden sich Medienvertreter und wollen mit ihm sprechen. "Auf diese Schlagzeilen kann ich gerne verzichten."
 
Markus Meßner
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