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Der Plastische Chirurg Gernot Maiwald erzählt von Schönheits-OPs und medizinischen Eingriffen in seiner Praxis

"Das Ideal ist das durchschnittliche Mittelmaß"

Ingolstadt
erstellt am 09.11.2018 um 18:37 Uhr
aktualisiert am 13.11.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Steinerne Mimik, ein botoxgelähmtes Gesicht oder Schlauchbootlippen - das sind häufig Bilder, die bei dem Wort "Schönheits-OP" durch den Kopf geistern. Meist sind ästhetische Eingriffe aber so unauffällig wie möglich und sollen schnell verheilen. Der Ingolstädter Schönheitschirurg Gernot Maiwald spricht in der DK-Serie "Bin ich schön?" über die Optimierung des Körpers.
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Brustvergrößerungen zählen zu den beliebtesten Schönheitsoperationen. Gernot Maiwald zeigt die Silikonimplantate.
Brustvergrößerungen zählen zu den beliebtesten Schönheitsoperationen. Gernot Maiwald zeigt die Silikonimplantate.
Hammer
Ingolstadt

Herr Maiwald, haben Sie heute schon operiert?

Gernot Maiwald: Heute war OP-Tag. Ich hatte eine wasserstrahlassistierte Fettabsaugung bei einer Patientin mit einem sogenannten Lipödem. Das ist eine Erkrankung des Fettgewebes in der unteren Körperhälfte, eine Art Lymphstau. Da werden die Beine im Laufe der Jahrzehnte immer dicker, ohne dass sich die obere Körperhälfte verändert. Die Patientin hatte so starke Schmerzen, dass sie teilweise nachts nicht mehr schlafen konnte. Da haben wir aus den Oberschenkeln und Hüften mehrere Liter abgesaugt.


Die Behandlung eines Lipödems zählt nicht zu klassischen Schönheits-OPs, sondern hat auch einen medizinischen Hintergrund. Wie lange ging die OP?

Maiwald: Die reine Schnitt-Naht-Zeit hat etwa 90 Minuten gedauert, aber dafür ist natürlich eine Vorbereitung notwendig. Das heißt: Set-Up richten, desinfizieren und lagern. Danach kommt die Ruhephase, so dass die Patientin insgesamt drei Stunden in der Praxis war.


Wie würden Sie selbst Ihren Beruf beschreiben?

Maiwald: Es ist eine Mischung aus chirurgischem Handwerk, sozialer Interaktion mit den verschiedensten Menschen und einem ästhetischen Gespür. Dazu gehören medizinischer Sachverstand und eine immer wieder neue Herausforderung, dass man den Wünschen des Patienten entgegenkommt und das erreicht, was erreichbar ist.


Wie würden Sie Ihre Patienten beschreiben?

Maiwald: Das Klientel reicht vom Kind bis zum Greisenalter. Bei Kindern handelt es sich um das Anlegen von abstehenden Ohren. Ästhetische Operationen werden aber erst ab 18 durchgeführt. Der Wunsch nach ästhetischer Verbesserung endet normalerweise mit 70 Jahren.


Wann operieren Sie Minderjährige?

Maiwald: Man muss erst einmal abwägen, ob die Operation überhaupt medizinisch notwendig ist. Die Physiognomie des Gesichts ist eh sehr variabel. Wenn jemand mit 16 Jahren unter einer möglichen Fehlform der Nase leidet, tut er das aber nicht unbedingt mit 18. Eine Operation kann Risiken beinhalten, die nicht mehr verschwinden, zum Beispiel Veränderungen der Nasenscheidewand, Verengung der Luftwege oder eine kleine Asymmetrie. Wer noch ganz jung ist, sieht oft nur die Vorteile einer OP, nicht die Nachteile .


Welche Eingriffe nehmen Sie am häufigsten vor?

Maiwald: Faltenbehandlung sind die häufigsten Behandlungen. Danach kommen Brustvergrößerungen, Fettabsaugungen und Lidstraffungen.


Welche Methoden sind am gängigsten?

Maiwald: Je weniger Ausfallzeit eine Prozedur mit sich bringt, desto eher ist sie akzeptiert, zum Beispiel eine Faltenbehandlung. Man kann selbst Brustvergrößerungen heute auch ambulant machen: Die Patienten kommen morgens in die Klinik und können sie abends wieder verlassen, wenn sie die Narkose gut vertragen. Keiner will lange Schmerzen haben. Die Schönheitsoperationen werden immer in der eigenen Freizeit durchgeführt und man darf keine Krankschreibung oder Arbeitsunfähigkeit dem Arbeitgeber vorlegen. Man muss auch die Nachbehandlungsphase in diesen Urlaub einplanen.


Warum das?

Maiwald: Man muss es auch zu einer Zeit machen, in der es die Kollegen nicht besonders merken. Das ist ja auch immer noch ein Tabuthema, keiner sagt: Schaut her, ich habe das und das an mir machen lassen.


Welches Schönheitsideal ist erkennbar?

Maiwald: Das Ideal ist das durchschnittliche Mittelmaß. Man kommt selten zu mir mit irgendwelchen Topmodelbildern. Ich bekomme manchmal schon ein Foto vorgelegt von Brüsten oder Lippen, aber das ist auch schon alles. In den allermeisten Fällen sind die Patienten realistisch, was machbar ist und was nicht.


Wie haben sich OP-Techniken verändert?

Maiwald: Beispielsweise bei der Brustvergrößerung gibt es immer wieder experimentelle Eingriffe mit Lokalänesthesie. Aber das ist keine Regel. Die meisten wollen eine Vollnarkose und den Eingriff nicht mitbekommen. Dann gibt es Brustvergrößerung mit Eigenfett. Aber die Prozedur kann man nicht mit einem Mal machen, da würde viel Fettgewebe wieder absterben. Nach drei bis fünf Fetteinspritzungen hat man die Brustgröße, die man möchte. Das ist aber sehr teuer und wird selten nachgefragt. 2001 gab es Vakuumglocken, die vor der Brust platziert werden. Da war dann eine Pumpe dran, die Brüste vergrößern sich durch den Sog. Da war eine Frau mindestens drei vier Monate gezwungen, den riesigen Spezial-BH zu tragen.


Welche Veränderungen wünschen sich Männer?

Maiwald: Bei ihnen mache ich oft Eigenhaartransplantation. Viele Manager wollen Botox-Behandlungen, die legen da viel Wert auf ihr Äußeres. Ansonsten mache ich Fettabsaugung von Männerbrüsten oder an den Flanken oder der Bauchfront. Oft lassen sie sich Muttermale und Altersflecken entfernen.


Wann raten Sie von einem Eingriff ab?

Maiwald: Immer dann, wenn zwischen der Erwartungshaltung des Patienten und der medizinischen Machbarkeit eine zu große Kluft entsteht. Es muss so sein, dass am Ende der Patient auch das erhält, was er sich versprochen hat. Ich muss aufklären. Manchmal kann ich mit Hilfe von Bildbearbeitungsprogrammen den Effekt simulieren, den man erreichen kann. Wenn jemand sehr übergewichtig ist und einen Body-Mass-Index von 45 hat und hinterher eine schlanke Wespentaille möchte - da kann man sagen: Das ist medizinisch nicht machbar.


Welche Kritik an der Schönheitschirurgie halten Sie für nachvollziehbar?

Maiwald: Nicht jede Entscheidung, die eine Patientin trifft, an ihrem Körper etwas machen zu lassen, wird über die vielen Jahre als gute Entscheidung gesehen. Bei einer Brustvergrößerung sind das letztendlich Fremdkörper, die wir einsetzen. Und manche Patienten kommen dann nach einer bestimmten Zeit auf die Idee: Das möchte ich gar nicht mehr. Das ist oft Kritik an Schönheitschirurgie: Dass man etwas macht, das am Ende nicht mehr veränderlich ist. Deshalb sind wir Ärzte ethisch als auch juristisch dazu verpflichtet, über diesen Aspekt genauestens aufzuklären.


Kommen Patienten mit verpfuschten OPs zu Ihnen?

Maiwald: Das gibt es immer wieder mal, dass Patienten mit der ausgefertigten Behandlung nicht zufrieden sind und dann zu mir kommen, um sich eine Zweitmeinung einzuholen. Es gab auch schon Fälle, dass ich tatsächlich Korrekturoperationen durchgeführt habe. Das Problem ist, dass die Patienten das Vertrauen zu dem behandelnden Arzt verloren haben und manchmal ein Missverständnis auftritt zwischen dem, was man erreichen konnte und dem, was man erwartet hat. Dann sind die Patienten verärgert und sagen: Ich bin verpfuscht worden. Manchmal hängt es auch mit den Voraussetzungen des Bindegewebes zusammen. Ich muss sagen, dass alle Kollegen im Umfeld, gut sind. Ich kenne hier keine schwarzen Schafe.


Belächeln Sie nicht-operative Methoden wie Cremes oder Tabletten mit Hyaluron?

Maiwald: Oft bekomme ich gesagt, dass man das lange probiert hat und es nichts gebracht hat. Wichtig ist natürlich schon, dass man die Haut gut befeuchtet, Risikofaktoren wie Rauchen und extreme Sonneneinstrahlung meidet und bestimmte Medikamente, die die Haut schädigen. Man muss sich gesund ernähren. Die Produkte können helfen, aber nicht den Alterungsvorgang lindern. Wenn man lang genug bestimmte Kosmetika verwendet, möchte man darauf gar nicht verzichten.


Haben Sie an sich schon etwas machen lassen?

Maiwald: Ich werde das jeden Tag gefragt. 60 Jahre bin ich jetzt alt. Ich habe mich bisher nicht selbst gespritzt und auch nicht selbst operiert. Ich habe ein gutes, ausgewogenes Leben und eine tolle Frau und eine gute Familie und fühle mich in meinem Job gut, das sieht man von innen. Ich esse richtig, vermeide Alkohol, Zigaretten und Stress. Es ist auch Veranlagung.


Das Gespräch führte

Anna Hausmann
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Das sagt der Ethikprofessor

 
Katrin Poese, Poese, Katrin, Wettstetten
Ingolstadt

Die Schönheitschirurgie zeige viel über die Gesellschaft, meint Markus Rothhaar, der seit März 2014 Inhaber der Stiftungsprofessur für Angewandte Ethik mit Schwerpunkt Bioethik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt ist. "Viele denken, dass sie nur persönliche Anerkennung bekommen, wenn sie dem Ideal der Gesellschaft entsprechen. "

Er habe allerdings keine Studie gefunden, dass gelungene OPs schwerwiegende Auswirkungen auf die Psyche hätten - im Gegensatz zu missglückten Eingriffen. Er ist überzeugt: "Jede OP ist ein gewaltiger Eingriff in die körperliche Integrität, also die Unversehrtheit. "

Grundsätzlich sei es ethisch in Ordnung, wenn ein Schönheitschirurg unter Zustimmung des Patienten eine Schönheitsoperation durchführt. Er verweist besonders auf Fälle, in denen beispielsweise Verbrennungsopfer durch ästhetische Chirurgie ihr Gesicht rekonstruieren lassen. "Das ist sogar so weit akzeptiert, dass die Kosten von der Solidargemeinschaft getragen werden", erklärt Rothhaar im Gespräch mit dem DONAUKURIER.

Im Extremfall könnte sich ein Patient nicht mehr mit dem eigenen Körper identifizieren oder sich vielleicht gar von sich selbst entfremden. "Beim prominenten Beispiel der menschlichen Barbiepuppe muss der Chirurg auch erkennen, wenn ein psychisches Problem vorliegt", findet Markus Rothhaar.
 

Augenblick mal . . .

 
Cornelia Hammer, Hammer, Cornelia, Ingolstadt
Ingolstadt

Ich hatte ständig einen müden Blick", erzählt Regina Maiwald, die mit ihrem Mann in der Praxis in der Moritzstraße arbeitet.Vor fünf Jahren hat sich die heute 53-Jährige deshalb für eine Oberlidstraffung entschieden - ihre bis jetzt erste und einzige Operation. Bei diesem Eingriff hat ihr Mann unter Lokalanästhesie überschüssiges Fettgewebe mit einem Skalpell entfernt. "Nach wenigen Tagen wurden schon die Fäden gezogen. " Nur eine hauchdünne weiße Narbe zeugt von dem Eingriff von damals. Weitere Operationen hat sie aber nicht geplant. "Viele denken ja automatisch, man hätte sich öfter operieren lassen - man sitzt ja immerhin an der Quelle". Botox lasse sie sich ab und zu spritzen - zwar ein schneller Eingriff, dennoch handelt es sich hierbei um ein Nervengift, das die Muskeln für einige Zeit lähmt. Sie schließt es zwar nicht komplett aus, später vielleicht doch mal eine weitere Operation machen zu lassen. "Ich scheue selbst etwas davor zurück", sagt sie. "Außerdem bin ich zufrieden mit mir", ergänzt Regina Maiwald und lächelt. Feine Lachfältchen umspielen ihre Augen.

Zu ihrem Eingriff steht sie offen - in anderen Berufen ist das oft noch verpönt. In der Praxis ist Schönheit immer aufs Neue Tagesthema. Schönheit sei so viel mehr, als sich nur über Falten und das Äußere zu definieren, findet Regina Maiwald. Wichtig sei die Ausstrahlung. "Aber natürlich strahlt man das auch aus, wenn man mit seinem Äußeren zufrieden ist. "
 

Zur Person


Gernot Maiwald, promovierter Chirurg, hat im April 2005 seine Praxis für Plastische und Ästhetische Chirurgie in der Moritzstraße 17 in Ingolstadt eröffnet. Der gebürtige Hamburger, 1958 geboren, hat in seiner Heimatstadt studiert. Die Approbation folgte 1984. Über Umwegen sei der Facharzt für Plastische, Ästhetische, Hand- und Mikrochirurgie zur ästhetischen Chirurgie gekommen: "Ich habe, als ich jung war und Medizin studiert habe, an plastische Chirurgie gar nicht gedacht. " Die Schönheitschirurgie hätte damals noch in den Kinderschuhen gesteckt, kaum Ärzte hätten sie angeboten. Er arbeitete unter anderem in der Inneren Medizin, der Urologie und der Intensivmedizin.

In seiner Praxis in der Innenstadt arbeitet er ausschließlich mit Lokalbetäubung. Mit mehreren Anästhesisten arbeitet er unter Vollnarkose operiert er im Medi-IN-Park, wo seine Patienten auch nach einem Eingriff über Nacht beobachtet werden können.

Im Monat hat er etwa 40 bis 50 neue Patienten. "Die Beratung dauert etwa eine Stunde, je nach Eingriff kürzer oder länger", erklärt Maiwald. Dort klärt er über den Ablauf, Risiken und Kosten des Eingriffs ab. Die Kosten einer OP übernimmt die Krankenkasse nicht, wenn sie nicht medizinisch notwendig ist. Die Preise erfährt jeder Patient erst im Beratungsgespräch, einen Pauschalpreis kann Maiwald nicht nennen. Über einen Drittanbieter können seine Patienten allerdings für einen Eingriff einen Kredit aufnehmen.

In seiner Praxis bietet Gernot Maiwald auch neuere Methoden an - dazu zählt das Fadenlifting: Hier setzt selbstauflösende Fäden unter die Haut. Diese lösen sich nach einiger Zeit auf und regen die Collagenproduktion an.
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