Samstag, 15. Dezember 2018
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Thomas Lorenz wird im Erntedankgottesdienst nach über 19 Jahren von seiner Arbeit als Pfarrer in Eysölden entbunden

Tränenreicher Abschied

Eysölden
erstellt am 30.09.2018 um 14:29 Uhr
aktualisiert am 06.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eysölden (HK) Gerade erst hat sein 20. Jahr als Pfarrer von Eysölden - seit 2008 ist er auch der Geistliche von Offenbau - begonnen, da geht die Zeit im größten Thalmässinger Gemeindeteil auch schon wieder zu Ende. Thomas Lorenz und seine Familie verlassen die hiesige evangelische Gemeinde, ziehen um nach Wassermungenau. Gestern wurde nicht nur der Pfarrer im Erntedankgottesdienst von seinem Dienst hier entbunden, die ganze Familie wurde verabschiedet. Es war ein bewegender Abschied.
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Eine ganze Familie nimmt Abschied von Eysölden, als Frank Zimmer (rechts) seinen Kollegen Thomas Lorenz vom Dienst in Eysölden entbindet. Conny, Deborah, Noah, Tabea und Josia (von links), fällt der Schritt schwer.
Eine ganze Familie nimmt Abschied von Eysölden, als Frank Zimmer (rechts) seinen Kollegen Thomas Lorenz vom Dienst in Eysölden entbindet. Conny, Deborah, Noah, Tabea und Josia (von links), fällt der Schritt schwer.
Luff
Eysölden
Es gehe ihm im Augenblick "nicht so gut", sagt Pfarrer Thomas Lorenz, als er die Sporthalle des TSV betritt. Sie hat seine Gemeinde als Ort des Empfangs auserkoren, die große Halle ist brechend voll. Das ganze Dorf will Abschied nehmen vom beliebten Pfarrer und seiner Familie. Wenn er in diesem Augenblick sagen würde, er sei froh gelaunt, müsste er lügen, so Lorenz. Zu frisch, zu bewegend sind seine Eindrücke, die er nur wenige Minuten zuvor in der Kirche St. Thomas gewonnen hat. Schon da muss er schlucken, nachdem der stellvertretende Dekan Frank Zimmer, ebenfalls Pfarrer in der Region Thalmässing, die entscheidenden Worte der Entbindung gesagt hat.

Nicht nur als scheidender Pfarrer ist Thomas Lorenz in diesem Augenblick gefragt, sondern auch als tröstender Vater und Ehemann. Dass Eysölden für die ganze Familie Heimat geworden sei, wie Lorenz schon im August-Gemeindebrief betont hat, wird sehr deutlich. Tränen fließen - nicht nur bei Ehefrau Conny und den vier Kindern, auch auf den Bänken der voll besetzten Kirche ist manches Schniefen zu hören. Ein Kapitel geht zu Ende, ja eine ganze Ära: Kaum anzunehmen, dass jemals wieder ein Pfarrer so lange in Eysölden wirken wird wie Thomas Lorenz. Gewöhnlich wechseln evangelische Pfarrer nach gut zehn Jahren ihre Stelle. Jetzt bleibt die Stelle in Eysölden erst einmal vakant. "Wir rechnen mit mindestens einem halben Jahr", sagt Rudolf Obermeyer, der Vertrauensmann des Kirchenvorstands. "Wenn nicht gar ein ganzes."

Der Abschied von Eysölden bedeutet eine Zäsur nicht nur für die Kirchengemeinde, sondern für die ganze Familie Lorenz: Sohn Noah hat gerade eine Ausbildungsstelle in Regensburg angetreten, die älteste Tochter Deborah vollzieht den Gang nach Wassermungenau nicht mit, sie bleibt in Eysölden. Die Trennung der Familie ist an diesem Tag ein Umstand, der die emotionale Verabschiedung nicht gerade leichter macht.
Thomas Lorenz  tröstet seine Familie.
Thomas Lorenz tröstet seine Familie.
Luff
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Ein wenig Frohsinn versucht der Landrat zu verbreiten. Er habe gut reden, sagt Herbert Eckstein, "ich verabschiede ihn ja nicht - er bleibt im Landkreis". Die Familie solle keine Angst haben vor der neuen Wirkungsstätte des Vaters, "auch Wassermungenau ist eine lebendige, traditionsreiche Landgemeinde - wie Eysölden". Er habe seine Sache in Eysölden gut gemacht, attestiert Eckstein dem Pfarrer. Das könne man sehen: "Ich finde es bemerkenswert, wie viele Leute heute in den Gottesdienst gekommen sind."

Sie erleben dort einen Pfarrer, dem es gelingt, eine Festpredigt zu Erntedank zu halten, ohne Pathos wegen der persönlichen Veränderung. Und doch immer wieder einen Bogen zu schlagen zu den vergangenen 19 Jahren und der Gemeinde. Die Früchte im Altarraum sind ein Zeichen, dass Gott für uns sorgt, sagte Lorenz. "Er hat auch gesorgt für uns als Familie und für mich als Pfarrer." Die Arbeit eines Geistlichen, die Begegnungen mit den Menschen seien auch eine Art Ernte, "die wir immer wieder haben einbringen dürfen".

So verabschiede er seinen Kollegen "auch mit einem weinenden Auge", sagt Pfarrer Frank Zimmer. Er selbst habe den "Pfarrer aus Leidenschaft und Berufung" im Lauf der Jahre "immer mehr schätzen gelernt", er sei ein Gewinn nicht nur für Eysölden und später auch für Offenbau gewesen, sondern für die gesamte Region Thalmässing und das Dekanat. Es seien 19 segensreiche Jahre für Eysölden gewesen, "hier hast du vieles bewirkt und geprägt".
Und ist beim Abendmahl für die Gläubigen da.
Und ist beim Abendmahl für die Gläubigen da.
Luff
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Der Bürgermeister als Vertreter der weltlichen Gemeinde betont die gute Zusammenarbeit im Großen wie im bei "den kleinen Aufgaben, die keiner sieht". Georg Küttinger hebt auch die jüngste Zeit hervor, als sich der scheidende Pfarrer noch stark für das Jubiläumsjahr 950 Jahre Eysölden engagiert habe. Als "Botschafter des Glaubens, Zuhörer, Mutmacher, Manager und Buchhalter" habe sich Thomas Lorenz "in bester Art und Weise" bewährt.

Wie um solche Lobeshymnen zu unterstreichen, strömen die Menschen nach dem Gottesdienst in die Turnhalle. Jeder will sich noch mit dem Pfarrer und seiner Frau auf ein Wort treffen, die ganze Familie hat sich in die Gemeinde stark eingebracht. Der Posaunenchor spielt noch einmal, Kindergottesdienst, Kindergarten, Jugendgruppe, sie alle singen Lieder; die Vertrauensleute aus Offenbau und Eysölden geben Einblick in ihre Gefühlswelt.

Das alles mache das Ganze ein wenig leichter, gesteht der Pfarrer, "es tut gut, dass die Leute Anteil nehmen". Auch wegen der Kinder, denn den Entschluss, sich jetzt auf eine neue Pfarrstelle zu bewerben, hätten Ehefrau Conny und er gemeinsam gefällt, doch vor den Kindern hielten sie die Entscheidung fünf Monate lang bis zum Ausgang des Bewerbungsverfahrens geheim. "Die Kinder haben es dann von uns erfahren, für sie war es schlimm." Freunde bleiben zurück, für alle Generationen. Aber wie als kleiner Trost wird in der Turnhalle noch einmal gemeinsam ein Lied angestimmt: "Möge die Straße uns zusammenführen."
Volker Luff
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