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Diskussion mit Ingolstädter Landtagskandidaten: Bezahlbare Mieten ein Schwerpunktthema

Angstthema Wohnen

Ingolstadt
erstellt am 28.09.2018 um 19:43 Uhr
aktualisiert am 03.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) 13 Direktkandidatinnen und -kandidaten aus dem Stimmkreis Ingolstadt treten am 14. Oktober zur Landtagswahl in Bayern an. Acht von ihnen nahmen jetzt auf dem Podium im Rudolf-Koller-Saal in der Volkshochschule Platz, um sich und ihre jeweilige politische Haltung den Ingolstädter Bürgern vorzustellen.
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Sie diskutierten in der Volkshochschule über das Thema Abstiegsängste (v. l.): die Landtagskandidaten Christoph Spaeth (SPD), Jakob Schäuble (FDP), Steffi Kürten (Grüne), Johannes Kraus von Sande (AfD), Raimund Köstler (ÖDP), Alfred Grob (CSU), Petra Flauger (FW) und Eva Bulling-Schröter (Linke).
Sie diskutierten in der Volkshochschule über das Thema Abstiegsängste (v. l.): die Landtagskandidaten Christoph Spaeth (SPD), Jakob Schäuble (FDP), Steffi Kürten (Grüne), Johannes Kraus von Sande (AfD), Raimund Köstler (ÖDP), Alfred Grob (CSU), Petra Flauger (FW) und Eva Bulling-Schröter (Linke).
Brandl
Ingolstadt
Laut aktuellen Wahlprognosen ist die absolute Mehrheit der CSU im Landesparlament akut gefährdet. Auf den Plätzen dahinter ist das Feld mit Grünen, AfD, FW und SPD eng zusammengerückt. Linke und FDP dagegen müssen wohl noch zittern, ob es zum Einzug in den neuen Landtag reicht.

Zahlenspiele um Prozente und Prognosen oder gar mögliche Koalitionen gab es am Donnerstagabend aber nicht. So blieb genug Raum, um meist sachlich und ohne allzu schlimme Seitenhiebe auf den Tischnachbarn aktuelle Themen in Bezug auf Ingolstadt und Bayern anzugehen. Die wurden zuvor von den Veranstaltern (federführend der Bund Naturschutz Ingolstadt) festgelegt und von Moderatorin Kristina Heselhaus der Reihe nach abgearbeitet.

Als übergeordnetes Motto ausgegeben war die Angst vor dem sozialen Abstieg. Weil vielleicht der Mittelstand unter dem Gewicht von Audi und dem Fachkräftemangel zu zerbröseln droht oder der Autobauer selbst im Diesel-Schlammassel die Kurve nicht mehr kriegt und Arbeitsplätze in Gefahr sind, wie Bürgermeister Albert Wittmann zuletzt erklärt hatte, Audi jedoch dementierte? Oder weil im wachsenden Ingolstadt bezahlbarer Wohnraum fehlt - womöglich, weil das letzte günstige Zimmer ein Flüchtling bewohnt?
Vermeintliche Angstszenarien wie diese und andere Themen wie Pflegenotstand, Sicherheitsempfinden und Klimaschutz erschlossen sich fürwahr genug. Lösungsvorschläge auch. Selbst wenn die bei den Zuhörern nicht immer auf Gegenliebe stießen. Beispielsweise, als Johannes Kraus von Sande (AfD) sich dafür aussprach, neu gebaute Sozialwohnungen vorrangig an Deutsche vergeben zu wollen. Da ging das erste Mal deutlich hörbar ein entsetztes Raunen durch den gut besuchten Saal. CSU-Kandidat Alfred Grob fing den Protest jedoch sogleich wieder ein. Seine Partei leiste viel für den Wohnungsbau, keine tue derzeit mehr dafür. Und jeder, der Anspruch auf eine sozial geförderte Wohnung hat, solle auch eine bekommen, sagte er und verwies auf die Förderungsquote in Ingolstadt - laut Grob die höchste in Bayern. Schon wandelte sich das Raunen in Applaus.
Ein Beispiel für Nachverdichtung in Ingolstadt ist das Wohngebiet an der Spitalhofstraße.
Ein Beispiel für Nachverdichtung in Ingolstadt ist das Wohngebiet an der Spitalhofstraße.
Hauser
Ingolstadt



Auch Jakob Schäuble (FDP) biss sich an dem Thema fest. In Ingolstadt könne nicht nur die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft bauen, es müssten zusätzlich Flächen für großflächigen Wohnraum ausgewiesen werden, dichter und höher gebaut werden, forderte er und kritisierte zugleich die Mietpreisbremse als dafür kontraproduktiv. Der Bestand an Sozialwohnungen in Bayern sei dabei, sich zu halbieren, warnte Eva Bulling-Schröter (Die Linke) und befürwortete eine bessere Strukturpolitik, die dem Zuzug in Ballungszentren wie Ingolstadt entgegensteuere. Eine Erhöhung des Wohngelds lehnte sie ab. "Das dient nur denjenigen, die ständig die Mieten erhöhen. Das ist asozial", sagte sie.
Die Stadt solle mithilfe von Erbpacht mildernd auf die Grundstückspreise einwirken, schlug Raimund Köstler (ÖDP) vor, als sich die Diskussion auf die Aspekte Wohlstand und Eigentum erweitert hatte. Wohlstand auf Kosten von Ressourcen, die "verpulvert" würden, sei für ihn nicht tragbar. "Jemand auf der Welt muss das büßen. Da muss man sich nicht wundern, wenn die Leute hierher kommen wollen." Während von Sande sich nun korrigierte und Wohnungen jetzt auch Flüchtlingen mit Bleiberecht zuerkennen wollte, plädierte Petra Flauger (FW) für eine längere Mietpreisbindung. Sie könne sich außerdem vorstellen, das Unternehmen wie Post oder Krankenhäuser wieder Dienstwohnungen zur Verfügung stellten.
SPD-Kandidat Christoph Spaeth äußerte sich bereits zuvor zur Stärkung des Mittelstands in Zeiten der wachsenden Digitalisierung. Er sagte, dass diese auch für kleine Unternehmen eine Chance zur Innovation darstelle. Ähnlich äußerte sich auch Schäuble, der sich zudem entsprechende Fortbildungen in Schulen vorstellen könne, jedoch nicht zwangsläufig in Kindergärten. Spaeth sprach außerdem die Problematik der Hausarztversorgung und die fehlenden Kita-Plätze in Ingolstadt an.

Grüne-Kandidatin Steffi Kürten erhielt überraschend kräftigen Beifall, als sie sich für höhere Steuern auf Flugbenzin aussprach. Als sie gefragt wurde, ob eine Islamisierung des Landes drohe, antwortete sie, die Gesellschaft könne gar nicht überfremden. "Wer tatsächlich eine Leitkultur hat, braucht davor keine Angst zu haben."
Nicht zuletzt ging es um Audi und die Diesel-Krise. Ein Arbeitsplatzabbau bei Audi müsse nicht sein, sagte Bulling-Schröter und plädierte stattdessen für eine 30-Stunden-Woche. Die Krise schüre Ängste, so Flauger. In Ingolstadt müssten die Arbeitsplätze daher besser gestreut und demzufolge der Mittelstand gestärkt werden.

Michael Brandl
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