Montag, 23. Juli 2018
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VHS-Reihe "Der Landkreis liest" zu Gast in Spalt

In der emotionalen Achterbahn

Spalt
erstellt am 13.07.2018 um 17:11 Uhr
aktualisiert am 18.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Spalt (HK) Sommerauftakt im Lesegarten der Bücherei in Spalt.
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Die Vorleserinnen und Vorleser: Christa Vorstoffel, Ursula Müller, Martin Burkert und Robert Wechsler (von links) .
Die Vorleserinnen und Vorleser: Christa Vorstoffel, Ursula Müller, Martin Burkert und Robert Wechsler (von links) .
Foto: Doßler
Spalt
Den Sommerabend genießen und interessanten Texten lauschen - das war der Plan. Dazwischen schob sich aber eine Kaltfront mit starken Windböen. Draußen oder drinnen war die Frage, die sich Büchereileiterin Gabi Landau und Moderatorin Cordula Doßler von der VHS im Landkreis Roth stellten.

Passend zu den dunklen Wolken, die sich immer wieder vor die Sonne schoben, begann die Lesung mit dem Text von Ursula Müller, die sich für das Buch einer Holocaust-Überlebenden entschieden hatte. Bei einem Büchereibesuch war ihr der Titel "Vier Stückchen Brot" von Magda Hollander-Lafon aufgefallen. Die Lektüre war so bewegend, dass sie die Gelegenheit nutzte, es bei der "Lesezeit" einem größeren Publikum vorzustellen.

In kurzen Absätzen berichtet die Ungarin in einer fast lyrischen Sprache in kurzen Kapiteln von ihren Erlebnissen im KZ Auschwitz-Birkenau. Die besondere Sprache beeindruckte das Publikum und machte den Text zu einer Entdeckung, die zum Lesen anregte.

Christa Vorstoffel hatte einen älteren Artikel der "Zeit" ausgewählt, der die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter erzählt, die sich zu Beginn der Flüchtlingswelle entschloss, in ihrer kleinen Wohnung einen geflüchtbeten Syrer aufzunehmen. Ohne dramatische Wendungen zeigte der Text dennoch die Schwierigkeiten, im Alltag wirklich aufeinander zuzugehen. Letztlich blieben sich beide Beteiligte der interkulturellen Wohngemeinschaft fremd.

Anschließend las Christa Vorstoffel einen eigenen Text zur Geschichte der Vertreibung ihrer Eltern vor und machte damit das Thema "Flucht und Vertreibung" durch die vielen Details erlebbar. Wichtig war am Ende die Erkenntnis, dass es sich immer um Menschen mit ihren ganz eigenen, persönlichen Schicksalen handelt, eine Tatsache, die aber oft in der gesichtslosen Menge untergeht.

Nach dem Ortswechsel ins wärmere Innere der Bücherei ging es heiter weiter. Martin Burkert, Spalatin-Experte, las unter dem Titel "Alter schützt vor Torheit nicht" eigene Geschichten über das Lachen, beispielsweise die kurzweilige Schilderung von zwei Chormitgliedern, beide im achten Lebensjahrzehnt, die vergeblich versuchen, einen Lachanfall während der Chorprobe zu stoppen. Burkert machte Mut, das Leben in vielen noch so misslichen Situationen von der heiteren Seite zu sehen.

Schuldirektor Robert Wechsler beschloss den Abend stimmgewaltig mit verschiedenen Balladen. Beim "Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland" von Theodor Fontane konnte ein Großteil des Publikums den Anfang sogar mitsprechen. Balladen können alles, wie Robert Wechsler wunderbar zeigte: Lustig wie "Die Made" von Heinz Erhardt, absurd wie "Der Werwolf" von Christian Morgenstern, dramatisch wie "Der Erlkönig" von Goethe oder hintersinnig wie "Der Zauberlehrling" von eben demselben. Das Publikum ließ sich auf die emotionale Achterbahn ein; schmunzelte, raunte und mancher sprach leise mit, was aus alten Tagen noch gegenwärtig war. Am Ende wurden alle stimmungsvoll mit Goethes "Wanderers Nachtlied" in den nicht ganz so lauen Sommerabend entlassen.
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