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Ungewöhnliche Geschäftsidee: Für Verena Röthlingshöfer stricken 70 Omas und Opas

"Mit ein paar Mützen ist es nicht getan"

Fürth
erstellt am 18.08.2014 um 18:44 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 19:14 Uhr | x gelesen
Fürth (HK) Ihre Idee ist eingeschlagen wie eine Bombe. Verena Röthlingshöfer hat es mit MyOma geschafft, in kürzester Zeit mit ihrer Firma zu einer Marke zu werden. „Ich hätte nie gedacht, dass die Idee so gut ankommt“, erzählt die 33-jährige Unternehmerin in den neuen Geschäftsräumen in der schicken Hornschuchpromenade in Fürth. Der Clou an ihrer Geschäftsidee: Nur richtige Omas schwingen für die Kunden die Stricknadel.
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Fürth: "Mit ein paar Mützen ist es nicht getan"
Omas und Opas, die Interesse haben, mitzustricken, können sich bei MyOma melden. Entweder per Mail an omas@myoma.de oder telefonisch unter (09 11) 31 04 30 23. Im Anschluss findet dann ein Treffen statt, bei dem sich alle Omas kennenlernen können und die Anleitung sowie Wolle und Nadeln für die Mustermütze verteilt werden. - Foto: Pelke
Fürth

Im Mai 2011 hat Röthlingshöfer (Bild) die Firma Lieblingsoma gegründet. Kurze Zeit später konnte die Homepage MyOma an den Start gehen. Über das Internet können handgestrickte Mützen und Schals bestellt werden. „Mittlerweile stricken 70 Omas und ein Opa für MyOma“, erzählt die junge Firmengründerin. Der Erfolg hat freilich auch seine Schattenseiten.

Der Winter steht vor der Tür und damit die Hauptsaison des fränkischen Start-up-Unternehmens. „Wir suchen dringend noch weitere Omas“, sagt Röthlingshöfer. Die strickenden Omas und Opas gingen freilich nicht leer aus. Pro grobgestricktem Unikat würden die Mitarbeiter an den Stricknadeln zwischen zehn und fünfzehn Euro verdienen. Gestrickt werde nicht einsam und allein auf dem Sofa. „Der Gemeinschaftsgedanke ist mir wichtig. Ich möchte, dass sich die Omas mit anderen Omas treffen und austauschen können.“

Dieser soziale Aspekt sei schon von Anfang an wichtig für sie gewesen. Schließlich ist Röthlingshöfer selbst als Omakind groß geworden. Logisch, dass bei ihr deshalb ein besonderes, inniges Gefühl zu älteren Menschen vorhanden ist. Somit war gleich zu Beginn klar, dass nicht nur die Strickmode im Mittelpunkt stehen soll, sondern auch die Strickerinnen eine zentrale Rolle spielen müssen. „Nun möchte ich noch weiteren Omas aus Bayern die Chance geben bei MyOma mitzumachen“, erklärt Verena Röthlingshöfer. „Mein Ziel wäre es, dieses Jahr noch weitere vier bis fünf Strickkreise zu gründen“, so die Firmenchefin weiter.

Freilich müssten die Neulinge auch ihr Können unter Beweis stellen. Nach der Bewerbung müsse jede strickende Kandidatin eine Mustermütze herstellen. „Dies ist notwendig, um einen Eindruck zu bekommen, wie gut eine Oma stricken kann. Da wir die Sachen verkaufen, können wir natürlich nur einwandfreie Strickwaren verschicken. Die meisten Omas schaffen die Bewerbungsmütze aber mit Links“, weiß Röthlingshöfer mittlerweile aus Erfahrung.

Erfahren hat die 33-Jährige mittlerweile auch, was es heißt, eine Idee in die Tat umzusetzen. „Man stellt sich am Anfang immer alles viel einfacher vor. In der Realität ist dann alles viel schwieriger.“ Manchmal sei sie froh, dass sie nicht geahnt hatte, was da alles auf sie zukommt. „Mit ein paar Mützen ist so ein Geschäft ja nicht getan. Das ist ja alles ein Riesending“, weiß Röthlingshöfer heute. „Wir haben jetzt nicht nur neue Büroräume. Wir verkaufen jetzt auch Wolle und Strickanleitungen, weil auch immer mehr junge Leute wieder stricken wollen“, erzählt die Gründerin und schaut aus ihrem Fenster hinunter auf die Hornschuchpromenade. Draußen genießen die Menschen den Hochsommer. Für Röthlingshöfer kein Grund zum Entspannen. Denn nach dem Sommer kommt schnell der Herbst und dann steht auch der Winter bald schon vor der Tür. Und der bedeutet schon jetzt viel Arbeit für die Firmenchefin. Aber die freut sich freilich über den Stress. Schließlich beweise der nur, wie gut ihre Idee bei den Menschen angekommen ist. Zum ganz großen Glück fehlen ihr jetzt nur noch ein paar neue Omas. Dann kann Verena Röthlingshöfer vielleicht auch den Sommer endlich ein bisschen genießen und muss nicht mehr an den Winter denken.

Von Nikolas Pelke
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