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Waldbesitzer können Beitrag zum Erhalt der einzigartigen Baumart leisten Fördermittel vom Freistaat

Freiheit für die Gredinger Mehlbeere

Greding
erstellt am 01.08.2016 um 17:59 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 19:31 Uhr | x gelesen
Greding (HK) Sie ist noch zu retten, die Gredinger Mehlbeere. Die weltweit einzigartige Baumart gibt es nur im Umfeld der namensgebenden Stadt. Derzeit existieren noch 60 Exemplare. Um die wollen sich gleich mehrere Stellen kümmern.
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Greding: Freiheit für die Gredinger Mehlbeere
Gemeinsamer Einsatz für den Erhalt der Gredinger Mehlbeere: Thomas Weimert (Untere Naturschutzbehörde), Philipp Kirchlechner (AELF Roth), Andrea Kerskes (Regierung von Mittelfranken), Stefanie Haacke (LPV) sowie der Revierförster Josef Adam und Bürgermeister Manfred Preischl (von links). - Foto: Leykamm
Greding

Dass es noch 60 dieser Bäume gibt, hat eine Kartierung im vergangenen Jahr ergeben. Damit diese Art erhalten bleiben kann, sind nun die Waldbesitzer gefragt. Unterstützung gibt es in finanzieller sowie in beratender Hinsicht.

An was es dem Gredinger Exemplar am stärksten mangelt, ist schlicht die Freiheit. Denn es bevorzugt neben kalkhaltigem und warmem Boden vor allem Licht. Und das wird der botanischen Rarität immer mehr geraubt. Andere langlebige Baumarten wie die Buche verdunkeln ihr Lebensumfeld. Die Mehlbeere wehrt sich und lässt Stamm und Zweige oft in Bogenform der Sonne entgegenwachsen.

Doch langfristig gesehen ist menschliche Hilfe nötig. So machte es Andrea Kerskes von der Regierung von Mittelfranken am Hang des Pfaffenbergs unmissverständlich deutlich. Der Baum benötige kontinuierliche Pflege. Wo es möglich ist, solle der "Sorbus schuwerkiorum" freigestellt werden. Der botanische Name stamme vom Pappenheimer Ehepaar Schuwerk her, das vor über drei Jahrzehnten die Gredinger Mehlbeere entdeckt hat. Es handle sich um ein "Kind der Elsbeere und der Breitblättrigen Mehlbeere". Die Pflanze sei durch Hybridisierung entstanden und fühle sich nur um die Stadt herum wohl.

"Ein echter Lokalendemit der südlichen Frankenalb", sagte Kerskes, die für das Artenhilfsprogramm Botanik der Regierung zuständig ist und sich für jene fortpflanzungsfähigen Hybriden einsetzt. Bei der Verbreitung sei man noch in erster Linie auf die Vögel angewiesen. Vielleicht gebe es im Raum Greding pflanzlichen Nachwuchs, den es zu schützen gelte.

Unter Kerskes' Regie gab es bereits vor 15 Jahren eine erste Bestandsaufnahme. In Kooperation mit dem Landschaftspflegeverband Mittelfranken (LPV) erfolgten auf Flächen der Stadt erste Freistellungsmaßnahmen. Im vergangenen Jahr erstellte Philipp Kirchlechner vom Rother Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten eine neue Kartierung - mit überraschenden Ergebnissen: Zwei Bäume waren verschwunden, einige neue aber wurden an anderer Stelle entdeckt.

Es ergaben sich neue Möglichkeiten der Hilfe - wenn etwa der Borkenkäfer den Waldbesitzer zur Auflichtung gezwungen hatte und die Gredinger Mehlbeere wieder ungehindert der Sonne entgegen wachen konnte. Das klappte in früheren Zeiten allerdings besser als heutzutage: Im Zuge der Waldbewirtschaftung wurde jener Baum häufig auf Stock gesetzt und trieb dann kräftig nach. So blieb die Art konkurrenzfähig - eine Eigenschaft, die ihr immer stärker abgeht.

So sind nun also die acht Waldbesitzer gefragt, auf deren Böden die seltene Baumart zu Hause ist. Neben sechs privaten Eignern zählen auch die Großgemeinde und der Landkreis dazu, die beide mit gutem Beispiel vorangehen. Der Landkreis erwarb 2015 zu ihren beiden bisherigen zwei weitere Grundstücke, auf denen die Gredinger Mehlbeere wächst. Ermöglicht haben dies sogenannte Ersatzgelder, die der Kreis bekommt, wenn bei Baumaßnahmen keine Ausgleichsflächen ausgewiesen werden können.

Nun geht es an die Freistellung der Baumraritäten. "Da gibt es noch viel zu tun", stellte Thomas Weimert von der Unteren Naturschutzbehörde fest. Auch er ist sich der hohen Verantwortung bewusst. "Wir können diesen Baum nirgendwo anders schützen als hier." Positive Nebeneffekte: Auch andere wärme- und lichtliebende Arten wie die Gaslilie oder Orchideenarten profitieren Stefanie Haacke vom LPV zufolge von den Maßnahmen. Die Auflichtungen erhöhten so die Vielfalt. "Die Wertschöpfung bleibt also da", stellte auch Bürgermeister Manfred Preischl fest. Mit ihm ist auch Revierförster Josef Adam angetan von dem Projekt, das er als wichtigen Beitrag zum Erhalt der wertvollen Trockenrasenhänge bewertet.

Bei Fragen der Waldbesitzer stehen die genannten Ansprechpartner zur Verfügung. Die Organisation der Pflegearbeiten übernimmt auf Anfrage der LPV, die Kosten werden bis zu 90 Prozent durch den Freistaat gefördert. Über das AELF sollen nun alle betroffenen Waldbesitzer kontaktiert werden. Die Behörde will überdies Tipps für weitere Maßnahmen zum klimaverträglichen Waldumbau und den entsprechenden Fördermöglichkeiten geben. Der Erhalt seltener Baumarten könnte künftig förderfähig sein. Dieser Topf ist derzeit aber noch zu.

Von Jürgen Leykamm
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