Dienstag, 16. Oktober 2018
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Evangelischen Landjugend widmet sich beim Erntedankfest in der Kulturfabrik allen Facetten des Daseins

Die Wahl im Glauben, im Leben und der Politik

Roth
erstellt am 11.10.2018 um 18:02 Uhr
aktualisiert am 15.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Roth/Schwabach (HK) "Wir haben die Wahl": So hat das Motto eines unterhaltsamen Erntedankfests in der Rother Kulturfabrik gelautet. Veranstaltet hat es der Kreisverband Roth-Schwabach der Evangelischen Landjugend (ELJ). Mit Sketchen, Mitmachspielen, Interviews, Videos und szenischen Darstellungen begeisterten die zahlreichen Akteure das Publikum.
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Über die Vorteile von regionalen Lebensmitteln diskutieren Mitglieder der Evangelischen Landjugend beim Erntedankfest.
Über die Vorteile von regionalen Lebensmitteln diskutieren Mitglieder der Evangelischen Landjugend beim Erntedankfest.
Unterburger
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"Demokratie läuft nicht von alleine, unterstützen wir sie!", lautete der Appell, der nicht nur am Rednerpult zu lesen war, sondern sich quer durch die Beiträge zog. "Wir wollen verschiedene Situationen und Lebenslagen aufzeigen, wo man die Wahl hat", erklärte die Kreisvorsitzende Katharina Seitzinger aus Kammerstein.

Den Einstieg bildete ein amüsantes "Entscheidungsspiel" mit den Zuhörern. Diese sollten spontan entscheiden, welchen Begriff sie bevorzugten: Weihnachten oder Ostern? Sonne oder Regen? Brünett oder braun? Fendt oder Deutz? Acker oder Wiese? Mais oder Kartoffeln? Wer sich jeweils für den ersten Begriff entschied, musste eine blaue Karte hochheben. Für die zweite Wahl galt eine Rote.

Dann stand Thomas Schmidt, der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Rede und Antwort. Sein Thema: "Wo haben Erzeuger die Wahl - und wo nicht?" Schmidt berichtete, dass nach der langen Trockenperiode der Ernteausfall vor allem im nördlichen und östlichen Landkreis bis zu 50 Prozent des normalen Ertrags betrug. "Je südlicher und westlicher, desto besser war die Ernte, hier fehlen 20 Prozent des Ertrags", sagte Schmidt. Man müsse künftig auf andere Produkte und andere Sorten setzen, hob er hervor. Jedoch gebe es hierbei Hürden: "Das Problem ist, dass wir von der Bürokratie zu stark eingeengt werden."

Was könne also der angehende Landwirt tun? "Es ist deine Wahl. Du hast in der Landwirtschaft jede Menge Chancen", ermunterte Thomas Schmidt die Landjugend. "Du musst deine Familie und dein Umfeld mitnehmen, solltest auf das hören, was deine Kunden sagen und wie dein Umfeld darauf reagiert." Man solle nicht nur auf "die großen Medien" hören, gab er den Jugendlichen außerdem mit auf den Weg.

Nach der Erzeugerseite nahm man sich dem Verbraucher an. Dies verdeutlichten die Jugendlichen mit einem Spiel: "Engelchen und Teufelchen beraten einen Verbraucher beim Einkaufen." Schnell wurde deutlich, wie sich Verbraucher durch die Werbung manipulieren lassen und dass man regionalen Produkten den Vorzug geben sollte.

Für viele Lacher beim Publikum sorgte ein selbst gedrehter Videofilm, in dem mit verbundenen Augen Getränke wie Milch, Apfelsaft, Bier, Schnaps und zahlreiche Lebensmittel getestet wurden. Zudem nahm man das Freizeitverhalten unter die Lupe.

Nach der Pause wurde Walter Schnell, der stellvertretender Landrat und Bürgermeister von Kammerstein , befragt, warum es wichtig sei zu wählen. "Wir haben so viel Wohlstand wie noch nie", so Schnell, "trotzdem sind Menschen bei uns unzufrieden mit ihren Lebensverhältnissen." Wenn Demokraten nicht zur Wahl gingen, zerstörten manche Gruppierungen die Demokratie. Hass und Hetze dürften keinen Eingang in unser Leben finden.

Nach seiner Sicht des passenden Wahlalters - eventuell ab 16 Jahren - befragt, meinte Schnell, es sei immer gut, die Menschen möglichst frühzeitig mit der Demokratie zu konfrontieren. "Demokratie ist die beste aller Staatsformen, die wir kennen", sagte er. "Wir müssen auf Sachargumente setzen." Es fehle oft an politischer Bildung und politischem Bewusstsein. "Wenn wir den Klimawandel nicht in den Griff kriegen, machen wir die Lebenssituation unserer Nachfahren kaputt."

Danach machte die ELJ auf die Kirchenvorstandswahlen aufmerksam, die eine Woche nach der Landtagswahl stattfinden. Sie baten alle auf die Bühne, die schon einmal im Kirchenvorstand waren oder sind Und die, die sich gerade aufstellen ließen. Einige Kandidaten aus der ELJ erklärten ihre Motivation und nannten ganz unterschiedliche Gründe. "Ich bin das erste Mal im Kirchenvorstand", berichtete die neue Pfarrerin aus Barthelmesaurach, "mir ist wichtig, dass möglichst viele Leute zur Wahl gehen. Das ist ein ganz wichtiges Zeichen."

Abgeschlossen wurde die Erntedankfeier in der Kulturfabrik von Pfarrer Eberhard Hadem, der seit drei Monaten in den beiden Kirchengemeinden Roth und Roth-Pfaffenhofen tätig ist. "Zu den unbequemen Wahrheiten in der Bibel gehört, dass Gott eine freie, souveräne Wahl hat", sagte er. "Gott wählte Moses aus, der vorher einen Menschen erschlagen hat, er wählte Jakob, den Betrüger seines Bruders Esau, aus. Jesus wählte den hinterfotzigen Judas und den großmäuligen Petrus aus. Mit solchen Typen baute Gott seine Herrschaft." Gottes Wahl sei frei, souverän aber auch seltsam gewesen. "Wir haben die Wahl, ob wir Gott vertrauen", so Hadem abschließend, und betonte. "Jesus gibt dem eine Aufgabe, der sich erwählen lässt zum Guten." Mit einem gemeinsam gesprochenen Vaterunser endete das Erntedankfest.
Robert Unterburger
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